Ein Spiel pro Tag ist doch langweilig
Oder
Mal wieder Groundhopping für Anfänger
Victoria vs. FC St. Pauli II 0:3
Deutschland vs. Island 3:0
Lange hatten wir überlegt, ob wir uns das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft in der AOLA antun sollten. Immerhin, mit Island gab es einen unterstützungswürdigen Underdog als Stolperstein für die direkte EM Qualifikation der Deutschen. Glücklicherweise hatten wir dann Karten für den vermeitlichen Gästeblock!
Leider stellten wir drei Intergalaktischen (Flo, Christian und ich) bald fest, dass der eigentliche Islandblock eine Etage höher auf der Geraden (Block 15) und nicht der uns vertraute Gästekäfig (Block 14A) sein würde, aber egal, mit fünfzig St. Paulianern könnte es ja trotzdem ganz nett werden.
Das Spiel sollte um 17 Uhr beginnen, da blieb ja noch ausreichend Zeit, dass am gleichen Tag zu früherer Stunde stattfindende Spiel der Amateure" bei Victoria zu besuchen, dass um 13.30 begann.
Natürlich kamen wir wieder viel zu spät los und beim Losfahren erreichte mich ein SMS von Ansgar, der fragte, ob wir uns schon bei Vicki treffen würden. Jo, würden wir, allerdings nicht vor dem Anpfiff.
Das Spiel lief schon eine gute Viertelstunde und unsere Jungs waren bereits mit 0:1 durch Schacht in Führung gegangen. Einige bekannte Nasen hatten ebenfalls die Idee, die beiden Spiele miteinander zu verbinden. Christian war extra aufgrund von Flos Aufforderung erschienen, allein der Flo war nicht da. Irgendwann in der zweiten Halbzeit rief er Hollywood an und meldete, dass er verschlafen hätte und er sich jetzt auf den Weg machen würde...
Ich bin noch nie an der Hoheluft gewesen und war erstaunt über das schmucke Stadion. An drei Seiten ist das Spielfeld mit (Steh-) Tribünen eingefasst, auf der Geraden gibt es eine kleine, aber feine überdachte Sitzplatztribüne, die mich an Kilia Kiel (oder eben an Fredericia) erinnerte. Zur Abschreckung der Tauben baumelten zwei ausgestopfte Raben von der hölzernen Dachkonstruktion.
Das Spiel der zweiten Herren machte richtig Spaß, Vicki kann seinen Aufstiegsträumen wohl langsam realistischeren Zielen Platz machen. Es war ein flottes, ansehnliches Spiel, dass Albi endlich wieder ein Tor bescherte.
Ansonsten nutzten wir (wie eigentlich immer bei den Amateuren) die Zeit zum Klönschnacken. In der Halbzeitpause kamen Ansgar und Almut dann von der Tribüne zu uns und wir schnackten über dies und jenes. So oft sieht man sich ja nicht, wenn man sich auch via Internet und SMS auf dem Laufenden hält. War sehr nett, dich mal wieder zu sehen und Almut kennen zu lernen!
Andy und ich hatten nicht wirklich überlegt, wie wir denn nun zum Volkspark kommen sollten, hatten wir doch das Auto dabei. Da aber eine ganze Reihe von uns bekannten Nasen mit dem Bus fahren wollten, schlossen wir uns an und ließen das Auto an der Hoheluft. In der Gruppe zu reisen ist ja immer angenehmer. Also den Schal in die Tasche gestopft (wir wollten inkognito gehen) und ab in den Bus.
Der Bus zum Stadion war extrem voll, ich hatte kaum Bodenkontakt! Und an jeder Haltestelle fragte der Busfahrer, ob noch jemand aussteigen wolle. Meistens wollten allerdings welche einsteigen und an zwei oder drei Stationen ist er dann einfach vorbeigefahren, weil einfach niemand mehr in den Bus passte.
In Stellingen am Bahnhof angekommen war es dann sehr merkwürdig. Es war sehr voll, da außer unserem Bus auch gerade eine S-Bahn eingefahren war. Die meisten waren ganz normale Leute, die einfach mal ein Fußballspiel besuchen wollten, darunter viele Familien mit kleinen Kindern, doch einige Mutanten", wie Hollywood nicht ganz unpassend formulierte, waren auch zugegen und gerade im Tunnel zum Shuttel war es unheimlich mit den Deutschland, Deutschland" Gesinge, zumal ich Menschenmassen in Tunnels eh nichts abgewinnen kann...
Der Shuttel war natürlich auch völlig überfüllt, aber trotzdem ging es recht zügig.
Am Stadion angekommen, mussten wir einmal rumlaufen, da wir ja in der Südkurve unsere Plätze hatten. Mir wurde kalt, aber dass muss wohl an dem Spielort liegen. Am Einlass gab es weder lange Wartezeiten noch heftige Kontrollen, dafür aber ein Deutschlandfähnchen für jeden, das Foto ist echt lustig (www.bloedesvolk.de) . Mittlerweile war es schon nach halb fünf, wir suchten also unsere Plätze auf und waren erstaunt, dass der Gästekäfig gar keiner war: die Zäune waren samt und sonders abmontiert. Auch zum Spielfeld hin gab es keine Zäune, nicht mal Fangnetze hinterm Tor. Schon merkwürdig, der Länderspielbesucher ist wohl doch ein anderer Mensch als der gemeine Bundesligadurchschnittsfan...
In unserem Block waren hauptsächlich Familien - und etwa 20 St. Paulifans, die dann nicht mal zusammenhängende Plätze hatten. Bisschen doof. Vor allem Tyler sah echt witzig aus, wie er da so ganz allein saß und aufs Spielfeld guckte...
Hunger hatten wir auch und so wurde erst mal ein Fischbrötchen zu sportlichen 3,50 EUR genossen, bevor das Spiel mit den Nationalhymnen eingeleitet wurde.
Bei der isländischen Nationalhymne hielten sich die Pfiffe zumindest in unserer Gegend in Grenzen, bei der deutschen Nationalhymne lief der Text karaokemäßig über die Anzeigetafel! Lustig!
Nette Anekdote am Rande: die Kids vor mir haben sich mächtig ins Zeug gelegt und der eine Knirps hatte sich mit Buntstiften eine eigene Deutschlandfahne gemalt und dazu die Namen seiner Lieblingsspieler geschrieben. Niedlich!
Mutantenanekdote am Rande: die Auszeichnung für das Outfit des Tages geht an den jungen Mann mit der 88 auf dem Deutschlandtrikot, dicht gefolgt von dem Spieler Böhse Onkelz".
Der Fanclub DFB" (der andere DFB) hatte sich mächtig ins Zeug gelegt und Flagge gezeigt": schwarz-rot-gelbe Zettelchoreo auf der Geraden und eine Blockfahne in der Nordtribüne. DAS ist doch mal Stimmung! Die Isländer ihrerseits mit roten und blauen Zetteln.
Zu Beginn des Spiels war es schlimmer als in der Kirche. Steht auf, wenn ihr Deutsche seid, bleibt sitzen, wenn nicht, Klatschen, Singen, Aufstehen, Oooooohhhhh, Hinsetzten, Aufstehen, Ooooohhhhh, Klatschen, Deutschland, Deutschland, Fahne wedeln......
Zum Glück fiel das 1:0 nicht gleich in der ersten Minute, wenn auch die Chance eine 100ige war... Irgendwann aber klingelte es dann bei den Isländern, die dann ihrerseits kommen mussten und mit viel Engagement spielten und zum Ausgleich kamen (war allerdings Abseits). Es blieb beim 1:0 bis zur Pause.
Nach der Pause musste Island natürlich was tun, denn beim Sieg der Deutschen und gleichzeitigem Sieg der Schotten wären sie draußen, während sie bei einem Sieg und gleichzeitiger Niederlage der Schotten noch erster werden konnten. Also drehten die Insulaner auf und setzten die Deutschen mächtig unter Druck. Ein Tor in der 59. Minute gab der Schiri nicht wegen angeblichen Foulspiels und im direkten Gegenzug fiel dann dass 2:0 für Deutschland. Mist. Zweimal gefreut und leider keine Tore! Schon lustig, mit 20, 30 Leuten im Block aufzuspringen, wenn Island aufs Tor schießt und sitzen zu bleiben, wenn Deutschland dies tut und dabei Hinsetzen" zu fordern!
Wurde vor dem 2:0 schon langsam mit dem Pöbeln begonnen, gab es nach dem zweiten Tor kein Halten mehr: die Welle wurde mehrfach gestartet und lief auch ein paar mal rum, Fahnen wurde geschwenkt, Deutschland, Deutschland, Steht auf, wenn ihr Deutsche seid, Klatschen, rhythmisches Klatschen, Aufstehen, Hinsetzen, Singen, Armwedeln....
Gegen Ende des Spiels netzte dann auch noch Kuranyi ein und dann kam es endlich, was mir schon das ganze Spiel über gefehlt hatte: Sieg, Sieg, Sieg. Ind er Nordkurve präsentierte dann der DFB-Fanclub ein weiteres Transparent mit der Aufschrift Wir sind dabei - Euro 2004 - Danke Jung`s" Ganz groß. (Wer den Fehler findet, schreibe bitte an info@dfb.de und melde den Fanclub zum Deutschkurs an).
Nach dem Spiel das übliche Gedrängel vor den Shuttelbussen, dass ein paar besonders Deutsche nutzten, um mir mehrfach kräftig in die Rippen zu boxen, was mich fast dazu veranlasst hätte, freundlich zu fragen, ob sie auf die Fresse wollten. Penner! Wir ließen ihnen stattdessen den Vortritt und fuhren einen Bus später und erreichten dann relativ problemlos die S21. Vom Dammtor noch ein Stück zurück mit dem Bus, ins Auto und eine halbe Stunde vor dem Sportstudio zu Hause.
Hoffentlich gurkt sich die deutsche Nationalmannschaft nicht ausgerechnet in das Viertelfinale der Euro, für das ich Karten habe!!!