"Supporting Celtic is not a choice, but a duty!"

 Die Reise nach Turin noch in guter Erinnerung, machten sich mein Vater und ich auf, um nach Trondheim zum Spiel Rosenborg gegen Celtic zu fahren. Diesmal aber nicht mit dem Auto, sondern mit dem Flieger (ein Glück sind Vielfliegermeilen übertragbar). Eine Kommilitonin hatte die Karten besorgt (Danke!). Einer schönen Reise stand also nichts mehr im Wege. Für die Nacht vor dem Spiel hatten wir sogar noch ein Hotelzimmer ergattern können. Für die Nacht danach hatten wir geplant mit den Celts zu feiern und die Zeit bis zum Rückflug irgendwie zu überbrücken.

Am Flughafen angekommen mussten wir erst einmal ein paar Stunden warten. Von wegen strenge Sicherheitskontrollen und lange Schlangen. Der Flughafen war leer, die Sicherheitskontrollen schienen lächerlich. Nun gut. Somit hatten wir noch schön Zeit, in allen Zeitungen nachzulesen, dass St. Pauli 4:0 gewonnen hatte. Es war kein Traum gewesen. Am Osloer Flughafen konnten wir uns zum erstenmal davon überzeugen, dass die Preise in Norwegen wirklich horrend sind. Eine Pizza bei Pizza Hut konnte man schon für umgerechnet 60 DM haben. Was für ein Angebot! Für 0,2 l Gerstensaft musste man schon 10 DM bezahlen. Ein Glück, dass wir uns Proviant eingepackt hatten.

Der Trondheimer Flughafen ist ungefähr 45 Minuten von der Stadt entfernt. Also, rein in den Shuttle ("Flybussen") und los. Unterwegs konnten wir die Nordlichter bestaunen. Es war ein unglaublich schöner Anblick mit dem wir nicht gerechnet hatten. Und es machte uns noch einmal deutlich wie weit wir in den Norden gereist waren. Trondheim, mit 150,000 Einwohnern die drittgrößte Stadt in Norwegen, liegt nur wenige hundert Kilometer südlich vom Polarkreis.

Unser Hotel war voll von Celtic Fans. Als wir ankamen, tanzten sie schon auf den Stühlen und sangen ihr Lieblingslied "Hey Baby" von DJ Ötzi. Wir machten uns erst mal auf die Innenstadt zu erkunden. Das war schnell getan. Es gab einen Irish Pub, einen Scottish Pub und die Rosenborg Fan-Kneipe "Arena 1." In diesen Lokalitäten hatten sich die Hoops dann auch gesammelt. Man traf die ersten St. Pauli – Fans. Insgesamt waren wohl 10-15 Braun-Weiße in Trondheim.

Am nächsten morgen genossen wir erst mal unser Frühstück und schmierten uns reichlich Brote für den Rest des Tages, denn etwas zu Essen zu kaufen, wäre uns einfach zu teuer gewesen. Beim Frühstück wurden wir von zwei Reportern angesprochen, die einen Artikel über Celtic-Fans für die lokale Presse schreiben wollten. Wir aber lehnten ein Interview ab mit der Begündung, dass wir aus HH kommen und es wohl mehr Sinn hätte, Fans aus Glasgow zu interviewen. Somit zogen sie weiter zum Nebentisch, wo drei Hoops eine ganze Stunde lang über Celtic erzählten. Das war höchst interessant. Dort fand auch der Titel dieses Berichts seinen Ursprung.

Nach dem Frühstück wärmten wir uns noch mal kurz in unserem Zimmer auf bevor wir es räumen mussten. Die Stadt füllte sich langsam aber sicher mit Celts. Leider war es empfindlich kalt, so dass die meisten sich in die oben erwähnten Kneipen oder in Ihre Hotelzimmer verzogen. Somit wurde der Tag damit verbracht, sich von einer Aufwärmmöglichkeit zur nächsten zu retten. Und was es da alles für Möglichkeiten gibt: Einkaufszentren, Kneipen, Hotel-Lobbys, Kirchen, Sportgeschäfte, Internet-Cafes, usw. Als St. Pauli-Fan wird man immer wieder angesprochen. Viele bedanken sich für den Support. Einige gratulierten auch zum Sieg über Cottbus. Diesmal hatte ich auch alte St. Pauli-Sachen mit, die ich schon schnell alle weggetauscht hatte.

In Turin zogen wir alle geschlossen zu den Bussen, die uns zum Stadion brachten. Hier war das nicht der Fall. Irgendwann beschlossen wir zum Stadion zu laufen. Auf unserem 25 Minuten Marsch machten wir noch kurz Bekanntschaft mit der örtlichen Uni (der Besten TU in Norwegen) bevor wir dann am Stadion eintrafen. Dort stellten wir dann fest, daß wir Karten für den Block am falschen Ende des Stadions hatten. Die Ausrede "Aber die Polizei hat gesagt, ich soll hier rein gehen" klappte auch in Norwegen.

Das Stadion befindet sich zur Zeit im Umbau. Es war mal eins dieser hässlichen Leichtathletik-Arenen. Drei Tribünen sind aber schon fertig. Nur unsere hatte noch eine Laufbahn zwischen Zaun und Platz. Am Tag nach dem Spiel sollte aber auch diese dem Erdboden gleich gemacht werden. Der Block füllte sich schon früh vor dem Spiel. Es wurde ein bisschen gesungen. Aber nicht viel. Die Trondheimer trafen alle erst kurz vor Anpfiff ein. Kein Wunder, denn es war verdammt kalt. Bei Anpfiff waren wir schon alle total durchgefroren. Dass die Herren in den kurzen Hosen, und davon gab es einige, am nächsten Tag eine schwere Lungenentzündung hatten ist schwer anzunehmen. Irgendjemand hatte auch ein Thermometer dabei (ich hatte meins zu Hause vergessen). Das zeigte –6°C an. Die Brise vom Fjord her trieb die gefühlte Temperatur noch ein bisschen weiter runter.

Das Spiel war im Prinzip öde. Celtic war zwar feldüberlegen, aber brachte im gegnerischen Strafraum rein gar nichts zusammen. Rosenborg hatte drei Chancen und machte zwei Tore. Trotzdem kämpften die Jungs aus Glasgow. Nur leider schien das den Meisten im Celtic-Block völlig egal zu sein. Viele pöbelten gegen die eigene Mannschaft. Besonders in der zweiten Hälfte herrschte absolute Stille. Ein Polizist fragte uns ob das die richtigen Celtic Fans waren. Er hätte soviel Gutes gehört. Wir stellten uns die gleiche Frage. Das letzte Mal, dass ich so einen schlechten Support erlebt habe ist schon ein paar Jahre her. Wir spielten in Unterhaching an einem Freitagabend. Damals waren vielleicht 150 St. Pauli Fans da. In Trondheim waren aber 1500. Selbst die kühlen Norweger brachten Anfeuerungen zustande, obwohl sie beileibe nicht dafür bekannt sind. Besonders interessant war wie Ost-, West-, und Haupttribüne hintereinander RO-SEN-BORG (jede Tribüne eine Silbe) schrieen. Fand ich gut.

Nach dem Spiel war die Enttäuschung groß. Wir ärgerten uns sehr. Vielleicht war Turin die positive Ausnahme gewesen? Ich hoffe aber sehr, dass Trondheim die negative war. Auf jeden Fall hatten wir keine Lust in eine der Kneipen noch groß zu feiern. Irgendwie waren wir beide ziemlich wütend. Somit schlugen wir uns von Hotel-Lobby zu Hotel-Lobby durch bis es dann endlich 5 Uhr war und der Shuttle zum Flughafen abfuhr.

Und da war da noch…

…der junge Celtic-Fan der uns mit leuchtenden Augen von seinem Besuch am Millerntor erzählte. Damals hatte St. Pauli 4:4 gegen Schalke gespielt. Ahh, daran erinnere ich mich auch noch gerne.

…der etwas ältere Norweger, der fragte wo wir denn herkommen. Als wir "Hamburg" sagten murmelte er was vom hsv. Dann sagten wir, dass wir aber St. Pauli-Fans seien. Seine Augen leuchteten auf, er sagte "Reeperbahn" und ging von dannen.

…der Kölner, der mir erzählte, dass er in der letzten Woche drei 1,5 l Flaschen selbst importierten Vodka getrunken hätte. Achso.

…mein Kommilitone, ein Austausch-Student aus Kanada, der das enttäuschende Ergebnis von Celtic mit den Worten "Is doch egal. Hauptsache St. Pauli hat gewonnen" kommentierte. Recht so.

David