Ein
guter Grund, dass Derby zu verpassen
oder
Wie schön, auch mal einen Sieg zu
erleben!
Olympique de Marseille vs. Racing
Straßbourg 4 :0
Als wir Ende letzten Jahres im Fanladen saßen, wurden wir
gefragt, ob wir nicht Lust hätten, in den Frühjahrsferien die
U16 Fahrt nach Marseille zu begleiten. Naja, eigentlich waren
hauptsächlich Andys Französischkenntnisse gefragt, aber ich
durfte dann als Küchenfee auch mit. Das Highlight der Fahrt sollte
neben eigenen Fußballspielen der Kids gegen französische
Kids der Besuch eines Spiels von Olympique Marseille sein.
Da Marseille im UEFA Cup weitergekommen ist, stand am Donnerstag das
Spiel gegen Liverpool an - zu unserem Pech leider erst auswärts
(eigentlich hatten wir ja heimlich darauf gehofft, ein Heimspiel gegen
Celtic sehen zu können...). Dadurch verschob sich das Ligaspiel
von Samstag auf Sonntag und der Besuch des Ladens von Commando Ultra
1984 auf den Freitag. Christophe, der Präsident von C.U 84, hat
uns freundlicherweise den Laden geöffnet, sonst war leider niemand
da. Trotzdem waren wir schwer beeindruckt: C.U 84 haben einen riesigen
Laden mit angrenzender Halle, in welcher die Choreos vorbereitet werden
und das Material lagert. Die Fotos (www.bloedesvolk.de) zeigen nicht
annähernd, wie es dort wirklich war! Unser Nachwuchsultrá
L. war jedenfalls total hin und weg.
Natürlich hatten wir einige Gastgeschenke dabei, hatte Christophe
es doch organisiert, dass wir alle am Sonntag in der durch Dauerkarten
ausverkauften Virage Sud bei C.U 84 stehen konnten. Christophe ging
dann kurz weg und kam mit zwei Kartons wieder und schenkte jedem von
uns das Buch der Ultras, das im letzten Jahr erschienen ist. Der
Hammer! Die Geschichte von 1984 bis heute plus alle Choreos!
Am Sonntag sollten wir ihn dann am Fanshop der Ultras treffen. Da
einige von uns sich noch passend kleiden und T-Shirts und Schals
erstehen wollten, waren wir schon gut eine Stunde vor dem vereinbarten
Termin dort. Da die Kids mächtig von Christophes Geschenken und
der Möglichkeit, bei den Ultras stehen zu können, beeindruckt
waren, hatten sie sich überlegt, ihm ein St. Pauli Trikot mit
allen ihren Unterschriften zu schenken. Passenderweise hatten jemand
ein Trikot mit der 13 dabei, da Marseilles Postleitzahl ebenfalls mit
13 beginnt. Christophe hat sich ziemlich gefreut.
Los gings. Ihm immer hinterher, passierten wir mühelos die
Kontrollen. Noch nie bin ich so sanft abgetastet worden! Der Secrurity
Chef persönlich begleitete uns zu unseren Plätzen. Diese
befanden sich unten hinterm Tor, direkt hinterm Zaun. Offensichtlich
scheinen vor sechs Jahren die Auflagen beim Stadionneu- bzw. umbau noch
andere gewesen zu sein, jedenfalls konnte man auf den unteren drei
Sitzreihen im Sitzen nichts sehen außer einen nicht wirklich
dekorativen Zaun. Aber wir wollten ja nicht sitzen! Schließlich
wird in der gesamten Kurve genau wie auf der gegenüberliegenden
Seite gestanden.
Beide Hintertortribünen des Stade Vélodrome werden von
verschiedenen Ultragruppierungen bevölkert und sind durch
Dauerkarten ausverkauft. In der Südkurve stehen Commando Ultra
(unten) und die Southwinners (oben), in der Nordkurve die Yankees
(unten), Fanatics, MTP und Dodgers (oben). Wo wer steht, ist durch
Transparente der jeweiligen Gruppierung gut auszumachen.
Die Hauptribüne ist als einziges überdacht und durch die
Logen in einen unteren und einen oberen Teil gegliedert. Die
Gegentribüne ist ähnlich wie die Kurven im oberen Bereich
elliptisch und an den Seiten und oben offen. ( Wer sich ein Bild machen
möchte, kann sich ja mal durch die Homepage des Vereins klicken
www.olympiquedemarseille.com )
Neben der Nordkurve auf der Gegentribüne befindet sich der
Auswärtsblock, den an diesem Spieltag handgezählte 42 ;-)
Straßbourg Fans bevölkerten, die dafür aber
ununterbrochen das gesamte Spiel über unabhängig vom
Geschehen auf dem Rasen oder auf den Rängen ihre Fahnen
schwenkten!
Hauptribüne und Gegentribüne waren mäßig besetzt,
was uns eine Zuschauerzahl von 35.000 bis 45.000 schätzen
ließ (tatsächlich schwankten auch die Angaben in der
örtlichen Presse und der „France Football“, die natürlich
nach dem Match eifrig gelesen wurde) .
Ein offensichtliches Phänomen von Sitzplatzstadien ist nicht nur,
dass sie in der Regel vorzeitig verlassen werden, nein, sie füllen
sich auch erst kurz vor Anpfiff! Eine halbe Stunde vorm Kickoff waren
nicht mal die Kurven besetzt, sodass wir schon in Sorge waren, ob die
Zettelchoreo in der Nord denn überhaupt was werden würde!
In unserer Kurve war keine besondere Choreo vorbereitet, doch als die
Spieler aufliefen, wurden bei den Southwinners im oberen Bereich
reichlich orangefarbene Rauchbomben gezündet und Fahnen und
Doppelhalter geschwenkt. Der Rauch ließ sich für die
Schweigeminute wegen der Opfer des Bombenanschlags von Madrid nicht
abstellen, aber ansonsten war es still. Nach der Schweigeminute brach
dann ein Orkan los!
Die Nordkurve stimmte ein „Aux Armes“ an und die Süd antwortete!
Geil! So von Kurve zu Kurve, das hat schon was! Und wenn dann die
10.000 Leute im Anschluss daran geschlossen hüpfen! Ein
unglaubliches Bild!
Überhaupt war der gesamte Stadionbesuch ein überaus
sinnlicher. Mit Sicherheit lag es daran, dass wir mitten „in“ den
Ultras standen und der Mikrofonmann keine fünf Meter von uns
entfernt stand, sicher lag es auch daran, dass es einfach unheimlich
viel zu gucken gab. Gegenüber, oben, nebenan, ständig
passierte etwas. Rauch, Bengalos, Fahnen, Doppelhalter, Gesänge
(die uns doch zum größten Teil sehr bekannt vorkamen...),
Trommeln...
Aber natürlich gibt es auch was zu meckern.
Da wären zunächst die horrenden Preise für die
Verpflegung und dass einem als Vegetarier nur der Griff zur
Chipstüte blieb, um nicht zu verhungern (Getränke 3,50,
Baguette 3,50, Chips 2,50).
Zweifelsohne hat es was, wenn es einen Animateur gibt, der jedes Lied
vorsingt. Doch dass man aber selbst Bescheid bekommt, wann man wie laut
zu Pfeifen oder zu Buhen hat, ist mir dann doch etwas suspekt. Ich
persönlich möchte das doch bitte lieber selbst entscheiden!
Aber den Ultras scheint es zu gefallen, auf jeden Fall gellte auf das
Kommando „Sifflez!“ ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert auf den
Rasen. Lustig auch das „Plus fort“, wenn’s nicht laut genug war! Oder
das „Aaaaarrrrrrhhhhh“ wenn’s ums Ausbuhen ging!!! Wie aufm Jahrmarkt.
Und als ich aufs Klo musste und seitlich der Kurve nach oben ging
hörte ich - nichts. Im Rest des Stadions war null Stimmung. Keine
Rufe, kein Klatschen.
In der 20. Minute gab es einen Elfmeter für Marseille, den Drogba
verwandelte. Straßbourg hatte danach keine wirkliche Chance mehr
und überließ Marseille das Spiel, die dieses dann auch
locker mit 4:0 gewannen. Schön für uns, auch mal einen Sieg
zu sehen.
Nach dem Spiel warteten wir noch eine Weile, bis wir das Stadion
verließen, wollten wir doch nicht im totalen Gedränge zur
U-Bahn gehen. Tatsächlich war die U-Bahn relativ leer, sodass wir
hungrig und zufrieden gegen 21 Uhr unsere Unterkunft erreichten, wo wir
dann noch fix ein Abendessen zu uns nahmen, um dann ins Bett zu fallen.
Christine
Und dann war da noch...
... Norbert, der uns mit allerlei Infos aus dem Volkspark versorgte und
meine Handyrechnung in die Höhe getrieben hat (danke nochmal!)
... der kleine T., der seinen ersten Auslandsgroundpunkt im Schlaf
verdient hat (bewundernswert, wie man bei dem Lärm einschlafen
konnte)
... die Jungs und Mädels der U16, die jedes Lied mitgesungen haben