Rezept für eine gelungene Auswärtsfahrt
Man nehme: etwa 90 St. Pauli-Fans, verteilt auf zwei ICE, ausreichend zu essen und zu trinken, Trivial Pursuit, Quartett, ein Zwischenstopp in Mannheim, eine Dreimanncombo, die auf dem Bahnhof aufspielt, netter Empfang am Ankunftsbahnhof, entspanntes Schlendern zu Stadion, ein spannendes Fußballspiel mit gutem Ende für uns, ruhige Rückfahrt
Zuerst gebe man die St. Pauli-Fans um kurz nach 7 an einem Sonntagmorgen in einen ICE, der dann pünktlich losfährt. Dann füge man eine nicht zu knapp bemessene Menge Astra und Nudelsalat hinzu. Anschließend verteile man nach und nach Zeitschriften, Kartenspiele und Trivial Pursuit an die Reisenden und füge gute Laune und nette Gespräche in entspannter Atmosphäre hinzu.
Nach knapp vier Stunden lasse man die Fans umsteigen und von einer Kapelle bei Bier, Brezeln und Pizza unterhalten. Vorsicht, es könnte passieren, dass sich die Sankt Paulianer zu Polonaisen oder Tanzen auf Bänken und lautem Mitsingen mitreißen lassen!
Nach einer guten halben Stunde lasse man die Fans in ihren ICE zum Zielort einsteigen und versüße die verbleibende Zeit mit weiterem Singen in erwartungsfroher Stimmung.
Am Spielort angelangt, lasse man die Fans auf jeden Fall unverzüglich zu den Schließfächern, denn eine Kiste Astra und eine immer noch nicht wirklich leere Kühltasche, so wie Ersatzkleidung für den Fall, das es regnen sollte, schleppen sie gar nicht gern durch fremde Städte! Man weise die Fans dann freundlich darauf hin, wie es zum Stadion geht und lässt sie dann ihres Weges ziehen. Merke: Fußballfans finden immer das Stadion! Das Aufgebot der Personen in grün sollte sparsam dosiert sein, denn viele St. Paulianer reagieren allergisch auf diese unvermeidliche Zutat.
Man lasse die Fans dann auf dem größten Platz der Stadt ihre Fahnen schwenken, ihr Bier trinken und laut Singen. Das ist harmlos, bringt die Fans in Stimmung und selbst Priester nicht aus der Ruhe. Man kann sich sicher sein, dass sie spätestens 1 Stunde vorm Spiel am Stadion sein wollen!
Am Stadion angekommen lieben St. Pauli Fans es, wenn alle Tore des Gästeblocks geöffnet sind, damit alle zügig in den Block gelangen und sich vorher noch mit Getränken versorgen können. Im Stadion ist darauf zu achten, dass alle mitgebrachten Zaunfahnen aufgehängt werden können. Tapetenrollen sind für diese Fans sehr wichtig, zu verbieten, dass sie sie ausrollen dürfen wird nur ungern hingenommen.
St. Pauli Fans verlangen nicht unbedingt ein spannendes Spiel, wissen es aber zu schätzen, wenn nicht Grashalmzählen, sondern Fußball gespielt wird. Obwohl er damit rechnet, sein Team könne wieder die entscheidenden Punkte vergeigen, hofft der Fan auf einen möglichst hohen Sieg. Während des Spiels neigt der St. Pauli Fan zum Singen und wird schnell durstig. Für ausreichenden Flüssigkeitsnachschub ist zu sorgen! Alkoholfreie Plörre wird nur im Notfall konsumiert.
Nach dem Spiel bleibt der Fan gern noch eine Weile im Block und erwartet, dass die Mannschaft in die Kurve kommt. Anschließend lasse man die Fans auf eigenen Wegen, aber gern in bereitgestellten Bahnen oder Bussen zum Bahnhof ziehen, wo sie sich dann noch mit dem Notwendigsten für die Rückfahrt versorgen können.
Zu guter Letzt lasse man die Fans erst ein kurzes Stück in einer Regionalbahn fahren, bis sie dann mit dem ICE an ihren Heimatort zurückgebracht werden. Garniert werden solche Rückfahrten gern mit de allseits beliebten Groundsleeping Contest.
Pünktlich wieder zu Hause schafft es der St. Pauli Fan dann auch, am nächsten Tag halbwegs frisch bei der Arbeit zu erscheinen.