Propagandhi – Pogo und diven bis der Arzt kommt

Es war Sonntag der 04.11.01 19.50h. Das 60 Spiel noch in den Knochen, von einer fetten Erkältung geplagt und super müde machte ich mich auf den Weg nach Altona, um meine Stimmung ein bißchen mit gepflegtem Punkrock zu besänftigen. Die knappe Stunde Fahrt von Poppenbüttel bis Altona erschien mir endlos, vor allem weil ich mich jedesmal frage, ob ich nicht bescheuert bin auf ´nem Sonntag mich um 20.00h in die Bahn zu setzen und mal eben ´ne Stunde nach Altona zu fahren, aber egal! Die Zeit vertrieb ich mir damit, Fahrgäste mit meinen Taschentuchattacken zu vergraulen und die Fahrkartenkontrolleure (an einem Sonntag um 20.30h!!!) auszulachen.

Naja, am Bahnhof Altona angekommen (Wo ich natürlich mal wieder diesen blöden Ausgang nicht gefunden habe) schickte ich mich an, mein sportliches Pensum für diesen Abend abzuarbeiten. Zu Fuß zur Fabrik...

Nach 15 Min. Fußmarsch kam ich dann endlich an diesem heiligen Ort an. Hier waren schon viele verrückte „Subjekte" versammelt. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Leute sich an einem Sonntag zu einem Konzertbesuch aufraffen können...

Da es mittlerweile schon ganz gut kühl geworden war, bin ich auch gleich rein in die Bude. Schon am Eingang ein paar bekannte Gesichter. Nach einem kurzen Klönschnack haben wir dann die heiligen Hallen betreten.

Die Fabrik war schon recht gut gefüllt und mittlerweile zeigte mein Zeitmesser schon 21.00h durch an. Hmm, das Konzert sollte doch um 21.00h losgehen, doch auf der Bühne war noch nichts zu sehen. Wir haben dann erstmal rechts von der Bühne auf der Sitzplatztribüne eingeparkt. Da hat dann auch der Rest der Mannschaft gehockt. Wie die Hühner auf der Stange haben wir so bis ca. 21.30h gewartet. Zeit genug um sich mal das Publikum des heutigen Abends genauer anzuschauen. Hier gab es eigentlich alles. Vom Punker bis zu hin zu spießigen über 50-Jährigen (Wovon einer natürlich genau vor mir saß) war so ziemlich alles vertreten.

Gegen 21.30h hat dann eine Band namens Kafkas die Bühne eingenommen. Eine ziemlich geniale Deutschpunkband, wie ich finde. Die Jungs haben mit ihren Stücken dann so ca. ´ne Stunde die Fabrik gerockt. Der Sound war klasse und von den Texten her, waren sie sehr gesellschaftskritisch eingestellt. Das hat gefallen. Vor allem die Aussage des Sängers „leider kann man unsere Texte live nicht so gut verstehen, aber wenn ihr wollt könnt ihr an unserem Stand ja mal einen Blick in unsere Booklets werfen, das ist gratis" hat bei mir großen Anklang gefunden.

Nach diesem ersten Gaumenschmaus, fingen Propagandhi dann so gegen 22.45 auch an zu spielen. Schon der erste Akkord brachte die versammelte Punkrockergemeinde in rage. Es wurde wild gepogt und schon beim ersten Lied begannen einige mit STAGE-DIVING! Geil! Ich habe dann erstmal meinen ersten Hustenblocker eingeworfen...

Die Playlist von Propagandhi war gut gewählt. Ein Mix aus alten Stücken von z.B. „How to clean everything" und „Less talk more rock" sowie neueren Songs von der aktuellen Scheibe haben aus diesem Abend ein absolut geniales Musikerlebnis gemacht. Das war sozusagen eine gelungene Mischung aus Punkrock und Hardcore.

Die Ordner hatten an diesem Abend auf jedenfall keinen leichten Job (Wobei ich mich sowieso frage, was die da wollten), da ständig irgendwelche Wildgewordenen die Bühne stürmten. So auch ein Bekannter von mir. Nachdem er zweimal auf der Bühne ein lockeres Solo hingelegt hatte, ist er bei „Ska sucks" völlig durchgedreht und enterte erstmal ein Mikro. Einfach nur göttlich!

Meine Sympathien haben sich Propagandhi auf jedenfall verdient, da sie in einer Ansage ihr Beileid für das verlorene Spiel von St. Pauli bekundeten. Da wurde dann kurzerhand ein „Fuck Munich" von der Band angestimmt, sehr zur Begeisterung der Anhängerschaft, die mal wieder zahlreich vertreten war... Naja, das Wort „Fuck" scheint sowieso ein sehr beliebtes Wort in Kanada zu sein...

Als Fazit läßt sich sagen, dass ich dieses Konzert extrem genossen habe (auch trotz Hustenblockereinwurf alle 10 Min...). Es war eins der genialsten Punkrockkonzerte, die ich je erleben durfte und ich hoffe, dass die Band ihre Drohung erst in 5 Jahren wiederzukommen nicht wahrmacht!

Christian