Kein Schlaf, keine Stimmung, St. Pauli!!!
oder: Angsthasenfußball in Stuttgart
Am Samstagmorgen klingelte der Wecker um 4.15 Uhr. Kurze Verwirrung: Wo war ich? Es ist Samstag. Es ist noch dunkel. Warum zur Hölle klingelt der Wecker? Kurz geschüttelt, aufgesetzt, Gedanken gesammelt: ach ja, damit ich nicht um 3 Uhr aufstehen muss, habe ich in Poppenbüttel übernachtet. In einer Dreiviertelstunde sollten wir den Netzmeister einfangen, um dann in Schnelsen auch Marco an Bord zu nehmen. Wir, das waren der Pauligucker Christian und ich. Das Gefährt war mein kleiner h§v-blauer Corsa.
Nachdem wir Marco um zwanzig nach 5 aus der Dusche geklingelt hatten, konnte die Reise dann auch pünktlich um halb 6 beginnen. Zielort: Stuttgart, Schwaben. Bis dahin: etliche hundert Kilometer auf der A7 und A81.
Hannover erreichten wir nach sensationellen 1 ½ Stunden, wo wir dann auch Fanladen-Adventure-Tours antrafen. Kurzes Gespräch mit Lars und anderen. Der Busfahrer sah etwas nörgelig aus und uns schien, dass der Reiseleiter viel zu tun haben würde...
Wir indess frühstückten traditionell Kartoffelsalat, Würstchen, Frikadellen, Eier und Brötchen und nach dieser ausgiebigen Pause fühlte sich Norbert gerüstet, das kleine Gefährt höchst persönlich zu lenken. Wie schnell ein 45 PS starker Corsa fahren kann, erfuhren wir wenig später, als die Tachonadel sensationelle 180 (in Worten: hundertachtzig) km/h anzeigte!!! In den Kasseler Bergen merkten wir dann allerdings, dass dies auf gerader Strecke zwar eine ordentliche Leistung ist, 45 PS aber zu wenig sind, um einigermaßen stilvoll Berge zu erklimmen! Trotz Drohung blieb es Marco dann doch erspart, uns die Berge hoch zu schieben. Viel schneller als die LKW´s waren wir aber auch nicht...
Irgendwo bei Würzburg trafen wir auf einer Rasstätte einen Anhänger des Greuther-Fürth, der uns mit den Worten Fans eines anderen sympathischen Fußballclubs" begrüßte. So soll es sein! Wir unterhielten uns eine ganze Weile mit dem Fürther, der auf dem Weg nach Karlsruhe war, ließen ihn von unseren Frikadellen kosten und machten Werbung für unsere Homepages.
Nach knapp 8 Stunden Fahrt, Durchquerung dreier Bundesländer und ausgiebigen Pinkel- und Picnicpausen erreichten wir die Schwabenmetropole. Dort fanden wir recht zielstrebig nach einer Fahrt quer durch die Stadt das Stadion und das kostenlose Parkhaus, in welchem wir das brave Vehikel unterstellten.
Den Anhängern des VfB folgend näherten wir uns der Gästekurve und genehmigten uns beim nebenan spielenden PSV eine Wurst und ein Bier. Das Warten auf die Brigade dauerte nicht lange und wenig später erschien auch Franca. Christian versuchte krampfhaft, seine überzählige Sitzplatzkarte zu verkaufen, gab jedoch enttäuscht auf, als er sah, dass es an den Kartenhäuschen noch reichlich Tickets für den Stehplatzblock gab... Sehr merkwürdig, hatte er in Hamburg doch dafür keine Karte mehr erhalten... Norbert versuchte es dann noch mal, doch auch er musste glücklos aufgeben.
Am Eingang zur Gästekurve gab es zunächst keine Kontrollen, doch der erste Kontrollabriss der Karte wurde abgerissen. Beim Aufgang zum Block wurde allerdings streng kontrolliert. Was ich zwischen meinen Brüsten zu verbergen habe, interessierte hier allerdings niemanden, dafür waren meine Stiefelschächte aber verdächtig... Und auch das benutzte Tempotaschentuch musste ich aus der Hose zerren... Soweit, so gut. Wie schön, dass wir immer zeitig den Block entern...
Drinnen traf ich dann auch David, der mir einen ausführlichen Bericht zum CL-Spiel Trondheim vs. Celtic gab und mir schon mal die Fotos überreichte. Den Bericht würde er nächste Woche in schriftlicher Form nachreichen. Kranke Franken, Intergalactics, 42er, Westbrigade and Friends suchten sich ein gemütliches Plätzchen in der Mitte des Stehplatzblocks. Carpe Diem hatte Karten für den unterhalb liegenden Sitzplatzblock genommen, was sich im Laufe des Spiels noch als aus unserer Sicht sehr ungünstig erweisen sollte....
Das Gottlieb-Daimler-Stadion ist an und für sich ein nettes Rund mit einem schönen Dach. Leider hat es fast ausschließlich rote Sitzplatzschalen und durch die Laufbahn (Ich hasse Leichtathletik!") verliert es allerdings enorm. Die supportenden Heimfans stehen / sitzen in einem ähnlichen Block, wie die Gästefans genau gegenüber, aber so weit entfernt, dass man die Augen zusammenkneifen muss, um die Spruchbänder entziffern zu können. Spielernamen und zahlen auf den Trikots sind spätestens ab der Mittellinie nicht mehr zu erkennen (Nächstes Mal nehme ich doch besser meine Brille mit...") und der Ball hat dann etwa die Größe eines Pucks...
Schon eine gute Viertelstunde vorm Anpfiff wurden auf beiden Seiten eifrig Fahnen geschwungen und Doppelhalter präsentiert. Beim Einlaufen der Spieler konnten wir uns über eine Choreo der Stuttgarter freuen, die ein Spruchband mit irgendwas über eine positive Diagnose hochhielten. Die dazu geplante Zettelchoreographie im Stehplatzoberrang funktioniert allerdings nicht so (Kleine Übung: Wie halte ich einen Zettel beim Einlaufen der Spieler so hoch, dass die Choreo auch gut aussieht???). Zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde ein Spruchband mit der Aufschrift Unsere Mütter stehen am Herd, Eure an der Laterne" entrollt. Müdes Lächeln.
Insgesamt war das Stadion etwa zu 2/3 ausverkauft.
Zum Spiel äußere ich mich jetzt mal überhaupt nicht. Nicht, dass ich je viel über die jeweiligen Spiele geschrieben hätte, doch es gibt nichts Positives zu berichten. Der Heimsieg hat nicht im Entferntesten dazu beigetragen, das Selbstbewusstsein zu steigern. Wir sahen wieder Angsthasenfußball par Excellance!!! Die Spiele in Freiburg und zu Hause gegen Cottbus haben doch aber gezeigt, dass diese Mannschaft durchaus vernünftig spielen kann. Nun will ich Cottbus nicht mit Stuttgart vergleichen, aber ne.... Jungs, das war gar nichts! Staunend in der Gegend rumstehen, wenn Tiffert sich den Ball zurecht zaubert, nicht zum Mann gehen / am Mann stehen, sodass ungehindert geflankt werden kann.... Ach, lest doch einfach die einschlägigen Berichte der Tagespresse oder www.fc42.de, www.carpediem-stpauli.de, www.diefeuchtenbiber.de oder www.westbrigade.de oder schaut ins Forum unter www.stpauli-forum.de .
Nach dem Spiel bedankten sich einige enttäuschte Spieler noch bei den Fans und wir verließen bald darauf das Stadion und kehrten zum Auto zurück.
Stuttgart ließen wir ziemlich schnell hinter uns und an der nächsten größeren Raststätte kehrten wir ein, um eine warme Mahlzeit zu uns zu nehmen. Beim nächsten Halt hatten wir den Fanladenbus wieder eingeholt und erfuhren hier von Lars, dass der Busfahrer original der gleiche war, wie der nach Turin!!! Kein Wunder, dass das Verhältnis der Fans zum Fahrer etwas gespannt war...
Zügig fuhren wir weiter Richtung Heimat und erreichten die Lichter der Stadt nach Diskussionen über das Spiel, den möglichen (und dauerhaften) Umzug in die AOLA, Punkrock im allgemeinen und Wizo im Besonderen gegen halb 2 nachts, was eine Fahrtzeit von 7 ½ Stunden abzüglich 1 ¼ Stunden Pause bedeutet! Was hatten wir Glück! Nicht ein Stau auf der gesamten Fahrt.
Müde waren wir allesamt und so wanderten wir denn auch alle ziemlich bald ins Bett.
Fazit: So weit ist Stuttgart gar nicht und ein Corsa fährt 180 Spitze!
Und dann war(en) da noch....
Die inoffizielle Gründung eines Fanclubs Intergalaktische Brigade 42 Ultra Fraktion"
der Typ, der vollkommen situationsunabhängig andauernd Fußballmafia DFB" gröhlte
das Spruchband Wir stehen hinter Euch" auf der Sitzplatzhaupttribüne
die leidigen Kontrollen, jedes Mal, wenn man wieder in den Block wollte (Wenn Du jedes Mal ein Stück von meiner Karte abreißt, wenn ich auf Klo war, dann habe ich nach dem vierten Mal keine mehr!")
die Scheiß Südzecken, die sich die Ohren zuhielten oder uns ungläubig anstarrten, wenn wir uns erdreisteten, einen Fangesang anzustimmen