No Justice ...

1.FC Köln - FC St.Pauli 6:3

So sollte das Motto unserer Auswärtsfahrt sein. Schon lange im Vorfeld wurde diese Tour geplant, doch der Betrag von stolzen 85 DM für den Sonderzug verschreckte doch so manchen unserer Gemeinde, und so kam es, dass wir uns zu fünf auf den Weg machten. Christine und Reiner, der Bürgameista, Pauli Flo und zum ersten mal mit dabei: TeTie.

Los ging es um 6 Uhr 59, nun ja dass heisst es sollte dann losgehen, denn die sonst ach so pünktliche Bahn hatte ein paar Minuten Verspätung. Egal. Die meissten schliefen, denke ich, eh noch. Bei der Fahrt wurde aufgrund der Abstiegskampfbrisanz auf ein Motto verzichtet. Schade. Der Zug musste laut ausgelegtem Begleitblatt privat angemietet werden, da die Bahn aufgrund vor der Tür stehenden Expo in Hannover völlig überfordert ist. Auf den Mitropa Service wurde auch dankend verzichtet, den übernahm die neue Fankneipe " Jolli Roger ". Im Zug stimmten wir uns dann schon mit ein paar leckeren, gekühlten Pils-Bieren und unter anderem mit einer Twisted-Sister Kase auf ein schönes Spielchen ein. Ich denke man kann sagen, wir waren guter Dinge. Köln stand ja schon als Aufsteiger fest. Doch Ewald Lienen hatte im Vorfeld ja angekündigt, um Chancengleichheit zu waren, keinen Gang zurückzuschalten. Es muss wohl schon kurz vor Eins gewesen sein, als wir in Köln ankamen. Am Bahnhof angekommen wurden wir dann von jeder Menge Schnittlauch in Empfang genommen. Für meinen Begriff ziemlich übertrieben, doch die Kölner erwarteten wohl Ausschreitungen von frustrieten Leverkusen-Fans. Wir waren schon gut betankt und fuhren dann, von etlichen Polizisten eskortiert, mit der Tram zum Müngersdorfer Stadion. Das ist Vorbildlich gelöst in Köln! Die Tram hält direkt vorm Stadiongelände, dadurch entfallen jegliche Gewaltmärsche zum Ort des Geschehens. Ein schönes Stadion (aber mit einer mördermäßigen Laufbahn), was die Kölner da haben. Da kann man als Paulianer leider nur von träumen... Für ca. 46000 Fussballbegeisterte ist darin Platz, und das Beste daran ist, dass die Ränge komplett überdacht sind. Das war auch gut so, denn regnete zeitweise ganz schön heftig. Befürchtete Ausschreitungen konnten wir nicht beobachten. Das Stadion füllte sich allmählich, so dass ca. 40000 Zuschauer im Stadion begrüsst werden konnten. Also schnell noch unser neues Transparent angebracht und in Position gegangen. Es konnte los gehen.

Leider verpennte Pauli die ersten fünf Minuten, und so stand es schon Zwei zu Null ( In der Ersten Minute: Ecke Lottner, per Kopf verlängert, Stanislawski steht zu weit vom Gegner weg, Cichon schiesst ein. In der Dritten Minute: Nach Freistoss von Köln lang auf Donkov, lässt der Wehlmann durch einen Heber nicht gut aussehen. ). Doch durch antreibende Gesänge, wie sonst nur von der Gegengerade am Millerntor gewohnt, konnte Pauli zum Zwei zu Zwei ausgleichen ( In der zwölften Minute: nach Vorlage von Polunin kann Kölns Torwart nur abklatschen und Wehlage zimmert das Leder mit einem strammen Schuss unter die Latte. In der achzehnten Minute: Karl spielt steil auf Klasnic, der lupft im Sechzehnmeterraum über den Torwart hinweg ins Netz. Goalgetter-like. ). Nun war wieder Köln an der Reihe. Es war ein Wechselbad der Gefühle. ( In der einundreissigsten Minute: Scherz flankt auf Springer, der gewinnt das Kopfballduell gegen Puschmann und den herausgeeilten Wehlmann. Wenn der Torwart raus kommt, muss Er Ihn haben. ). Es stand Drei zu Zwei. Doch noch vor der Pause musste Pauli ein weiteren Treffer hinnehmen ( In der achtundreissigsten Minute: Ojigwe wird nicht angegriffen und schiebt an den Innenpfosten ein. Marke unhaltbar. ). Das war dann auch der Pausenstand. Nach der Pause legte Köln dann noch einen nach zum Fünf zu Zwei ( In der dreiundfünfzigsten Minute: Ecke auf Scherz, der zieht vom sechzehner ab, der Ball wird abgefälscht und Wehlage kann ihn auf der Linie nur noch ins eigene Netz hauen. Pech. ). Damit war das Spiel eigentlich endgültig gelaufen. Pauli konnte zwar noch auf Fünf zu Drei verkürzen, doch Köln setzte mit dem Sechs zu Drei den Schlusspunkt des Spiels ( In der sechzigsten Minute: Wehlage verzögert im sechzehner und spielt auf den gerade für den enttäuschenden Marin eingewechselten Gerber, der nur noch einschieben braucht. Danach wär wohl kein Pauli Fan Böse gewesen, wäre das Spiel abgepfiffen worden, denn es wurde nervenverzehrend. In der einundsechzigsten Minute: Ojigwe wird wieder nicht angegriffen, Puschmann legt im Sechzehner von Pauli eine astreine Schwalbe hin, und Wehlmann lässt sich austanzen. Der Nigerianer zirkelt den Ball am herausgekommenen Keeper vorbei. ). Das wars. Wieder eine Chance ausgelassen vorzeitig den Klassenerhalt zu sichern. Jetzt wird es ganz, ganz eng. Die Mannschaft verschwand ziemlich schnell vom Spielfeld. Mit gesenkten Köpfen.

Die Kölner drehten dann noch eine Ehrenrunde. Der Trainer Ewald Lienen kam auch bei uns vorbei, und wurde von den Pauli-Fans, für mein Ermessen, mehr gefeiert als von den Kölnern. Sowieso muss ich mal sagen, dass ich von den Kölnern mehr Party-Stimmung erwartet hätte. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass es im Stadion nur ekelerregend bitteres Alkfrei-Bier gibt. Da haben wir es bei Pauli wesentlich besser, man wartet bei uns zwar länger, aber bekommt auch was für sein Geld, nämlich ein leckeres, kühles Pils-Bier. Darin macht uns so leicht keiner was vor. Und ich kenne sogar jemanden, den das Biertrinken sogar mehr als das Spiel ins Stadion zieht.

Nach dem Spiel ging es ernüchtert aus dem Stadion. Der Sonderzug sollte eine gute Stunde nach Spielende vom Stadion losfahren, dass war uns um zu warten zu lange. Also entschlossen wir uns zum Bahnhof zu fahren und nach einer bekannten Fast-Food-Filiale Ausschau zu halten. Aus dem Bahnhof kommend konnten wir uns dann noch davon überzeugen, dass der Kölner Dom in die Jahre gekommen ist. Der Platz um den Köln wurde auch durch architektonische Höchstleistungen der Plattenbauweise zutiefst verschandelt. Alles in allem ziemlich enttäuschend. Mer lasse de Dom en Kölle, kann isch doa nur saage! Es mussten wohl noch ein paar andere Appetit bekommen haben, und so mussten beim grossen M sage und schreibe eine geschlagene halbe Stunde auf unsere Snacks warten. Entweder waren die Bedienungen langsam oder ungeschickt, fragt mal Pauli-Flo. Nachdem wir unsere kleine Stärkung in kleinen Tüten unter den Arm geklemmt hatten, konnten wir uns auch schon auf den Weg zu den Bahngleisen machen, um dort ein noch bisschen zu warten. Auf dem anderen Gleis kamen dann feiernd die Gladbach-Fans an. Endlich kam auch unser Sonderzug. Es stank zwar tierisch eklig nach Alk und Qualm, wenigstens war aufgeräumt worden. Bei dem Bürgermeister und TeTie liess auf der Rückfahrt die Kondition ein wenig nach, einzig Reiner und Pauli-Flo hatten noch Durst auf je drei bis vier Bier. Während der gesamten Rückfahrt erzählte Pauli-Flo dann noch von seinen Abenteuern auf einigen dubiosen Internet Seiten und unzähligen Videoabenden mit seinem Bruder und einem Marco, und ein Lachkrampf jagte den Nächsten. Es wurde hin- und hergerechnet, alle Möglichkeiten durchgespielt, vertane Chancen aufgezählt. Wir kamen zu dem Schluss, dass es am Freitag sehr, sehr eng werden wird. Um ca. 0 Uhr 30 befanden wir uns dann wieder auf vertrautem Boden, dem Hamburger Hauptbahnhof.

Zu erwähnen wäre zum Schluss noch, dass sich auf der Rückfahrt einige Reisende befanden, die für die Fahrt nichts bezahlt hatten! Das ist unfair denjenigen gegenüber, welche 85 DM bezahlt haben und führt letztlich nur dazu, dass es irgendwann keine Sonderzüge zu Auswärtsspielen mehr geben wird. Wir von der Fangemeinde Büchen-Lauenburg distanzieren uns von dieser Art zu Auswärtsspielen zu fahren und appellieren hiermit an alle anderen Fans, Tickets für die Sonderzüge zu kaufen. Wer sonst schon mal mit der Bahn gefahren ist, wird auch wissen, dass es normalerweise noch viel teurer ist, als mit dem Sonderzug zu reisen.

Also, bis Freitag im Stadion !! TeTie