Sonntag, noch vor der Lindenstraße brechen Mitbewohner Björn und ich auf, um uns in den Docks, die erste amtliche verordnete Packung des Jahres zu holen... vor den Docks dann schön ´ne halbe Stunde im Schneeregen herumgestanden... arschkalt, aber dennoch einige Ober-Härtner geshen, die da nur im T-Shirt rumstanden... einige Snippit-Tapes eingesackt und die ersten Vollspacken lokalisiert, die bereits 1 Stunde vor Beginn lattenstramm sind, und herumgrölen...erste Gedanken an später, wo einer der Typen dann garantiert vor oder neben mir stehen wird werden noch verdrängt...der Ordner mit der Zahnlücke läßt dann gnädigerweise ab 20 Uhr alle 5 Minuten so etwa 15 Leute rein, im dritten Schwung bin auch ich dabei...
Schnell einen optimalen Platz am Tresen mit bester Übersicht gesichert, dann kann es von mir aus losgehen...es war übrigens Gold wert, vorher mal die Visions-Berichte von den letztwöchigen Konzerten gelesen zu haben, denn wie da zu lesen war begannen TAPROOT auch schon 40 Minuten vor dem offiziellen Konzert mit ihrem Auftritt vor halbleerer Halle. In Amerika sind die Jungs schon (zu Recht) eine relative große Nummer im Rockzirkus...hier bleibt ihnen eine gute halbe Stunde um einen Teil ihres fabulöses Debüts "GIFT" darzubieten... geboten wurden unter anderem die potenziellen Hits "Smile", was sich als echte Moshperle beweist, und auch ihr Beitrag zum Dracula 2000-Soundtrack "Again & Again"...da die Band hier noch ziemlich bis total unbekannt ist, werden wir Zeuge einer Sache, die in einem Jahr wohl nicht mehr vorkommen wird...Sänger und Shouter Stephen Richards spaziert mit dem Mikro durch die Docks, bleibt hier und da in der Menge stehen, um weiterzusingen und zu grölen...betritt dann wieder die Bühne, und bestreitet einen weiteren Song gar völlig aus dem Moshpit...nicht schlecht, und sicher den einen oder anderen Käufer gewonnen, für einen Opener eine echt geile Band, von Soundproblemen wie auf anderen Konzerten war hier nichts zu hören.
Dann entern so gegen 21.15 Uhr LINKIN PARK unter frenetischem Jubel die Bühne...die Gerüchte wir bekämen da sowas wie NSync in böse geboten erwiesen sich als voreilig, zwar harmonieren gerade Shouter Chester Bennington (mein Gott, kann der lange an einem Stück schreien) und der eher für die Rap-Parts zuständige Mike Shinoda unheimlich gut, doch von einer Boyband-Choreographie ist hier nichts zu sehen, und das eine Band versucht sich auf der Bühne gut darzustellen, kann man ja nun nicht zu einem Vorwurf umbauen, gelle.
Wer den fetten Erstling "HYBRID THEORY" schon mal im Rillendreher hatte, der wußte was da kommen sollte...und das waren an diesem Abend offenbar eine ganze Menge, noch nie habe ich eine Vorband gesehen, die so abgefeiert wurde, bei der die Zuschauer (mittlerweile war die Halle rappelvoll) jeden Refrain kannten, und dies auch mehrfach unter Beweis stellten, was Bennigton dazu veranlasste, seine Liebe zu Hamburg kundzutun, und sowas kommt ja immer gut an.
An den Theken gab es offenbar Zielwasser, denn kein Mitglied der Band, welches nicht von einem leeren Becher getroffen wurde...Bennington: "Hey, some of you suckers out there got a really good aim!" ...in gut 40 Minuten wurde im Grunde ihr komplettes Debütalbum dargeboten, und komplett abgefeiert, der gute Eindruck des Albums ließ sich an diesem Abend nahtlos auf die Bühnenperformance übertragen...die Jungs werden sicher das nächste große Ding...und Papa Roach vonner Bravo-Hits verdrängen...
Dann etwa 30 Minuten später betraten endlich die DEFTONES die Bühne...und die Begeisterung schien keine Grenzen mehr kennen ....zwar erschien Chino in bester Mike-Patton-Manier völlig betrunken und stoned , doch in den Songs war er auf den Punkt einfach nur supergeil...nur zwischen den Stücken faselte er zwar allerlei Blödsinn, doch... Hey, RocknRoll... sein Lieblingslied an diesem Abend war offenbar von PULP, denn immer wieder stimmte er "Girls who like Boys, who like Girls, who like Boys...usw." an... irgendwann erklärte er sich dann, er hätte tierisch Sehnsucht nach seiner Frau, und nach Kalifornien, er habe am Morgen einen dicken Joint geraucht, und dann beschlossen, den Rest des Tages high zu verbringen..."Im a normal person, I have problems"... is in Ordnung...wenn man dabei so tierisch rockt...
Wenn Glenn Danzig der "Schinkengott", und Pete Steele gemäß Bildbeweis "das Glied" sind, dann war Chino an diesem Abend definitiv der "Saunavorstand"...so heiß habe ich noch keine Halle erlebt, der Sound war mörderisch (ungefähr doppelt so laut, wie Linkin Park), die ganze Halle hüpfte nonstop, es gab wohl niemand, der nicht zumindest jedes gekaufte Getränk wieder wieder ins Hemd schwitze...kurz es war einfach hammer! Über die Livequalitäten von den DEFTONES muß wohl nicht viel gesagt werden, doch das war die einzige Band, die ich je gesehen habe, die tatsächlich die Staubflocken und die Spinnenweben von der Decke gerockt haben...(ohne Scheiß, da fielen im Minutentakt die Flocken!), und auch über die Güte des mAterial kann man schweigen...wie viele Bands können es sich schon erlauben mit einem Burner wie "Be Quiet and Drive (Far Away)" anzufangen ? ... geboten wurde dann ein mehr als gelungener Querschnitt aus ihren drei Alben....vermißt habe ich eigentlich nix...abgesehen von Sauerstoff...erwähnenswert noch, das sich Chi Cheng von seinen Rastazöpfen getrennt hat, was zur Folge hatte, das er aussah wie ein samoanischer Halbschwergewichtler...was seinen Brüllparts aber keinen Abbruch tat...und apropos Brüllen....Jesus kann Chino brüllen, der durchleidet wirklich jedes Lied als ginge es um den Erhalt der Menschheit, da isses dann auch wurst, wenn er zwischendurch irgendeinen unverständlichen Kram faselt...."Vietnam was a bad idea"...."in summer boys (who like girls, who like boys....is ja gut, Chino) want girls, and say things like Shove it, Shove it....huuuuuuuuuuuaaaaaaaaaaaaaaaaah...shove it!"....Nach gut 90 Minuten endete dann das Konzert wie gehabt mit "Headup"...was übrigblieb waren 2000 oder sonstwieviele nasse, völlig fertige und glückliche Fans....
Und was ist eigentlich mit den T-Shirt-Preisen los ? Wieder mal mußte ich den Eindruck gewinnen, die Bands hätten die Baumwolle dafür selbstgepflückt...
Fazit: das Konzert des Jahres fand wohl schon im März statt...(woran sich auch nichts ändern wird, denn MUDVAYNE spielen ja auch noch im März)...
In diesem Sinne,
Cay