Trophée de l Amitié
oder
Paris Special mit Rainbow
Eigentlich war ja ein dreiwöchiger Trip von der Loire bis an die Côte dAzur per Auto durch Frankreich angedacht, aber aus kostentechnischen Gründen wurde dieser auf einen der nächsten Sommer verschoben.
Aber wenigstens Paris, ein Stop unserer geplanten Tour, wollten wir dann doch besuchen und so entschlossen wir uns zu einem Rainbow-Trip mit einer Übernachtung.
Wir wären jedoch keine Fußballfans, wenn wir nicht zunächst einmal nachgeschaut hätten, an welchem Wochenende ein interessantes Fußballspiel sein könnte. Die Liga beginnt ja leider auch erst im August und da hatten wir keine Zeit mehr, aber am letzten Juliwochenende sollte Paris Saint Germain gegen den FC Porto spielen. Allerdings nicht im Parc des Princes und auch nicht im Stade de France (da war gerade Strand für günstige 10 Euro Eintritt), sondern im Stade Charlety im Südosten der Stadt. Von diesem Stadion hatten wir noch nie gehört und erwarteten eine Spielstätte à la Borgweg, doch ein Blick in das Weltweite Netz (www.worldstadiums.com) sagte uns, dass das 1938 erbaute Stadion ein Fassungsvermögen von 20000 Leuten hat! Und das Foto sah auch recht beeindruckend aus (hier seht ihr allerdings eigene Fotos).
Also buchten wir besagte Tour, einen Tagesordnungspunkt schon fest im Visier.
Am Donnerstagabend gegen 18 Uhr fuhren wir dann am Hamburger ZOB los und kamen dann nach unzähligen Stops an völlig überteuerten Raststätten (natürlich wurde nie auch nur in der Nähe eines unserer bevorzugten Restaurants gehalten, dafür konnte aber unsere Reiseleiterin umsonst essen)und dem Einsammeln der Mitreisenden und mit wenig Schlaf auf unbequemen Schlaf"-sesseln morgens gegen 8 Uhr in Paris an.
Auf die Stadtrundfahrt für günstige 12 Euro verzichteten wir mal, denn ich hatte sie schon einmal bei einem Kurztrip vor fünf Jahren mitgemacht und Andy hat ein halbes Jahr in der Metropole an der Seine gelebt. Also wurden wir im Norden der Stadt an der Endstation einer Metro rausgeworfen und sollten den Bus am Treffpunkt B um 12 Uhr wieder treffen.
Da um diese Zeit noch kein Laden auf hat (auch nicht das fnac", eine Art französischer Mediamarkt, wo wir unsere Karten für das Spiel reserviert hatten), begannen wir erst mal mit dem Sightseeing und das am Triumphbogen und wanderten im Anschluss die Champs Elysées entlang. Mittlerweile war es auch schon halb 10 und wir bekamen Hunger (schließlich hatten wir um halb 6 in einer überteuerten Raststätte gefrühstückt), doch leider erhielten wir noch keine Pommes, sondern ebenfalls nur Frühstück. Das fnac öffnete seine Pforten und wir holten unsere Karten ab. Ein Stück weiter längs ist auf der anderen Straßenseite ein PSG Shop, den wir dann auch erst einmal enterten. Auch dort war gerade Sommerschlussverkauf. Ich konnte mich für ein weißes T-Shirt mit PSG Aufdruck am Ärmel begeistern und Andy verguckte sich in ein Brasilien-Shirt. Wir beschlossen, später noch einmal hinzugehen und erst dann die Shirts zu erwerben.
Wir wurden vom Bus wieder abgeholt, kurvten endlos durch Paris, um Leute zu ihren Hotels zu bringen und erreichten endlich gegen 14 Uhr unser Hotel, ganz im Nordosten und schon gar nicht mehr IN Paris! Das Etap-Hotel war zwar einfach, aber sauber und so besser als erwartet. Nach einem Sprung in die Badewanne machten wir uns dann auch wieder auf, Richtung Les Halles, einem Einkaufszentrum. Das Portemonnaie leichter, der Rucksack schwerer, fuhren wir mit der neuen Metro 14 ins 13te Arrondissement, in dem Andy ein halbes Jahr gelebt hatte. Bei Pizza Hut erstanden wir zwei Pizza zum Preis von einer (trotzdem immer noch stolze 15 Euro) und schlenderten dann langsam Richtung Stadion.
Etwa eine Stunde vor Anpfiff war vor dem Stadion lebhaftes Treiben. In einem Pub erstanden wir noch ein Bier, das 4 Euro pro Becher kostete (in Paris gibt es in einer Kneipe mindestens drei unterschiedliche Preise für ein und dasselbe Bier: draußen auf der Terrasse, drinnen am Tisch und am Tresen, meist auch noch je später der Abend, desto teurer das Bier). Naja, es schmeckte auf jeden Fall. Da das Gedränge am Einlass zunahm, stellten wir uns auch in die Schlange. Unser Ticket (das billigste) hat übrigens 15 Euro gekostet (Sitzplatz Nordkurve) und diese schienen auch ausverkauft zu sein, jedenfalls suchten einige nach eben diesen günstigen" Karten (vergl.: Das St. Pauli Spiel um den Salzbrenner-Cup kostete 5 Euro und auch dort ging es schließlich um einen Pokal!).
Bis zur Halbzeit füllte sich das Stadion zusehends, so dass wohl gute 10000 Leute das Rund füllten. Das Spiel war größtenteils ziemlich langweilig und wir vertrieben uns die Zeit mit SMS schicken in die Heimat, da das in der Zeit von 19 bis 20 Uhr nix kosten sollte (ich bin auf die Rechnung gespannt).
Bei PSG fehlte Ronaldinho, bekanntere Namen sind vielleicht Letizi, der Nationaltorhüter und Déhu, ehemaliger Nationalspieler. Bei Porto spielten u. a. Vítor Baía und Jorge Costa.
PSG spielte erschreckend schlecht, der portugiesische Torwart hatte vielleicht fünf Ballkontakte in der ersten Halbzeit, der französische dafür umso mehr. Ein Tor fiel dennoch nicht. Beide Mannschaften spielten sehr körperbetont, vor allem PSG langte doch das ein oder andere Mal ziemlich hin. Gegen Ende der Halbzeit dann plötzlich Tumult: Irgendjemand hatte irgendjemanden gefoult und der dann wohl zurück oder wie auch immer, jedenfalls waren auf einmal alle Spieler, Trainer, Funktionäre und Schiedsrichter in einer Traube auf dem Spielfeld (an der Mittellinie!), der Schiri hatte gut zu tun, verteilte einige Karten (eine muss auch rot gewesen sein, so war es jedenfalls am nächsten Tag in der Zeitung zu lesen, aber von unserem Platz aus war das nicht auszumachen) und das Spiel ging weiter, jetzt noch einen Gang härter (zur Erinnerung: es ging um die Trophée de lAmitié, den Freundschaftspokal!). PSG vergab noch einen Elfmeter, Porto einige gute Freistoßmöglichkeiten und dann ertönte der Schlusspfiff. Etliche Zuschauer verließen ihre Plätze und strömten zum Ausgang, hatten sie etwa nicht bemerkt, dass im Laufe der Halbzeit ein Pokal an den Spielfeldrand gestellt wurde? Eine Verlängerung gab es glücklicherweise nicht, wenn das Spiel auch im Laufe der zweiten Halbzeit deutlich spannender geworden war, aber es musste ja einen Gewinner für den Pokal geben und so kam es denn, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben live ein Elfmeterschießen sah! Doch selbst hier brauchte es acht Schützen und am Ende heiß es dann 6:5 für Porto. Übers Spiel gesehen verdient. Der Jubel hielt sich in Grenzen, eine Ehrenrunde gab es nicht und die PSG Spieler trauten sich auch nicht so recht in die Kurve ihrer Anhänger.
Apropos Anhänger: Diese brennen bei Ligaspielen bisweilen ein wahres Feuerwerk an Choreos ab. Bei diesem Freundschaftsspiel hatte sich ein Block in der Südkurve eingefunden, während der Rest im Stadion verteilt saß, die Porto Anhänger nicht als Gruppe auszumachen. Interessant auf jeden Fall, wie selbst bei einer so kleinen und verstreuten Anzahl von Supportern das kurvenübergreifende Singen klappt (eine Kurve singt vor, die andere das Echo). War schon nett.
Nach dem Spiel fuhren wir noch an die Seine, in die Nähe der Bibliothek Francois Mitterand. Dort liegen verschiedene Kneipenboote, auf denen man in angenehmen Ambiente teure Getränke zu sich nehmen kann. Ich war ganz schön fertig und so erreichten wir kurz nach Mitternacht dann auch unser Hotelzimmer, dass wir am Morgen schon um halb 8 räumen mussten...
Am nächsten Tag machten wir die Tourifahrt perfekt, indem wir uns nach Versailles begaben und uns das Schloss ansahen. Wieder in Paris statteten wir in glühender Hitze dem Marché aux puces ganz im Norden einen Besuch ab, fuhren dann wieder nach Les Halles (Stadtzentrum) und zum Centre Pompidou, dann nach Pigalle und zum Montmatre (Norden), wo wir dann bei Baguette, Käse, Wein und Bier den Blick über Paris genossen. Schließlich fuhren wir zurück zur Champs Elysées, um nun doch die T-Shirts im PSG Shop zu erstehen, dann zur Notre Dame und anschließend schlenderten wir noch am Paris Plage an der Seine entlang (der allerdings enttäuschend war, war doch nur auf dem Bürgersteig Sand aufgeschüttet worden und ich dachte, ich könnte mit meinen müden Füßen mal im Sand spazieren).
Um 23.30 endete unser Kurztrip und gute 12 Stunden später hatte Hamburg uns wieder.