Wo war Behle?

Endlich Samstag, endlich ausschlafen und endlos im Bett abhängen. Dann aufstehen und Frühstück. Ein blick auf die Uhr: Ach, erst halb 3. Dann an den PC gesetzt, denn ein bisschen Arbeit tut Not (und ist Sonntagabend noch weniger lustig, als Samstagnachmittag) und die Arbeitsblätter entstehen ja nicht von allein. Ein Blick aus dem Fenster: traumhafter Sonnenschein. Ins Badezimmer geschlendert, geduscht. Blick auf die Uhr. Oh! Schon halb 5! Hektik! Flo angerufen. Ne, keine Zeit. Also zu zweit los.

In Bergedorf kurz nach Anpfiff angekommen (Standard von Andy und mir bei Amateurspielen zu spät zu sein) , lauter bekannte Nasen getroffen. Hatten wohl alle nix Besseres vor, als die letzten Sonnenstrahlen auf der Zuschauertribüne eines Fußballplatzes zu genießen. Das Spiel war äußerst mäßig. Also nutzte man die Zeit zum schnacken und in die Sonne blinzeln. Mit Knuffi und der Wetterhexe habe ich Frauengespräche geführt und die Männer waren auch in Gespräche vertieft, auch wenn Andy mich erinnerte, dass wir zum Fußball gucken hier sind. Unverschämt übrigens der Eintrittspreis: 6 Euro für Normalzahler!!! Ein Samstagnachmittagspaß war das nicht gerade. Zumal das Spiel nicht mal gut war.

Nach dem Spiel verkrümelten sich doch alle recht fix und wir statteten noch der 1a Videothek in Lauenburg einen Besuch ab. Wer Premiere hat, ist besser dran. Wahnsinnsauswahl... „Blow" ist übrigens ein langweiliger, unglaublich öder Film. Obwohl ein Thema behandelt, dass generell Spannung verspricht (Drogenhandel) und der Hauptdarsteller für Qualität steht (Jonny Depp). Nun gut, am nächsten Tag mussten wir ja eh früh raus, wir sind ja schließlich Fußballfans und die stehen gern am Sonntag auf, wenn selbst eifrige Kirchgänger noch an ihrer Matratze horchen...

behle.jpg (43208 Byte)Kurz nach 7 klingelte der Wecker. Brötchen in den Ofen, schnell ins Bad. Schnell? Naja, die Brötchen waren gut knusprig, als ich sie aus dem Ofen holte. Bierkonsum abgeschätzt, Kühltasche gepackt, los. Inga und Flo abholen. Kurz nach 9 waren wir dann am Clubheim. Plätze im Oberdeck des Doppeldeckers gesichert, ganz vorn. Die Bezugsgruppe bestand im einzelnen aus zwei Hotzenplötzern, einer weisen Senilen, einem 42er, drei Unterhosen, einem alten Knochen, einem BlöVo und fünf Intergalaktischen.

Reiner sollte unterwegs zusteigen, doch wo blieb das fünfte Alien??? Christian und Frida trudelten ganz entspannt um genau halb 10 ein. Und selbst das war für den einen Bus noch viel zu früh... Mit halbstündiger Verspätung kamen wir endlich los.

Orsen, Goofy und Paulchen unterhielten das Oberdeck damit, dass sie bei jeder Brücke auf der Autobahn riefen „Achtung! Brücke!" und sich duckten. Wie alt seid ihr noch mal??? Zusammen mindestens 100...

In Stolpe sammelten wir Reiner ein und kurz vor Berlin wurde der Mc Do angesteuert.

Das Wetter war herrlich. Es war warm und sonnig. Die Busbesatzung war supernett, die Bezugsgruppe sowieso. Der Fanbetreuer kam seinen Pflichten nach und kümmerte sich um die Problemfans.

Berlin erreichten wir gegen halb 2, doch es sollte noch eine knappe Stunde dauern, bis wir am Stadion waren. OK. Die alte Försterei liegt im Osten Berlins, also muss man HH kommend einmal durch Berlin durch. Aber irgendwie wusste nachher keiner mehr so recht, wo wir lang mussten... Schließlich kamen wir dann aber doch an.

Und dann: Remember Lübeck!!! Als hätte man ein déja vu.

Ungefähr alle Gästefans (also die 6 Busse aus HH + die individuell angereisten) drängten sich durch EIN Einlasstor!!! Wir standen 10 Minuten auf der Stelle. Erste Unruhe. Paulchen verkauft Passanten T-Shirts („Ey, welche Größe brauchst du?") 20 Minuten. Die Pöbeleien nehmen zu. Paulchen verkauft immer noch. Psycho entdeckt. 30 Minuten. Wütender Unmut. Anpfiff. Toll. Um fünf nach drei betrat ich das Stadion, lies mich abtasten und meine Tasche durchwühlen und war dann um knapp 10 nach drei im supervollen Gästeblock. Sicht gleich null. Dass es auch ein zweites Tor gab, erkannte ich erst nach der Halbzeit. Den Großteil der Bezugsgruppe haben wir trotzdem wieder gefunden. Interessant übrigens, dass der Nebenblock komplett leer war, als Pufferzone. Da das Gedränge und damit die Aggressivität zunahmen, entschieden sich die Ordner, doch den Nebenblock teilweise zu öffnen. Die Passanten gingen gleich rüber, verpassten dadurch das Tor von St. Pauli. Andy und ich wechselten in der Pause den Standort.

Nun erst konnte ich das Stadion so richtig in Augenschein nehmen. Echt schön. Ein reines Fußballstadion. Wie ein kleiner Bökelberg. Drei Stehtribünen und nur eine Sitzplatztribüne. Und Alarm!!! Kaiserslautern, Dortmund, Schalke: DIES ist die Hölle!!! (Neben der auf St. Pauli, versteht sich). Selten so einen guten Support gehört und gesehen. Da kann die erste Liga einpacken. Ok. Das Spiel tat sein Übriges. Wann gewinnt man schon mal 4:2 gegen einen Bundesligaabsteiger, der nur wenige Tage zuvor Braunschweig mit 7:1 nach Hause geschickt hat?

Nach dem Spiel kein Applaus von der Bezugsgruppe. Was sollte man auch beklatschen? Das erneute Einbrechen nach der Pause? Die unglaublich schwache Leistung einzelner? Gruschka scheint mir doch überfordert zu sein in der zweiten Liga, mindestens 4 Gegentore gehen allein auf seine Kappe. Das Torverhältnis? Schnell gerechnet. 10:19!!!!!! Ok, wir haben 10 Tore geschossen (davon 7 in o. g. Spiel), aber auch 19 bekommen!!!! Das geht nicht! Lieber 1910 als 10:19! Um mich herum enttäuschte und wütende Gesichter. SO hatten wir uns den Start in Liga zwei nun wirklich nicht vorgestellt. Und damit meine ich nicht, dass die Mannschaft nicht verlieren darf. Aber das wie ist doch entscheidend.

Nach dem Spiel mussten wir unverständlicherweise noch einige Minuten im Block bleiben. Aber wir wären ja eh nicht weggekommen. Gleiches Chaos beim Rausgehen wie beim Einlass. Aber eine Austrittskarte brauchten wir nicht.

Mit etwas Verspätung fuhren wir dann wieder gen Heimat. Bedröppelt saßen wir im Bus. Der Fanbetreuer kam seinem Job nach und betreute die Problemfans. Und munterte sie auf (wenn auch mit unfairen Mitteln (kitzeln)). Orson und Paulchen zählten eine Welle an, aber über Busreihe vier kam sie leider nie hinaus. Irgendwann ließ die gute Laune wieder nach, man dachte an den nahenden Montag und schwupps! standen wir auch noch im Stau.

Supertach also.

Gegen halb 12 hatte Lauenburg uns wieder und wenig später begaben wir uns ins Traumland, aus welchem wir am Montag sehr früh sehr unsanft gerissen wurden.

Christine

PS: Behle stand keine 2 Meter von mir entfernt...