Der Fußballgott hatte diese Saison Pause
oder
Was Leverkusen und St. Pauli gemeinsam haben...
Nachdem ich mich bei den letzten beiden Spielen ja extrem aufgeregt habe, bin ich nun, nach einer Woche Abstand vom Duisburgspiel und zwei Wochen Abstand zum Karlsruhespiel, wieder ganz ruhig und gelassen. Trotzdem: endlich ist die Saison vorbei! Und sie hätte nicht einen Spieltag länger sein dürfen! Herzliches Beileid noch mal an alle, die den 34er oder 35er hingelegt haben, war kein Zuckerschlecken. Ich bin dann letztendlich auch noch auf 17 + 8 gekommen. Und an alle: je mehr Spiele man sieht, umso fertiger ist man am Ende der Saison. Die 8 Wochen Erholung vom laufenden Spielbetrieb werden uns allen gut tun. Lediglich die Vereinsquerelen und die Ungewissheit über die Zukunft unseres FC wird die Gemüter noch lange in Atem halten....
Aber ich schweife ab... Beginne ich, wie ich viele Berichte beginne:
Der Wecker klingelte nach viel zu kurzer Nacht um kurz nach 6 an diesem sonnigen Sonntagmorgen. Fix unter die Dusche, angezogen, Brötchen geschmiert, Kühltasche und Andy geschnappt und los, den Flo abholen. Kurzer Stopp zum Tanken und dann aber hurtig. Warum wir uns so beeilten, weiß ich auch nicht, hatte der Sonderzug doch schon bei der Abfahrt lässige 30 Minuten Verspätung.
Im Zug dann traf uns der Schlag: voll end eklig! Der Boden klebte, überall lag Müll, die Sitze total dreckig, die Tür aus den Angeln, keine Vorhänge, ein kaputter Klapptisch und alles in allem extrem siffig. Was soll das denn?!? Die Erklärung kam kurze Zeit später: dieser Zug (diesmal nicht von der Deutschen Bahn, sondern von einem Privatanbieter) war gestern als Leverkusener Sonderzug nach Nürnberg und zurück gefahren!!! Kurz gerechnet: Wenn das Spiel in Nürnberg um Viertelnachfünf zu Ende war, dann sind die frühestens um halb sieben am Hauptbahnhof abgefahren, fünf Stunden Fahrt nach Leverkusen... halb 12 nachts. Sagen wir mal halb 1 Weiterfahrt nach Hamburg... noch mal so 6 Stunden... macht halb sieben und um viertel vor acht sollte der Zug in Altona losfahren. Rechnet selbst: macht maximal 2 Stunden für die Zugreinigung, die in der Zeit natürlich nicht zu schaffen ist, also lässt man es gleich. Lecker. Angeblich waren einige Waggons durch Magen- und Darmentleerungen so stark verunreinigt, dass sie noch in Altona aussortiert wurden. Fakt ist, dass die Klos alle mehr als benutzt aussahen und das Klopapier alle war... Der Partywagen (von einer Fremdfirma betrieben) konnte erst später öffnen, da die Betreiber erst mal durchwischen mussten, um annähernd so etwas wie Hygiene herzustellen... Das angekündigte Labskaus war übrigens am Ende der Fahrt annähernd aufgetaut, zu essen gab es das nicht, da der Partywagen zwar über den zugesicherten Herd verfügte, der jedoch defekt war... Super Sache, alles in allem.
Egal, Flo, Andy, Christian und ich machten es uns dann trotzdem gemütlich und frühstückten dann erst mal. Insgesamt waren wir doch alle noch recht müde und sehr froh, dass es in Aachen heute um nichts mehr ging (was dann aber die Frage des Tages aufwarf: warum fahren wir dann eigentlich hin?), da wir sonst überhaupt nicht hätten schlafen können. Wir liehen uns eine BamS, amüsierten uns über die Grand Prix Seiten und fachsimpelten dann über die Aufstiegschancen von Mainz, Frankfurt und Greuther Fürth und darüber, wer uns dann in die dritte (oder vierte grmpf) Liga folgen wird und träumten kurz noch den Traum, dass ein 15. Tabellenplatz ja bei einem eventuellen Lizenzentzug anderer Mannschaften noch zum Drinbleiben reichen könnte....(den jetzt übrigens Braunschweig innehat...)
Der Zug hatte mittlerweile schon eine gute Dreiviertelstunde Verspätung, was uns hoffen lies, doch endlich mal auf Auswärtsfahrt zu fahren und das Spiel nicht zu sehen, doch dank des hervorragenden Shutteldienstes der örtlichen Sicherheitskräfte kamen wir mithilfe von Blaulicht noch mehr als rechtzeitig am Tivoli an. In Aachen kennt man ja schon die Vorgehensweise der Polizei: Aachen West alle aussteigen, die Treppe runter in den Tunnel, dort umgehend in die Busse und warten, bis alle einen Platz haben. Mit vier bis fünf Polizeiwagen vor uns und einigen dahinter, begleitet von mehreren Motorrädern im Konvoi zum Stadion, dort aussteigen und möglichst schnell hinein. Und trotzdem war es relativ entspannt. Wahrscheinlich, weil man drauf eingestellt war. Das war man in Karlsruhe nicht. Und außerdem waren die Jungs und Mädels in grün auch um einiges entspannter, ein Lächeln auf den Lippen, wenige Hunde, die zurückhaltend waren, keine hypernervösen Pferde und nicht mehr Präsenz als notwendig.
Vorm Stadion noch ein wenige gequatscht, dann aber auch rein. Der Einlass lief verhältnismäßig gut, obwohl alle zeitgleich da waren und ein ziemliches Gedränge herrschte. Aber bei vier Abfertigungsstellen flutscht das dann trotzdem. Kleine Anekdote: Der junge Mann vor mir öffnete, beim Ordner angekommen, sofort seinen Rucksack, nahm größere Gegenstände heraus und zählte auf, was sich alles in dem Rucksack befindet: Sonnenbrille, Portmonee, Handy, Schlüssel... Kugelschreiber... Kugelschreiber dürfen nicht mit rein!" Verdutzter Blick, und dann den Kugelschreiber an den Ordner überreicht. Sehr lustig. Noch im Stadion schüttelte er den Kopf und fragte sich, warum ein Kugelschreiber ein gefährlicher Gegenstand sein soll. Meinen Kugelschreiber wollte keiner haben J
Drinnen lange überlegt, wo man sich denn nun hinstellt, doch die soziale Bezugsgruppe war sich uneins und so suchten Andy und ich uns allein einen Platz links vom Tor. Von hier aus konnte man einigermaßen auf die Aachener Fan-Tribüne schauen (ist das eigentlich die Haupt- oder Gegentribüne?) und hatte gleichzeitig auch unsere arrogant-elitären Fans auf den Sitzplätzen der anderen Tribüne im Auge. Das fanmäßig irgendwas gehen würde, war klar, nur was nicht. Die Skins jedenfalls bewiesen mal wieder kreativ-bissigen Humor und verteilten Sylvesterhütchen, Luftschlangen, Pappnasen, Tröten und jede Menge Luftballons unter den Sitzplätzlern. Dazu hielten sie zu Beginn des Spiels eine Tapete hoch Schluss mit lustig!" Was so ungefähr 99% der bei uns im Block anwesenden PPP-Fans nicht annähernd verstanden, sondern pöbelnder Weise kommentierten (der genaue Wortlaut fällt mir zum Glück nicht mehr ein). Die USPler auf den Sitzplätzen hielten dann in unregelmäßigen Abständen während des Spiels Tapeten hoch, ebenso bei uns im Block, allerdings dürften letztere kaum zu lesen gewesen sein, da oben genannte PPP andauernd an den Tapeten zerrten... Als wenn man IRGENDWAS Wichtiges verpasst hätte, wenn man mal 2 Minuten nicht aufs Spielfeld guckt!!! Situationskomik hatte definitiv die Tapete Setzen Sechs", die im Anschluss an irgendeinen Treffer von Aachen gezeigt wurde, nachdem der Stadionsprecher die Aachener Fans nach dem Danke, danke" Bitte, bitte" aufgefordert hatte, sich hinzusetzen. Ganz groß!
Obwohl sich viele PPP im Block befanden, die lustig zu We will survive" im Takt mit ihrem Schal wedelten und mitwippten (Wer verbietet eigentlich endlich mal die Hermes House Band???), wurde während des Spiels kaum gesungen. Mir kommt ja schon seit spätestens Karlruhe keine Silbe mehr über die Lippen, aber da hätte ich doch etwas mehr erwartet! Ganz groß rumpöbeln, aber selbst kein Fatz Support. Das von USP...PASSANTEN....SKINS...CARPEDIEM angestimmte Wir steigen ab, und was macht ihr" und Wir sind braun weiß" wurde dann aber dankbar mitgegrölt.
Kurz vor Schluss wurden dann in unserem Block ein oder zwei Pyros abgebrannt.
Aachen gewann 4:1, wobei zwei Elfmeter dabei waren. Fabian Gerber schoss ein wirklich zauberhaftes Tor (ich glaub, ich muss ihn umbenennen...), N´Daye schoss schön daneben, eingewechselt wurde als erster ... Richtig! Adamu und nach dem Spiel kamen dann doch einige Spieler noch in die Kurve und verabschiedeten sich. Die Stimmung war zu diesem Zeitpunkt äußerst merkwürdig. Ein paar klatschten, ein paar pöbelten, die meisten waren einfach nur still. Schluss. Ende. Aus. Das wars.
Wie schon während des gesamten Spiel hatte ich auch hier wieder einen Flashback und sah Didi Demut aus der Kabine laufen und eine Pirouette am Mittelkreis drehen, sah Nico Patschinski am Zaun hängen und ins Megafon Gebt mir ein F" grölen, sah tanzende Fans und André Trulsen mit einer Totenkopfflagge... Und zum ersten Mal in dieser Saison traten mir Tränen in die Augen. Verdammte Scheiße! Das ist erst zwei Jahre her!!! (und zwar ziemlich genau..., Bericht auch hier unter Saison 2000/2001)
Der Stadionsprecher hatte (exakt ein mal!) durchgesagt, dass die Busse nach dem Spiel um fünf nach fünf bereitstünden und der Sonderzug bereits um halb sechs, statt halb sieben fahren sollte. Nun gut. Trotzdem konnte ich nicht gleich nach Abpfiff gehen, sondern blieb noch eine Weile im Block und sah den tanzenden Mädels im Mittelkreis zu. Zwei (oder drei) St. Pauli Fans kletterten dann noch über den Zaun und sprangen auf Spielfeld, wo sie dann aber gleich eingefangen wurden. Andy und ich nickten uns zu: Stadionverbot bis 2006, doch die Jungs wurden einfach zurück in den Block gebracht und gut wars. Nette Geste.
Nicht eine Minute zu spät waren wir dann auch im Bus, der sich dann auch in Bewegung setzte, uns durch die reizvolle Aachener Umgebung kutschierte (die Blicke der Passanten waren echt großartig) und im Tunnel von Aachen West wieder ausspuckten.
Auf dem Bahnsteig gab es dann keinen anderen Gesprächsstoff als die Entscheidung der Meisterschaft in Schottland, die die Rangers mit einem Tor Vorsprung für sich entscheiden konnten (Rangers 6:1, Celtic 4:0). Ähnlich knappe Kiste wie der Aufstieg von Frankfurt mit einem Tor Vorsprung vor Mainz (6:3, 4:1), aber sehr viel ärgerlicher. Suuuuuuper Saison eigentlich: St. Pauli steigt wer weiß wohin ab, Celtic verliert das UEFA Cup Finale und die Meisterschaft in den letzten Minuten und der hsv spielt im UEFA Cup!
Dementsprechend gedrückt dann die Stimmung im Abteil. Erst mal was essen (im Stadion gabs natürlich nur Wurst im Brötchen) und ein wenig abhängen und sich selbst und überhaupt bemitleiden (unter anderem kamen wir dann auch zu oben genannter Erkenntnis, dass es gut ist, dass die Saison endlich vorbei ist). Dann mal den Partywagen aufgesucht, aber da war es nur heiß und stickig und aus irgendwelchen Gründen fuhr der Zug dann doch erst um 18:45 los, 15 Minuten später als ursprünglich geplant. Das wir daran Schuld waren, dass ein gewisser Biber deshalb nicht in den Genuss des Metropolitan kam, konnte ja keiner ahnen ;-)
Nachdem sich dann Frank Hollywood zu uns ins Abteil gesellt hat, weil in seinem ein Jungbiber seine 2,20 m beim Schlafen auf 2,80 m ausdehnte, wurde die Fahrt doch recht kurzweilig.
Frida und Christian kamen auch irgendwann dazu und wir vertrieben uns die Zeit mit Stadionquartett. Hat Spaß gemacht. Anschließend war die Stimmung sehr gut und ich weiß nicht wie wir darauf kamen, aber Heinz-Ugur ist echt ein Spitzenname für ein Kind!