Ich drehe schon seit Stunden hier so meine Runden, es trommeln die Motoren,  es dröhnt in meinen Ohren...

oder

Auswärtsfahrten sind lang, Auswärtsfahrten sind lang, erst fang se ganz schnell an, aber dann, aber dann...

oder

Ich fall nach Auswärtsniederlagen manchmal in ein tiefes Loch, wach am nächsten Morgen auf und denk, ich lieb sie doch...

oder

1. FC Union Berlin vs. FC St. Pauli 2-0

oder

Es hätte auch schlimmer kommen können: es hätte regnen können…

 

Eigentlich wollte ich einen Bericht nur mit “oder” Überschriften schreiben, aber mir fallen nicht mehr alle Anekdoten der Fahrt ein, um sie hier  treffend einzubauen. Daher also in aller Kürze ein Bericht.

 Warum schon wieder Berlin? Warum schon wieder in den Osten? Tja, Andy hat die Fahrt samt Eintrittskarte bei der Fanladentombola gewonnen, sonst wären wir so kurz nach unserem internationalen Ausflug sicher nicht zu einem Drittligakick gereist, sondern hätten Freitag das Konzert in der Lola zu Ende geguckt und Samstag entspannt AFM Radio zum Frühstück gehört.

 So aber begaben wir uns um kurz vor halb 8 ins Auto, schickten Norbert eine SMS, damit er Plätze freihält und waren dann 11 Minuten vor 8 im Bus. Abfahrt war dann recht pünktlich mit 4 Bussen um kurz nach 8. Die Hinfahrt verlief bis kurz vor Berlin ziemlich ereignislos, außer dass wir im KoG Bus saßen und so nur ca. 13 Leute inklusive uns und der Busleiterin Daniela kannten. Bei unserer letzten Rast bekamen wir dann aber die Info, dass der Skinhead-Bus Probleme mit der Benzinleitung hätte und wir deshalb warten sollten, damit die Kurzhaarigen auf die übrigen Busse aufgeteilt und der Bus repariert werden könne, wartete doch für die Jungs und Mädels noch ein Konzert nach dem Spiel. Da unser Bus voll war, fuhren wir gleich weiter und würden „als erste im Stadion sein“.

 Gut, Köpenick liegt von Hamburg aus gesehen ungünstig (halt ziemlich im Südosten) und man muss entweder den Ring um Berlin ziemlich weit fahren oder quer durch die Stadt eiern, aber wenn man um 8 in Hamburg losfährt und um kurz vor halb 2 endlich am Stadion ankommt, dann hat da irgendwer nicht gewusst, wo es langgeht.... Und es lag nicht nur an den häufigen Pinkelpausen (wir hatten wohl etliche Neulinge an Bord) Sorry, das erwarte ich von nem Busunternehmen, dass man seinem Fahrer 1. mitteilt, wen er fährt, 2. wohin er fährt und 3. ihm die Route ausdruckt oder ein Navi zur Verfügung stellt. Jedenfalls kamen wir von rechts auf die Straße zum Stadion gefahren und von links überholten uns alle anderen unserer Busse (man erinnere sich: die hatten ja auf die Skins warten müssen!)...

 Kaum einen Schritt aus dem Bus gemacht, wurde man dann auch schon von Team Grün in Empfang genommen. Willkürlich wurden aussteigende Leute einer Leibesvisitation unterzogen, wir kamen aus welchen Gründen auch immer drum herum, ein Konzept war nicht zu erkennen, die Präsenz bei den Bussen war aber enorm (ca. 6-10 Grüne pro Bus). So hüpften wir dann über die Straße, hielten ein kurzes Pläuschchen mit nicht minder überraschten Mitreisenden (einige St. Paulianer trafen sich mit Unionern zu einer Bootsfahrt vor dem Spiel, andere wollten später gemeinsam feiern), dann machten wir uns auf den Weg zum Einlass, der wie gewohnt chaotisch war (schönes Zitat vom letzten Mal: „Was kommt ihr auch alle gleichzeitig!“). Dass es allerdings immer noch Leute gibt, die nicht wissen, dass man mit Stahlkappenschuhen in kein Berliner Stadion kommt, wundert mich sehr, dass nun aber auch schon Gürtel mit Mininieten gefährlich sind, erschließt sich mir nicht wirklich. So gab es also nicht nur Menschen, die das Spiel barfuß verfolgten, sondern auch welche, die sich die ganze Zeit die Hose festhalten mussten und einige, die froren, weil sie ihre Nietenjacke abzugeben hatten... Die Körperkontrollen waren mal wieder kurz vor Petting, aber mein Transparent wollte niemand sehen, ebenso wenig übrigens meine Eintrittskarte.

 Endlich drin, erst mal das Klo geentert und dann das Banner fernsehbildtauglich Nähe der Eckfahne aufgehängt und dann einen Platz ganz oben im Block gesucht und noch mit ein paar Bekannten geschnackt und mit Bier versorgt worden. Und dann gings auch schon los. Fazit Halbzeit 1: man neutralisierte sich weitgehend. Fazit Halbzeit 2: Scheiße. Anmerkungen: ich finde Kuru und Stendel immer noch doof, Takyi soll mal langsam wieder in die Puschen kommen (und er war noch der Beste auf dem Platz!) und Rothenbach Nachhilfe im vernünftigen Zweikampfverhalten bekommen. Wie es genau zur Roten Karte für Braun kam, hab ich nicht mitbekommen, danach ging jedenfalls nix mehr.

 Nach dem Spiel sollten wir dann „der Musik folgen“ (offensichtlich aber nicht der, die vor dem Spiel auf dem Rasen gespielt wurde (die ddr Legende „City“), es war eher ganz übler Sprechgesang aus den Lautsprechern eines Wasserwerfers) und wurden von Wasserwerfern, Knastwagen und reichlich Lord Helmchens in Empfang genommen und ziemlich präzise ausschließlich nach rechts geleitet (dumm für die, die links rum geparkt hatten, die mussten einiges diskutieren oder alternative Wege finden, ich empfehle das letzte Bild zum Spiel bei Harrys Vagabunden). Exakt an den Bussen kamen dann alle Unioner vorbei, da waren dann natürlich keine Grünen, nicht mal die, die immer so unauffällig mit ihrer Jacke sprechen (wobei von denen mindestens 12-15 am Start waren, die Zahlen variieren aber). Die kamen erst auf den Plan, als nach etlichen „Normalos“, mit denen man noch scherzte, einige Nasen in Thor Steinar vorbeikamen und von uns natürlich ob ihrer Kleidung angesprochen wurden. Auf Berliner Seite gabs dann noch Gerenne mit den Grünen und letztlich durfte mindestens einer erklären, was für eine schöne Jacke er anhat.

 Wir nahmen dann unsere Busplätze ein und stellten uns schon vor, gegen 21 Uhr im Jolly einen Mexikaner und ein Astra zu bestellen. Daraus wurde aber nix, denn wir brauchten schon fast 2 Stunden, um überhaupt aus Berlin raus und auf eine Autobahn zu kommen, die aber irgendwie nur Schilder Richtung Dresden und Magdeburg hatte! Und auf den ersten Schildern, auf denen dann Hamburg stand, war die Kilometerzahl mit 320 angegeben, obwohl es von Stadion zu Stadion doch nur 309 Kilometer sind! Gegen halb 8 erreichten wir dann den Rasthof mit Mc Donalds und um kurz nach 8 musste der Busfahrer dann tanken... Dann ging es aber recht zügig weiter, aber die ohnehin schon bekloppten Auswärtsfahrer waren nahe des Irrsinns und erfanden allerlei Lieder, die sich mit den Besonderheiten von Auswärtsfahrten beschäftigten (einige sind oben in den Überschriften angedeutet), spielten Kofferpacken, in welchen nur fragwürdige Bücher gepackt wurden oder das Stadionspiel, das später ins Spielerspiel umgeändert wurde. Dieses sind alles Spiele, die ne halbe Stunde lang lustig sind, aber dann kann man sich auch daran nicht mehr erheitern. Ich traute mich nicht, mein Bier zu trinken, da unser Klo natürlich auf der Rückfahrt voll war und wir eh alle naselang zu ner Pinkelpause anhalten mussten und ich nicht der Grund dafür sein wollte. 

Jubel brach aus, als wir endlich die Ländergrenze zu Schleswig-Holstein erreichten und für das Passieren der Hamburger Ländergrenze gab es eine Welle! Und um 22.37 Uhr bestellten wir dann endlich unser wohlverdientes Astra im Jolly.

 

Christine am 11.03.07