Vier zu drei, vier zu drei, vier zu drei! oder DAS ist mein Pauli!
Eintracht Braunschweig vs. FC St. Pauli 3:2
Irgendwann hatten wir beschlossen, dass es besser sei, mit dem Auto nach Braunschweig zu fahren. Hin wollten wir eh hauptsächlich, weil es das letzte Saisonspiel vor der zweimonatigen Sommerpause sein würde. Außerdem ist dies das immerhin dritte neue Stadion für mich in dieser Saison. Bei nur sieben Auswärtsspielen hätte die Quote dennoch höher sein können.
So traf es sich gut, dass Christian sein neues Maulwurfbeobachtermobil spazieren fahren wollte und sich anbot, uns nach Braunschweig zu kutschieren. Andy, Flo und ich stellten dann seine Mitfahrer. Um zehn sollte die Reise bei Ikea starten. Den Flo sammelten wir in Bergedorf ein und nach einiger Suche auf dem nicht unvollen Parkplatz des Möbelgiganten fanden wir dann auch unseren Fahrer.
Die Fahrt verlief, wie Autofahrten eben so verlaufen. Ruhig und entspannt mit der passenden Musik, Dauerkartengesprächen, Planungen für die Geschenke des fanclubinternen Doppelgeburtstages, Autos und hin und wieder einem Päuschen. Dank Routenplaner (sicherheitshalber hatten wir den Kilometerzähler bei Abfahrt natürlich wie empfohlen auf 0 gestellt) war es völlig unproblematisch, zuerst Braunschweig und dann das Stadion zu finden.
In einem Wohngebiet in der Nähe fanden wir einen Parkplatz und trafen eine Dreiviertelstunde vor Spielbeginn am Stadion ein. Dort schnackten wir erst mal ein bisschen, um dann noch ins Stadion zu schlüpfen, bevor die ankommenden Busse ihre Ladung ausschütten konnten. Lustig an dieser Stelle, dass ich zwar den Beutel mit den Klamotten komplett auspacken durfte und bis zu den Turnschuhen hin abgetastet wurde, sich aber niemand ernsthaft für meine Handtasche interessiert hat. Zudem war die eine weibliche Ordnerin schon zu Beginn total überlastet (später soll wohl noch eine zweite hinzu gekommen sein) mit der Masse der Frauen. Der erste Gang führte aufs Klo. Immerhin drei an der Zahl und ziemlich gut in Schuss. Allerdings musste man wie im Kinderlandschulheim das Klopapier VOR dem Gang auf die Toilette am zentralen Klopapierspender im Gang abreißen. Also gut überlegt, wie viel man wohl so braucht...
Die Aktion Süd Active Part wurde heute in der Minimalstform zu zweit angetroffen und nach einigem hin und her entschieden wir uns für einen Platz unter der Anzeigetafel und erwiesen uns damit als echte Trendsetter, denn kurz nach uns zog auch USP vom Block nebenan in den unsrigen. Diese hatten dann auch in mühevoller Bastelarbeit Fähnchen hergestellt, die aus zwei Schaschlikspießen mit Tesa zusammengeklebt und einem angeklebten weißen DIN A 4 Blatt bestanden. Respekt, Jungs und Mädels! Was für eine Sch*** Arbeit! Was auf dem Transpi stand, konnte ich nicht lesen, da ich direkt dahinter stand, aber insgesamt muss das schon recht gut ausgesehen haben.
Das Braunschweiger Stadion ist eigentlich ganz nett anzusehen, wenn es denn keine Laufbahn hätte. So konnte man trotz des Akustikvorteils der Heimfans (nur der Gästestehplatzbereich ist unüberdacht) kaum genau hören, was gesungen wurde. Dennoch eine insgesamt beeindruckende Kulisse, die man in Braunschweig geboten bekommt. Ich habe mich immer gefragt, weshalb die auch in den langen Jahren der Drittklassigkeit immer eine relativ volle Hütte hatten. Als Braunschweiger muss das schon schön sein von der Atmosphäre. Lustig allerdings, das exakt die 15.000 Zuschauer heute im Stadion waren, wie schon auf der Internetseite von Eintracht Braunschweig vor einigen Tagen als erwartete Zuschauermenge angegeben waren...
Auf dem Rasen entwickelte sich rasch ein munteres Spielchen, dass aber erst mal mit einem Schuss nach hinten losging. Also für uns. Für die Braunschweiger war es eher ein Schuss nach vorn, denn sie führten in der siebten Minute durch ein Tor des Ex-St. Paulianers Mazingu, früher als Dinzey bekannt. St. Pauli steckte aber nicht auf und konnte schon zehn Minuten später durch Gunesch ausgleichen, nur um dann eine Viertelstunde später durch Arnold erneut in Rückstand zu geraten. Zum Ende der ersten Halbzeit gelang unseren Kickern sogar noch der Ausgleich - dachten alle, doch er wurde aus welchen Gründen auch immer (angeblich Angehen des Torwarts) nicht gegeben. Mist. Nach dem Wechsel ging es gleich flott weiter und nun konnte doch noch das Ausgleichstor bejubelt werden (Hanke)! Endlich sahen wir einen offensiven FC Sankt Pauli spielen! Frisch nach vorn, auch wenn etliche Spielzüge nicht gelangen und Hanke mehrmals hätte treffen müssen und es nicht tat. Doch dies rächte sich, denn eine Abwehr war nicht wirklich vorhanden. Sieben Minuten später trafen die Braunschweiger wieder. Wieder Mazingu. St. Pauli konnte noch mehrmals gefährlich werden und traf auch noch mal wunderschön ins Tor, doch wieder wurde es nicht gegeben, diesmal soll der Ball im Aus gewesen sein. Die Schiedsrichterleistung war insgesamt fragwürdig, nicht ganz so schlimm wie in Paderborn, aber fast. Es hagelte auf unserer Seite gelbe Karten für Nichtigkeiten, während die Braunschweiger ohne davon kamen.
Egal, zum Glück konnte uns nichts mehr passieren, nur den siebten Tabellenplatz, den hat jetzt Uerdingen. Nach dem Spiel kamen die Spieler in die Kurve und ließen sich zu recht feiern. An ihnen lag es diesmal nun wirklich nicht. Im Überschwang der Gefühle erklommen etliche Fans den Zaun und einer hüpfte dann auch rüber. Insgesamt natürlich eher blöd, wurde der Block eh schon die ganze Zeit gefilmt und befanden sich reichlich stiernackige Ordner vorm Zaun. (Möglicherweise fiel er aber auch, das habe ich nicht so genau gesehen). Jedenfalls hatten besagte Ordner nicht besseres zu tun, als sich den Fan zu schnappen, der gerade Frank Dröge umarmte oder umarmen wollte, und auf ihn und Frank übelst loszugehen. Dieser stellte sich schützend vor den Fan, unterstützt von etlichen Mannschaftskameraden. Respekt für dieses couragierte und entschlossene Handeln, Jungs! Frank, du bist ein ganz Großer! DAS ist mein Pauli! DAS ist eine Sache, die uns nicht beliebig macht! Den Ordnern war das völlig wurscht, sie kloppten dann halt auf alles drauf, was irgendwie nach St. Pauli aussah und verpassten dem ein oder anderen eine Schelle, fingen aber selbst auch nicht schlecht. Mit einem Mal sprang Stani dazwischen und schrie die Ordner an, dann war der Teammanager auch schon da und ging sehr energisch dazwischen und erzählte den Pitbulls erst mal ein paar Takte. Die trollten sich dann auch allmählich unter "Nazis raus" Rufen und wir konnten endlich zum Wesentlichen kommen, nämlich feiern.
Feiern, dass die Saison endlich vorbei ist. Feiern, dass nach drei Jahren permanentem "aufdieFressekriegen" endlich mal ne Saison im Mittelmaß zu Ende geht (gut, war trotzdem bis zum vorletzten Spieltag spannend). Feiern, dass die Mannschaft eine schöne Leistung zeigte, so ohne Druck. Hoffentlich bleiben uns einige der Jungs erhalten, ich glaube, da sind ein paar wirklich gute Typen dabei. Und wir brauchen neue Typen, nachdem uns jetzt mit Stani auch das letzte Idol "verlassen" hat. Macht was draus, ich wünsche es mir. Und freue mich tatsächlich schon auf die nächste Saison. Ich habe tatsächlich die Hoffnung, dass nächstes Jahr was gehen könnte. Wenn das Team zusammenbleibt und nur punktuell verstärkt wird. Wenn es den Sommer über (relativ) ruhig bleibt im Verein. Wenn Mannschaft und Trainer zusammenfinden. Wenn wir einfach mal Pause haben. Und dann lern ich für nächste Saison auch alle Spielernamen und -daten auswendig. Und weiß immer, wann wir gegen wen spielen. Und merk mir die Ergebnisse. Und singe mehr. Ehrenwort.
Christine