
Eventisierung im Fußball Fantalk über Stadionanimation am 17.10.02 im Fanladen
Dass es einen Fantalk zu diesem Thema gab, hatte hauptsächlich zwei Gründe:
Zum einen die Diskussion über das Verhalten der Stadionsprecher besonders beim Braunschweigspiel und beim Spiel der Amateure gegen Elmshorn und zum zweiten die Einführung einer neuen Vereinshymne".
Anwesend waren die Stadionsprecher Rainer Wulf und Knut Friedemann, vom Verein Hendrik Lüttmer für die Vermarktung und Christopf Haverkamp als Medienkoordinator, zwei Leute vom Label Blitzcore und Bela B. sowie etwa 50 Fans (Einzelpersonen, Fanclubvertreter, Forumuser). Als Moderator fungierte der Organisationsleiter Sven Brux.
Zu den Fakten:
Beim Braunschweigspiel am 11. September hielten USP ein Transpi hoch mit der Aufschrift Braunschweig, Mannheim, Magdeburg die Achse des Blöden!", das vom Stadionsprecher Rainer Wulf heftigst kommentiert wurde und darin gipfelte, dass diejenigen, die ein solches Plakat hochhielten, keine St. Pauli Fans seien.
Bei Spiel der Amateure gegen Elmshorn vor der Fanclubdelegiertenversammlung spielte der Stadionsprecher Knut Friedemann einen Song von der in Fankreisen umstrittenen Band Böse Onkelz".
Im St. Pauli Forum wurde über diese beiden Zwischenfälle breit diskutiert.
Beim ersten Heimspiel der Saison gegen Ahlen wurde statt der seit etwa 8 Jahren gespielten Rubbermaids Version von Youll never walk alone" eine neue Version dieses Songs von Bela B. gespielt, die vehement ausgepfiffen wurde. Zudem gab es zwei Transpis gegen diese Version.
Das Pfeifen und die Diskussion im St. Pauli Forum bewegten die Macher der neuen Vereinshymne" dazu, nun gar kein St. Pauli Fanlied mehr zu spielen.
Der Fantalk begann um kurz nach 8 mit einer Begrüßung durch Sven und dem Ablaufplan. Zunächst sollte über die Stadionsprecher und die Stadionanimation gesprochen werden, im zweiten Teil dann über die neue Vereinshymne".
Das Thema Rainer Wulf USP ist mittlerweile ausgeräumt. Es gab Gespräche, in denen die Standpunkte klar gestellt wurden. Des weiteren hat die Fanclubdelegiertenversammlung eine Note dazu verfasst (siehe Fanclubsprecherrat Rundmail).
Rainer Wulf berichtete über die Stadionsprecherversammlung, die einmal im Jahr stattfindet und über die Richtlinien, die vom DFB und der DFL an die Stadionsprecher herangetragen werden. Verschiedene Sätze und Abläufe sind vorgegeben und können nur wenig abgeändert werden. Rainer und auch Knut halten sich lange nicht an alle Vorgaben und behalten sich vor, eigene Kommentare und auf den Verein passende Veränderungen zu machen.
Die Anwesenden sprachen sich jedoch dafür aus, sensibler auf Aktionen der Fans zu reagieren. Rainer meinte, dass er auf verschiedene Aktionen (Rauchbomben) den Richtlinien entsprechend einen bestimmten Satz sagen muss. Ebenso behält er sich selbst vor, Transparente zu kommentieren. Die Kommunikation zwischen Verein, Stadionsprecher und Fans soll aber besser werden. So wäre es für alle Seiten von Vorteil, wenn Aktionen angekündigt werden. Christoph und auch Rainer meinten, dass sie so auch die Presse darauf aufmerksam machen können. Dabei wird keinerlei Zensur vorgenommen. Eine Erklärung der Hintergründe kann aber Missverständnissen vorbeugen.
Ein zweiter Punkt zum Thema Stadionsprecher war das Abspielen eines Songs der Bösen Onkelz" beim Amateurspiel. Eine hitzige Diskussion über die Bösen Onklez" entbrannte, die von Sven versucht wurde, wieder in sachlichere Bahnen zu bringen. Die Standpunkte wurden erläutert, doch die Fronten blieben verhärtet. Während der Großteil der Anwesenden es für besser befinden würde, eine derart umstrittene Band nicht mehr bei St. Pauli zu spielen, wollte sich Knut nicht davon abbringen lassen, sein erklärte Lieblingsband weiterhin ab und an zu spielen (O-Ton Knut: Ich habe die Onkelz vielleicht 5 mal in 13 Jahren gespielt).
Ergebnis Teil 1:
Bestimmte Abläufe und Kommentare sind den Stadionsprechern von DFB und DFL vorgegeben. Einige geplante Neuerungen wird es bei St. Pauli jedoch nicht geben, beispielsweise das Einspielen von Musik bei Eckstößen. Rainer Wulf wird weiterhin kritisch gegenüber Neuerungen des DFB bleiben und seine Meinung als Vertreter St. Paulis anbringen.
Die Anwesenden wünschen von den Stadionsprechern Zurückhaltung in Bezug auf Kommentare, die ihre eigene Meinung wider geben.
Die Anwesenden wünschen, dass eine in Fankreisen umstrittene Band nicht mehr gespielt wird. Dies wollte Knut jedoch nicht ausschließen.
Um Missverständnissen vorzubeugen, sollten aktive Fangruppen die Möglichkeit in Betracht ziehen, den Verein" über geplante Aktionen zu informieren.
Da die Luft im Laden mittlerweile unerträglich stickig war und das Diskutierte auch erst einmal sacken musste, wurde eine kurze Pause zum Lüften, Beine vertreten und Getränkenachschubbesorgen gemacht.
Im zweiten Teil des Abend ging es nun um die neue Vereinshymne" beziehungsweise um die Problematik, dass nun gar kein St. Pauli Lied mehr gespielt wird.
Eröffnet wurde die Runde von Hendrik, der erläuterte, wie es zu dem neuen Song kam, wie er entstand und wie er eingeführt wurde. Ende der letzten Saison stellten verschiedene Leute fest, dass die Version der Rubbermaids irgendwie ihren Zenit überschritten hatte und zudem auch in anderen deutschen Stadien gespielt wird. Es entstand die Idee, den Song neu aufzunehmen, der eher an die Liverpool Version erinnern soll.
Mit Bela wurde ein Künstler und mit Blitzcore ein Label gefunden, die den Auftrag bekamen, die Idee umzusetzen. Es sollte eine getragene, stadiontaugliche Version entstehen. Entgegen aller Gerüchte verdienen sich weder der Verein, noch das Label oder Bela B. mit der Scheibe eine goldene Nase. Um in die schwarzen Zahlen zu kommen, müsste jeder im Stadion diese CD erwerben.
Hendrik räumte ein, dass bei der Einführung des Liedes so ziemlich alles schief ging, was schief gehen konnte. Es wurde zuvor kaum kommuniziert, dass es ein neues Lied geben würde, noch aus welchem Grund. Der Download im Internet war so kurz und schlecht, dass man sich keine wirklich gute Meinung darüber bilden konnte. Die Stimmung nach dem Frankfurtspiel war nicht die beste. Dass die Fans sich mit einer Version ihres seit Jahren gewohnten Fanliedes derart überfahren" fühlen würden, wurde komplett unterschätzt. Durch die gellenden Pfiffe konnte kaum jemand im Stadion das Lied wirklich gut hören.
Die Jungs von Blitzcore, Christoph und Bela ergänzten Hendriks Statement.
Im Anschluss wurde darüber diskutiert, welche Möglichkeiten der Einstimmung auf das Spiel möglich wären. Während die einen unbedingt die Rubbermaidsversion hören wollten, stellten sich andere ein ganz anderes Lied vor (z.B. Das Herz von St. Pauli") und wieder andere wünschten gar keine Einstimmung musikalischer Art.
Rainer warf ein, dass die Tradition, das Fanlied des Gastes zu spielen, für ihn ein wichtiger Bestandteil ist und er durchweg positive Rückmeldungen über die nicht übliche Umgangsweise mit Gästefans bekommt. Er selbst schreibt vor Saisonbeginn alle Vereine an und fragt nach dem Fanlied.
Die große Mehrheit der Anwesenden war der Meinung, dass diese St. Pauli typische Tradition unbedingt erhalten werden sollte.
Blieb noch zu diskutieren, ob, und falls ja, welches Fanlied denn für die St. Pauli Fans gespielt werden sollte.
Per Abstimmung wurde entschieden, dass es ein Fanlied geben sollte.
Nach Diskussion über den Ablauf vor dem Spiel wurde zunächst ein Kompromiss gefunden, der auch diejenigen befriedigen sollte, die gar keine Beschallung wünschten.
Der Ablauf sieht nun wie folgt aus:
Nach langer Diskussion wurde darüber abgestimmt, welches Fanlied gespielt werden soll: a) die Rubbermaidsversion oder b) eine Bela B. Version. Die Mehrheit der Anwesenden war dafür, einer Bela B. Version eine Chance bis zur Winterpause einzuräumen. Da es von Bela mehrere Versionen des Liedes gibt, wurden die 8:0" Version und die Surfversion" zur Abstimmung gestellt und die Surfversion" gewann mit überragender Mehrheit.
Hendrik schien doch sichtbar erleichtert.
Vier Stunden intensiver Diskussion neigten sich dem Ende. Vielen Dank an alle Beteiligten, die sich dieser Diskussion gestellt haben. So, wie diese Veranstaltung abgelaufen ist, sollten alle Veranstaltungen dieser Art ablaufen.