Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß...

ach ne, hatten wir ja schon mal als Überschrift, also

Fast Zweinull gewonnen

Der Sonntag begann entspannt. Der Wecker dudelte um kurz nach neun, fix aufgestanden, angezogen, den Flo abgeholt, kurzer Stopp an der Aral, Kippen holen, losfahren - Watt, so früh? Ja, denn es war wieder Zeit für’s Biberfrühstück. Dass das von dem Fanclub mit dem größten Fußballsachverstand ins Leben gerufenen Nahrungsaufnahmeritual am Sonntagmorgen mal zu einem solchen werden würde, hat vor etwas mehr als einem Jahr wohl keiner gedacht. 31 (!) - wenn man den um kurz nach zwölf eintrudelnden Spaddel noch hinzuzählt 32 - hungrige Fußballfans aus der halben Republik und Schottland brachten die Kellner des Mellow Mood wieder kräftig ins Schwitzen. Mit Ausnahme des armen Berliner Anhängers, der mir gegenübersaß, bekamen alle zügig ihr Essen und verspeisten dies dann auch mit Wonne (erstaunlich, was in einen kleinen Psycho so alles reingeht...). Das mit dem Bier um elf hat leider nicht geklappt, weil Norbert unsere SMS mit der Bestellung leider erst las, nachdem wir schon im Laden waren... Aber um halb 12 konnten zumindest Flo, Andy und ich auf den Spieltag ohne Bier anstoßen. Gegen Union hieß es mal wieder bleifrei. Durch geschicktes Bezahlen vor der Masse und einem 1a Parkplatz auf dem Heiligengeistfeld dank Andys Parkscheins erreichten wir den Fanladen vor dem Mob und machten es uns auf den Sofas bequem. Nach und nach trudelten dann auch alle bekannten Gesichter ein. Gemütlich noch das ein oder andere Astra genossen und schon mal versucht, die Skizze auf der vorletzten Seite des Übersteigers zu verstehen (was aber nur in Teilen gelang: der ÜS weiß alles!). Ich brachte in Erfahrung, dass FanladenRalf am Donnerstag die Aufgabe zufiel, die Daheimbleibenden per Beamerleinwand mit dem Spiel Stuttgart vs. Celtic zu beglücken und das zumindest Uli und Sylvia auch dazu zählen. Für halb zwei war ein Schnackertreffen anberaumt worden, aber es standen fast alle in ihren angestammten Grüppchen. Nur Stinker, den kenn ich ab heute neu. Man klönte hier und da und trank noch ein Bierchen. Irgendwann trudelte auch Inga ziemlich müde, aber mit einem Astra in der Hand, von ihrem Prüfungsvorbereitungsseminar ein. Da wir tierisch spät waren, suchten (und fanden) wir Thesie und Marie-Ann und gesellten uns zu ihnen. Was dann folgte, war ein unendlich langweiliges Sonntagnachmittagschönwetterfußballspiel, dass wohl einzig zum Ziel hatte, den Rasen umzupflügen! Es wurde gegrätscht, bis der Arzt kam (und bei Chris kam er dann auch irgendwann, gute Besserung!) Andauernd lag ein Spieler am Boden. Die Berliner waren meist in unserer Hälfte zu sehen, sodass ein Mensch zwei Reihen vor mir rief: „Ey, hier steht noch ein Tor!!!“ Kurz nach der Halbzeit, ich träumte noch so vor mich hin, zappelte der Ball nach einem Freistoß bei den Berlinern im Tor! Wooooohooooo! Nun drehte St. Pauli etwas auf, doch der Treffer war keinesfalls dem Spielverlauf angemessen, sondern höchst unverdient. Berlin drückte und wir gingen in Führung. Naja, wen stört’s? Als ich mich schon damit abgefunden hatte, dass das Spiel weiter so vor sich hinplätschern würde, zauberte N’ Diaye den Ball nach wunderschöner Vorlage von Stanislawski und fünfzig Meter Lauf ins Tor. 2:0!!!! Unfassbar unverdient! Aber egal!!!! Aber es kam, wie es kommen musste: unsere Jungs schafften es doch tatsächlich, diesen recht komfortablen Vorsprung, der uns dem rettenden Ufer ein Stückchen näher gebracht hätte, innerhalb von zwei Minuten zu verspielen... In der 85. Minute wurde N’Diaye ausgewechselt, in der 87. Minute fiel der Anschlusstreffer, in der 89. das 2:2 und dann pfiff der Schiri ab. Super. Ungefähr das müssen auch alle anderen im Stadion gedacht haben, denn niemand klatschte, niemand sprach, niemand pfiff. Fassungslosigkeit auf den Gesichtern. Erst Minuten nach dem Abpfiff erwachte das Publikum aus dem Schock und trollte sich kopfschüttelnd von dannen... Da Andy noch Aufkleber im Fanladen kaufen wollte, wollten wir uns auf dem kürzesten Wege dorthin begeben, allein, man ließ uns nicht. Die Polizei sperrte den Zugang zur Brigittenstraße am Millers ab. Toll. Also zum Jolly und von da aus zum Fanladen. Überhaupt verstehe ich die Polizeitaktik bei den so genannten „Problemspielen“ nicht. Fantrennung, dass ich nicht lache! Vor dem Spiel laufen alle lustig Richtung AFM Container, um dort dann festzustellen, dass das Tor zur Südkurve dicht ist und marschieren dann ums Telekomgebäude zur Süd. Schönes Gedränge. Nach dem Spiel werden alle Fans zur Reeperbahn geleitet. Dort können dann alle hingehen, wo sie wollen. Supi. Bei Berlin war das kein Problem, aber demnächst kommt Mannheim. Ob das so lustig wird? Als wir dann zum Parkplatz zurück kamen, standen direkt vor unserem Auto die frierenden und dadurch hüpfenden Spieler Nascimento und Adamu und warteten auf ihren Fahrer.... Tja, warum sich ein Unioner halbnackig mit weißer und roter Farbe anmalte und ob in Mainz tatsächlich ohne optische Unterstützung durch die Fans gewonnen werden kann, entzieht sich meiner Kenntnis...

Christine