Hurricane 2002
Ein Festival pro Jahr muss ich mir einfach geben und da ich bisher noch nicht wirklich viele Bands in diesem Jahr live gesehen habe, drängte sich das Hurricane praktisch auf.
Das Line-up fand bei mir breite Zustimmung, so sieben bis acht Acts wollte ich live eh immer schon mal gesehen haben (oder wieder mal sehen). Auf dem Festival-Planer wurden dann auch gleich Kreuze bei Sportfreunde Stiller, Fettes Brot, No doubt, Garbage, Less than Jake, Such a Surge, Ärzte und den Red Hot Chili Peppers gemacht.
Schon lange geplant, machte mir doch meine Hauptseminarleiterin fast einen Strich durch die Rechnung, indem sie das normalerweise am Freitagvormittag stattfindende Seminar just für diesen Freitag auf den Nachmittag verlegte!!! Eine Kollegin und ich überlegten, ob wir uns nicht entschuldigen sollten, aber wir gingen dann doch hin.
Zudem hatte die deutsche Nationalmannschaft völlig unerwartet das Viertelfinale erreicht und dieses Spiel wollte ja auch verfolgt werden. Das Seminar wurde also nach hinten verlegt.... Andy und ich verabredeten mit Christian und Frida, das Spiel im Fanladen zu sehen. Nach Abpfiff sollten die drei mich zum Seminar bringen und dann mit Sack und Pack Richtung Scheeßel aufbrechen. Ich wollte dann mit meiner Kollegin mit der Bahn nachkommen.
Der Fanladen war lange nicht so voll, wie bei den Vorrundenspielen der irischen Mannschaft und so fanden wir denn auch ein Plätzchen. Schnell noch ein Astra und eine Afri bei Heiko bestellt und das Spiel konnte verfolgt werden. Frida und Christian tauchten irgendwann zur zweiten Halbzeit auf und ziemlich gleich nach Abpfiff mussten wir denn auch los.
Im Studienseminar hatten ziemlich viele das Spiel in umliegenden Kneipen oder der Cafeteria verfolgt, sodass erst mit viertelstündiger Verspätung begonnen werden konnte. Das Planspiel nahm seinen Lauf und meine Kollegin erklärte der Seminarleiterin, dass wir beide Karten für ein Konzert hätten und mit der Bahn um 18.30 Uhr fahren müssten. Sie ließ uns denn auch gehen und wir erreichten pünktlich unseren Zug.
Nach etwa einstündiger Fahrt und einem Bierchen und viel Gequatsche waren wir denn auch schon da (als Auswärtsfahrerin gelten so kurze Fahrten ja gar nicht). An der Kasse war eine ziemliche Schlange, aber immerhin regnete es nicht so wie im letzten Jahr bei der Ankunft und nach etwa einer Stunde hatten wir das Bändchen am Handgelenk, sowie Müllbeutel und Pfandchip.
Gemeinsam machten wir uns auf Richtung Campingplatz C3 und ich hielt Ausschau nach der riesigen St. Paulifahne, allein, ich konnte sie nicht ausmachen. Also lief ich zunächst ziemlich ziellos über den Campingplatz und schickte mehrere SMS an Andy und Knuffi, die mich leiten sollten. Schließlich fand ich dann auch die Forumsgemeinde sowie FC 42 Maikes Anhang. Das Zelt stand schon und ich machte mich daran, unser Heim für die nächsten zwei Nächte einzurichten: Ich organisierte eine Luftpumpe und pumpte das Luftbett auf! Die anderen begannen schon zu grillen und wir genehmigten uns einen Nudelsnack und das ein oder andere Bier. Gegen 24 Uhr war ich todmüde und habe wieder nicht den längsten Tag des Jahres durchgemacht. Doch an Schlaf war nicht zu denken, denn alle anderen waren putzmunter. Besonders schön war der Männerchor acht Zelte weiter, der uns mit Weisen wie Oh Tannebaum" die halbe Nacht unterhielten.
Trotz Ohropax fand ich erst in den frühen Morgenstunden ein wenig Schlaf, bevor ich dann gegen 10 aus dem Zelt kletterte und zum Aufwachen erst mal unter die Dusche musste. Belächelt von der Bezugsgruppe zog ich mit Handtuch und Duschgel von dannen, um eine halbe Stunde später erfrischt wieder aufzutauchen. ZUR Dusche zu kommen, war zwar wie im letzten Jahr etwas schwierig, weil matschig, aber IN der Dusche war es ok. Diesmal gab es sogar Bänke, auf denen man seine Sachen ablegen konnte. Haken wären allerdings immer noch wünschenswert.... Das Wasser war warm und tat gut.
Beim Zeltplatz wurde schon wieder gegrillt. Ich legte mein Toast zum Wärmen drauf, schmeckt ja doch etwas leckerer.
Gegen Mittag wurde das Festivalgelände geentert, dass sich bis dato noch in einwandfreiem Zustand befand. Da wir uns cleverer Weise eine Strandmatte mitgenommen hatten, setzten wir uns mit einem Eis zwischen Zelt- und Hauptbühne und lauschten den Sportfreunden.
Anschließend spielten Fettes Brot, die ich bis dahin noch nicht live gesehen hatte, deren Album Demo Tape" ich aber ziemlich klasse finde. Der Gig ging in Ordnung und für eine Hip Hop Band gefallen sie mir wirklich gut. No doubt verfolgten wir dann aus der Ferne und zwischendurch warfen wir immer wieder einen Blick ins Zelt, beispielsweise zu den Emil Bulls, die ganz solide spielten. Irgendwann war ich so kaputt, dass ich nur noch liegen wollte und wir machten uns auf zum Zelt, um erst mal was zu essen und uns auszuruhen. Garbage verpassten wir auf diese Weise, aber es begann eh zu regnen. Zu New Order krabbelten wir trotz pladdernden Regens aus dem Zelt, hüllten uns in Plastikregenmäntel und stapften durch den entstehenden Schlamm Richtung Bühne. Dort hatte sich mittlerweile soviel Regen gesammelt, das die Roadies erst mal das Wasser von der Bühne wischen mussten. Mit halbstündiger Verspätung erschien dann New Order. Auch auf die Gefahr hin, hierfür gesteinigt zu werden: na ja, um nicht zu sagen: langweilig. Einfach nicht meine Musik. In den 80igern habe ich die Ärzte oder New Kids on the Block und Rick Astley gehört! Bei einem Gang aufs Klo bemerkte ich, dass Less than Jake wohl so viele Zuschauer wie noch nie bekommen sollten: das Zelt war rappelvoll! Also drängte ich zum Aufbruch Richtung Zelt, wo dann pünktlich um 1 ein Feuerwerk abgebrannt wurde! Ein wirklich sehr schönes Konzert, ganz bestimmt unter den Top 3 des Festivals.
Durch den Schlamm zum Zelt gekämpft, fielen wir nass, dreckig und müde auf die Luftmatratze.
Dank der neuerworbenen Ohrstöpsel vom Prince-Stand schlief ich hervorragend. Der morgendliche Gang zur Toilette erwies sich als schwierig. Zum einen war alles voller Schlamm, zum anderen waren die Klos ziemlich voll. Ich fand jedoch ein soeben ausgeleertes Dixi, sehr angenehm.
Am heutigen Tag wollten Andy und ich die Axe-Duschen auf dem Festivalgelände entern, nachdem das am Vortag gescheitert war, weil wir uns zu spät entschlossen hatten. Also machten wir uns mittags nach dem Genuss von Toast und Bier auf den Weg. Lässige zwei Stunden standen wir an und hörten auf diese Weise Gluezifer und The (international) noise conspiricy. Kurz bevor wir dran waren, gingen die Handtücher aus, doch just in dem Moment, indem wir unter die Dusche hüpfen wollten, kam eine neue Ladung an! Juhu! Im Sinne der anderen Wartenden gingen wir gemeinsam duschen und beeilten uns ziemlich.
Erfrischt lauschten wir dann Such a Surge und den Ärzten und gingen dann zum Zelt zurück, aßen Nudeln und packten schon mal die ersten Sachen ein und brachten sie zum Auto, denn ich musste ja am Montagmorgen wieder in der Schule sein. Das Konzert der Chili Peppers konnte ich demnach nur halb verfolgen, sehr ärgerlich.
Gegen 22.30 begann das Konzert und es war sehr schön. Leider war der Boden alles andere als trittfest und wir sanken manches mal bis an die Knöchel ein. 20 nach 11 drängte ich dann zum Aufbruch. Wir packten das Zelt zusammen und schleppten den Rest zum Auto. Müllchip noch gegen 5 zurückgetauscht und los. Der Parkplatz war auch reichlich matschig, aber wir kamen mit Vordrängeln noch recht gut weg und gegen halb 2 waren wir zu Hause. Schnell noch den Schlamm entfernt und die Antifaltencreme aufgetragen und dann für vier Stunden ins Bett....
Am nächsten Morgen schaute mich eine müde und ziemlich rote Gestalt im Spiegel an. Ich hatte mir einen schönen Sonnenbrand geholt!