Slayer, kein Pantera und "Special Guests"

Ich muss vorab noch mal wieder bemerken, dass Flo mich schon wieder zum Schreiben verurteilt hat (sich aber selbst vor dem Konzert gedrueckt hat, was im Nachhinein betrachtet vielleicht nicht unschlau war), ich infolgedessen schon wieder von Norbert fuer’s Fremdschreiben geruegt wurde, mich aber wieder halbwegs mit "Gastkommentar vom FC42 fuer die Lauenburger" retten konnte…

Am 30.09. gab’s das "Tatoo the Planet" Festival in der Alsterdorfer Sporthalle. Angekuendigt mit Slayer, Pantera, Biohazard, usw. Nur dass Pantera leider abgesagt hatte, und ich offenbar die einzige war, die das nicht wusste. "Netterweise" hat Flo mich dann am abend vorher aufgeklaert und auch ueberzeugt, dass das tatsaechlich kein Scherz war. "Schade, aber es wird ja wohl wenigstens einen halbwegs guten Ersatz geben", dachte ich mir…Oh ja, Ersatz gab’s allerdings – aber davon gleich.

Also um 18:00 mit Pudi und Norbert (von den 42er) und Michi vor der Halle getroffen, und da schon mit Schrecken festgestellt, dass ich eindeutig gegen den Dresscode verstossen hatte. Angesagt war "schwarz", ob komplett oder auch kombiniert mit T-Shirts mit Aufdruck von allerlei blutruenstigen Monstern oder vielarmigen Wesen. Nun gut, naechstes mal. Auf jeden Fall konnten die anderen mich in knallrotem Pulli immer gut orten, und ich konnte nicht verlorengehen.

Irgendwie hingen wir vom Wochenende alle etwas durch, haben uns erstmal mit Essen und Bier (Pudi und Norbert hatten Glueck – die mussten fahren und "durften" Cola trinken) versorgt, und uns Tribuenenplaetze gesichert. Jawohl – Tribuene war meine Bedingung fuer das Konzert (ich weiss, ich Feigling, ich). Irgendwann schlugen dann auch Reiner und Christine auf, und sahen auch nicht sooo viel fitter aus als wir. Christine hatte die allerbesten Ohrenstoepsel – mit Band zum "um-den-Hals-haengen". Da war ich schon etwas neidisch, ich hatte naemlich nur die normalen "roll-klein-steck-ins-Ohr-und-warte-bis-sie-wieder-rausploppen" Ohrenstoepsel – aber definitiv besser als gar keine!

Musik gab’s auch. Erstmal "Rising Down". War ganz o.k. und liess sich hoeren. Am besten war die Metal-Version von Depeche’s "Blasphemous Rumours"; auch wenn es einige Zeit dauerte, bis wir es erkannt hatten. Schon sehr lustig. Danach gab’s dann Pause mit Licht an, damit man neues Bier holen konnte, und sich noch ein bisschen umschauen konnte. Die erste Bierleiche sass genau zwei Reihen hinter uns, und wir fuehlten uns leicht unbehaglich, weil wir uns nicht sicher waren, ob wir uns schon im sicheren Bereich befanden, falls ihm uebel wuerde. Hat sich dann allerdings eruebrigt, weil er ganz artig neben sich auf die Treppe gekotzt hat, und dann sofort eingeschlafen ist.

Dann gab’s ‘ne Band aus Heidelberg, die mich ein wenig and "Boy hits Car" erinnerte (allerdings auch nur mich), und auch ganz in Ordnung, aber nicht spektakulaer war.

Dann gab’s wieder Pause mit Pausenprozedur. Und dann kam Biohazard mit Starwars-Intro auf die Buehne und war wirklich gut. Eindeutig das beste am ganzen Abend. Froh war ich nur ueber meine Ohrenstoepsel und die Entscheidung, auf der Tribuene zu bleiben. Den Innenraum konnte man meiner Meinung nach nur als Lebensmueder oder Masochist betreten, wovon es allerdings auch genuegend gab. Nach dem Auftritt ist angeblich der Saenger von Biohazard durch die Halle gelaufen und hat saemtliche Maedels eingeladen, mitzukommen. Hat Pudi erzaehlt. Natuerlich erst viel spaeter.

Dann halt wieder Pause (s.o.), und dann kam der Pantera-Ersatz. "Cradle of ich-weiss-nicht-was" – schreibe ich nur, damit sich wirklich keiner aus Versehen mal vergreift, und deren CD kauft. "Cradle of ich-weiss-nicht-was" bestanden aus vier langhaarigen Wesen, die nebeneinander standen und ihr Haar schuettelten, einem natuerlich langhaarigen Keyboarder fuer die sakralen Orgeleffekte, den ebenfalls langhaarigen Schlagzeuger. Und sie konnten genau ein "Lied", was allerdings 45 Minuten lang ging und begleitet wurde von unverstaendlichem, boesem Geschreie des "Saengers"…Insgesamt hoerte sich das ganze an, wie ueblicherweise der Showdown zum Ende eines normalen Liedes, nur halt viiiieeel zu lange. Die "Buehnenshow" bestand aus einem Wesen auf Stelzen, dass von einem anderen Wesen (Typ "Franzoesisches Dienstmaedchen mit Hoerner") mit einem funkenspruehenden Feuerwerkskoerper ueber die Buehne gejagt wuerde. Spaeter hatte das "Franzoesische Dienstmaedchen mit Hoerner" auch Stelzen, und hatte sich offensichtlich mit dem anderen Stelzenwesen angefreundet…oder so.

Ja, ja, Ihr lest das jetzt lediglich, wundert Euch, und denkt, ich sei auf Drogen waehrend ich das schreibe. Und ich wuenschte nur, ich waere es gestern abend tatsaechlich gewesen!!

Wir waren einhellig der Meinung: a) Es gibt eine persoenliche Hoelle und b) Die Zeit ist doch nicht konstant, und 45 Minuten sind nicht immer 45 Minuten, sondern manchmal auch drei Tage. Als "Cradle of ich-weiss-nicht-was" endlich aufhoerte, war das fast noch besser als Biohazard!

Dann kam auch endlich noch Slayer – leider haben Slayer und Biohazard zusammen nur ungefaehr so lange gespielt, wie unsere Freunde von "Cradle of…". Slayer war auch gut, aber kam bei mir nicht an Biohazard ran. Aufgefallen sind mir zwei Sachen: 1. Bei Heck’s Hitparade gab’s fuer die Saenger immer Rosen, die Aerzte bekommen BHs zugeworfen, und Slayer wird mit leeren Bierbechern beworfen. Ich frage mich, ob die die hinterher sammeln, abgeben und den Pfand kassieren?

2. Bei normalen Konzerten werden die Ohnmaechtigen und Zusammenbrechenden eingermassen vorsichtig in den Graben gezogen, weil man sie ja unter Umstaenden wieder herstellen moechte. Bei Slayer werden die einfach kopfueber in den Graben geworfen.

Was kann ich jetzt abschliessend sagen? Was fuer ein interessantes Konzert! Ich kauf’ mir auch so Ohrenstoepsel wie Christine. Und ich bin sehr dankbar, dass ich nicht von "Cradle of ich-weiss-nicht-was" getraeumt habe – das war naemlich meine grosse Sorge!

Maike von den 42ern J