Man sucht sich den Urlaubsort doch nach den Fußballspielorten in der Umgebung aus!

Oder

Zwei Mal dänischer Zweitligafußball

FC Fredericia vs. Köge 2:2

Vejle BK vs. B93 3:5

Während andere ihren vorbereiteten Salat lieber zu Hause aßen, überlegten, was sie mit 90 belegten Brötchen anfangen oder lauter als die Wattenscheidter und Dortmunder zusammen an der roten Erde sangen, fuhren Andy und ich nach den fünf Tagen Montecchio im Sommer in unseren zweiten „Urlaub" in diesem Jahr: eine Woche Dänemark! Aber natürlich nicht wie in der Überschrift angemahnt irgendwo in Midjüdland, nein, ganz im Süden Dänemarks, etwa 40 km Wasser... äähh... Luftlinie von Flensburg entfernt auf der Insel Als!

Unsere Hütte hatten wir eine Woche vor Abfahrt bei ebay ersteigert und vornehmlich auf den Preis und nicht so sehr auf die Lage geachtet: 210 Euro für eine Riesenhütte mit allem Drum und Dran. Ein Blick auf die dänische Fußballkarte zeigte uns dann aber, dass ein Haus am Ringköbing Fjord fußballtechnisch günstiger gelegen hätte. Egal. Müssen wir halt ein bisschen fahren. Immerhin finden die meisten Spiele in Dänemark offensichtlich am Sonntag statt. Leider hatten sowohl Esbjerg als auch Odense (als die am nächsten liegenden Erstligisten) ausgerechnet am 5. Oktober Auswärtsspiele.

Andys Favorit war dann das Derby Viborg vs. Aalborg in der ersten Liga, doch ich wollte keine 250 km durch Dänemark gurken, sondern lieber ein Spiel an der Ostküste gucken. Da liegen eine Reihe größerer Städte, da muss es doch auch Fußball geben! Aabenraa ist dann wohl selbst für die dritte Liga zu klein, erst in Kolding kann Drittligagekicke bewundert werden. Aber das musste ja nun echt nicht sein. Ich schlug dann Fredericia vor, wo immerhin zweitklassig gespielt wird, Andy wollte lieber nach Vejle. Der Blick auf den Spielplan sollte uns beide zu unserem Wunsch verhelfen: Anstoß in Fredericia um 13 Uhr und im 25 km entfernten Vejle um 15 Uhr! Zwei Grounds an einem Tag plus Länderpunkt Dänemark!

Wenn man erst mal die lästige Landstraße, auf der man nur 80 fahren darf, gegen die Autobahn eingetauscht hat, sind die 100 km nach Fredericia von Aabenraa aus ein Klacks. Leider hatten wir absolut keine Ahnung, wo sich das Stadion in Fredericia befindet und unsere Groundhopperspürnase ist auch nicht so weit ausgebildet, dass sich das Stadion einfach vor uns auftat. Generell sind die Stadien in Dänemark erst dann ausgeschildert, wenn man fast davor steht. Also erst in die Stadt geeiert, zum Touristbüro. Leider zu, ist ja Sonntag. Daneben immerhin ein Geldautomat, doch wie viele Kronen brauchen wir wohl? Schnell überschlagen: 1 Euro sind ungefähr 7 Kronen, dann sind 500 Kronen ja gerade mal etwas über 70 Euro, passt. Wo das Stadion ist, wussten wir aber immer noch nicht, also auf zu einer Tankstelle, mal fragen. Nun sind sehr viele Tankstellen in Dänemark vollautomatisiert, kommen also ohne Kassierer aus. So auch die erste von uns angesteuerte. An der nächsten gab es dann aber einen Shop und einen freundlichen Servicemann, der mir in perfektem Deutsch den Weg erklärte und auf einem Stadtplan einmalte. Super, vielen Dank! Den Anpfiff haben wir zwar leider verpasst, aber dafür einen einmaligen Parkplatz direkt vorm „Stadion" gefunden. Der Platz ist für Ortsunkundige wirklich schlecht zu finden, liegt er doch mitten in einem Wohngebiet und ist eher ein mittelgroßer Sportplatz mit kleiner Sitzplatztribüne à la Vitoria oder so. (siehe Fotos auf www.bloedesvolk.de) Laut www.fcfredericia.dk (und wenn mein dänisch so weit reicht) waren handgezählte 557 Zuschauer da. Mit 60 Kronen war man dabei, aber ne Eintrittskarte bekamen wir keine. Köge ging bei diesem Kick auf Oberliganiveau in Führung, doch noch vor der Halbzeit glich Fredericia aus, um dann Ende der zweiten Halbzeit mit 2:1 in Führung zu gehen. Der knappe Vorsprung konnte jedoch nicht gehalten werden, Köge glich in den Schlussminuten zum 2:2 Endstand aus. Das Spiel war kampfbetont, eines der Tore wunderschön. Fredericias Anhänger unter 30 Jahren machten ganz gut Alarm, allerdings mit Trommel.

Wir machten uns dann ziemlich bald nach Abpfiff auf den Weg nach Vejle. Dort angekommen hielten wir gleich an der ersten Tankstelle, wo mir ein wiederum sehr netter Servicemann den Weg wiederum auf deutsch an einer Wandkarte erklärte. Diesmal bekam ich keinen Stadtplan, aber der Weg war auch nicht so schwer: an der vierten Ampel rechts ab, geradeaus, beim Kreisel immer noch geradeaus. Am Ende der Straße kann man nur rechts ab (aber Vorsicht: viele Autos!), dann die nächste oder übernächste wieder rechts. Ok, kein Problem. Fünf Minuten später war das Auto vorm Stadion geparkt und die imaginäre Eintrittskarte zu 70 Kronen erworben. Das Spiel lief bereits knappe 20 Minuten und die Gastmannschaft B93 führte mit 1:0. Das Stadion in Vejle trägt im Gegensatz zu Fredericia diesen Namen zu recht: einer unüberdachten Stehplatztribüne liegt eine überdachte Sitzplatztribüne gegenüber, auf welcher aus roten und weißen Sitzen der Name des Vereins zu lesen ist. Hinter der Stehgeraden liegen die Versorgungsbuden und Getränkestände, sowie die Toiletten. Wir gönnten uns erst mal ein Bier und Popcorn. Über dem Toilettengebäude gab es eine Art VIP-Loge mit Presseplätzen, aber am genialsten war die Sprecherkabine auf dem Dach: an dem Fenster waren Scheibenwischer befestigt! (siehe auch hier www.bloedesvolk.de) Spiel und Atmosphäre hatten schon wesentlich mehr mit uns bekanntem Zweitligafußball (oder eher Drittligafußball) zu tun, wir schätzten gute 1500 Zuschauer (tatsächlich sind es laut www.vejle-boldklub.dk gerade mal 773 gewesen!), die meisten allerdings weder als Vejle noch B93 Fans auszumachen, außer die sieben bis neun Ultras, die samt Trommel und Doppelhaltern das gesamte Spiel über 10 Meter neben uns saßen und erst ganz zum Schluss mal die Stimme erhoben.

Wir sahen ein abwechslungsreiches, spannendes Spiel, das in der ersten Halbzeit von B93 dominiert wurde, die zu Recht mit 0:3 in Führung gingen. Kurz vorm Halbzeitpfiff gelang Vejle der Anschlusstreffer. Nach der Pause bekam Vejle einen Strafstoß und verkürzte auf 2:3, um kurz darauf den Ausgleich zu schaffen. Unsere Ultras wachten langsam auf, doch B93 steckte nicht auf und erzielte in einem Doppelschlag erst das 3:4 und dann das 3:5. Die 22 Jungs auf dem Rasen schienen stehend k.o., doch man hatte trotzdem das Gefühl, es könnten noch Tore fallen. Letztendlich blieb es dann beim 3:5, da hat auch die tolle Cheerleaderperformance in der Pause nicht viel geholfen.

Anekdote am Rande: auf der Anzeigentafel wurden ausschließlich die Ergebnisse der Erstligateams bekannt gegeben...

Insgesamt war es ein netter Nachmittag, je eine Eintrittkarte und ein Programmheft konnten wir nach dem Spiel auch noch ergattern, aber dänischer Zweitligafußball muss sobald nicht wieder sein. Fußball mit so wenigen Zuschauern und so überhaupt gar keinem Support sind nicht mein Ding.

Wenn ich das auf der Vejle Internetseite richtig verstehe, haben sie jetzt zwar einen Hauptsponsor gefunden (bei unserem Spiel war die Brust noch blank), stehen aber trotzdem vor dem Konkurs... In der Saison 97/98 gab es in Vejle noch UEFA-Cup-Spiele zu bewundern...

Christine