Fussball hat absolut nichts mit Politik zu tun... oder doch?
Es war Sonntag zu früher Stunde als ich mich zum Hauptbahnhof aufmachte, um ein sehr wichtiges Auswärtsspiel der Jungs vom Kiez zu sehen. Am Hauptbahnhof angekommen die soziale Bezugsgruppe eingesammelt und noch mal kurz bei Mc Do die Akkus mit Burgern, Cola und Linsensuppe" ;-) aufgefüllt. Schnell geklärt wer auf welchem Wochenendticket und ob eine sehr lernwillige Unterhose mitfährt und es ging endlich los.
In Lübeck angekommen haben wir uns dann schon mal auf dem Bahnhof warmgesungen. Das hörte sich für den Anfang sehr gut an und so enterten wir guter Dinge den Bummelzug, der uns bis nach Rostock bringen sollte. Ab einer Station namens Blankenburg fing dann der Spaßfaktor dieser Zugreise so langsam an... Warum sollte man auch einen Sonderentlastungszug bereitstellen? Naja, die Regionalbahn füllte sich so nach und nach mit sehr verwunderten Rostockern und die Stimmung stieg... Bei uns im Waggon hatten wir sehr stolze Deutschländer, die nach einer Weile anfingen Gesangsbeiträge wie das U-Bahnlied zum Besten zu geben. Das war natürlich ein ganz großer Sport. Zum Glück ist niemand in unserem Waggon darauf angesprungen, denn sonst hätten die Kameraden aus Bützow (so hieß das niedliche Örtchen, bei dem der Haupteil dieser Kinderglatzen eingestiegen ist) sicherlich ihre dritte Halbzeit schon vor Spielbeginn bekommen... Nun, die Jungs waren heiß drauf und versuchten ständig zu provozieren. Tja, sorry Jungs aber daraus ist leider nichts geworden... An dieser Stelle mal ein ganz großes OFF nach Bützow, denn mit den Nachwuchsglatzen gab es auf der Rückfahrt leider auch noch Ärger.
In Rostock haben wir dann erstmal den Bahnhof in Beschlag genommen und uns ein zweites Mal eingesungen. Hier gab es dann auch schon die ersten Rangeleien zwischen ein paar Glatzen und doch stark aufgeheizten St. Paulianern. Nun als dann eine Bierdose in unsere Richtung flog, wurde diese Lächerlichkeit gleich mit einem Hagel aus Selterflaschen, Dosen und sonstigen Trinkbehältnissen beantwortet. Was sollte das? Da standen maximal 10 Rostocker, die uns halt mal versuchten ein wenig zu provozieren. Ich frage mich ernsthaft, warum hier gleich das Feuer erwidert wurde und so einige St. Paulianer versuchen mußten zu den Kinderfasching-Deutschländern durchzubrechen. Würde das irgendetwas ändern?
Nach dieser kurzen Aufregung ging es dann zum Shuttle-Service", der uns direkt ins Stadion bringen sollte. Leider war unser Busfahrer so ortskundig, dass er erstmal schön in eine Sackgasse reingefahren ist. Das ganze war besonders lustig, weil so einige Passagiere doch so langsam mal eine Toilette aufsuchen wollten. Denn die Klos in der Regionalbahn waren ja leider wegen Überfüllung geschlossen... Vielen Dank nochmal liebe Nahverkehrsgesellschaft MV! Nach einer sehr interessanten Rückwärtsfahrt konnte es dann auch endlich zum Stadion losgehen.
Der Gästebereich im Ostseestadion ist eigentlich recht schlau gemacht. Ein Labyrinth aus Gittern verhindert eine Konfrontation der einzelnen Fangruppierungen. Lediglich kurz vor der Einfahrt wurde unser Bus von Heimfans" bespuckt und bepöbelt. Im Käfig angekommen noch die soziale Bezugsgruppe zusammengesammelt und dann ging es ganz schnell ins Stadion. Schnell? Äh, kleiner Versprecher. Wir wurden vorher ja noch gefilzt. Das ganze ging diesmal so weit, dass einige sogar ihre Geldbörsen und Zigarettenschachteln öffnen durften. Ich hatte noch Glück, ich mußte nur meine Streichholzschachtel vor dem Ordner öffnen... Sehr nett auch die Anweisung eines Ordners, die ich zufällig gehört habe: Passt gut auf! Es kommen Punks mit rein!
Im Stadion haben wir uns dann erstmal mit Würstchen und Getränken versorgt und unsere nummerierten
;-) Stehplätze eingenommen. Ein nettes Stadion wie ich finde. Die eigene Akkustik ist wirklich sehr nett, leider bekommt man von den Heimfans nicht so wirklich viel mit. Diese waren allerdings auch nicht gerade sehr aktiv... ganz im Gegensatz zu unserem Block. Dieses Gesangsduell ging eindeutig an uns. Viele Gästefans verschwendeten ihre Energien halt lieber darauf Scheiß St. Pauli" zu gröhlen, als ihre Mannschaft zu supporten.
Ich habe im Block auch eine sehr nette Bekanntschaft gemacht. Neben mir stand ein Mensch, der während des ganzen Spiels seinen Hass gegenüber Ossis kundtun mußte. Da kamen so nette Sprüche wie: Esst bloß nicht die Ossiwürstchen, davon bekommt ihr Krebs" Leider hörte dieser Mensch auch nachdem ich ihn zur Rede gestellt hatte nicht mit diesem Blödsinn auf. Als er dann auch noch bei der Rostockhymne FC Hansa, ich ficke dich anal" gröhlte, mußte ich mich ganz schnell woanders hinstellen.
Zum Spiel möchte ich jetzt mal lieber nicht so viel schreiben, da es sich einfach nicht lohnt. Die Abwehr war mal wieder ein Hühnerhaufen und leider hat diesmal das Mittelfeld und der Sturm dieses Manko nicht wie zuletzt gegen Wolfsburg ausgebügelt. Insgsamt habe ich höchstens 2 Torchancen für uns gesehen. Die Rostocker waren allerdings genauso blind und deshalb wäre ein 0:0 sicherlich gerechtfertigt gewesen. Leider mußten wir uns ja kurz vor Schluß noch einen Elfer leisten, so dass wohl die letzte Möglichkeit auf den Klassenerhalt am Sonntag verspielt worden ist.
Kurz vor diesem Elfer ging übrigens der von vielen erwartete Stress los. Links neben unserem Block, nur durch eine Pexiglasscheibe und eine Mischung aus Ordnern/Polizisten getrennt, standen so ca. 300 Skins und Kindergartenglatzen. Die wurden während des Spiels immer unruhiger und sind dann kurz vor dem Elfer durchgedreht. Sie versuchten durch die Kette der Ordnungskräfte durchzubrechen, schön begleitet von netten Provokationen unserer Skinheads, die sich einen Block höher direkt an der Scheibe formiert hatten. Nun gab es das volle Programm und das gesamte Stadion gröhlte Scheiß St. Pauli". So langsam wurde es ein wenig ungemütlich... Nun, nach Spielende schwappten dann die Emotionen über und die erlebnisorientierten Gewalttouristen (Das waren meiner Meinung nach keine Hansafans!) versuchten am Stadionausgang in den Gästekäfig zu gelangen. Vor unserem Ausgang bildete sich ein gröhlender Mob, aus dem fröhlich mit allerlei Gegenständen die St. Paulifans beworfen wurden. Eine ganz lustige Angelegenheit! Nun irgendwann haben die Grün-weißen dann diesen Mob dort weggetrieben und es wurde anscheindend einigen St. Paulianern zu langweilig. Es kam nämlich zu kleineren Handgreiflichkeiten mit den Polizisten. Warum auch immer...
Die Busse fuhren nach einer halben Stunde auch endlich los und wir wurden dann im Konvoi, unter Begleitung eines Hubschraubers!, zum Bahnhof kutschiert. Dort angekommen mußten noch einige Pöbeleien ausgetauscht werden, aber ansonsten blieb alles ruhig. Kein Wunder bei diesem massiven Polizeiaufgebot. Als die Bummelbahn dann endlich in Rostock ankam, wurde doch sogar mal eine Fantrennung durchgeführt.
Als wir dann endlich, schon mittlerweile mit einer Verspätung von 15 Minuten, losgefahren waren, endete die Fahrt leider kurz hinter Rostock auf einem Bahnübergang. Irgendsoein Idiot hatte doch tatsächlich die Notbremse gezogen! Dazu fällt mir irgendwie echt nichts mehr ein. Naja, das ganze hatte dann zur Folge, dass wir weitere 15 Minuten in den Sand setzten.
In Bützow hatten wir leider auch noch einen relativ langen Aufenthalt, weil ein paar Nachwuchsglatzen unbedingt versuchen mußten, den Zug anzugreifen. Unseren Anschlußzug hatten wir natürlich schon längst verpasst, als wir in Lübeck wieder ankamen. Zum Glück wurde uns dort ein Extrazug nach HH bereitgestellt. Vielen Dank DB, das war wirklich sehr nett. Einige hatten sich schon Gedanken darüber gemacht wie sie aus Lübeck wegkommen sollten.
Tja, als Fazit bleibt mir nur eins zu sagen: Liebe Gewalttouristen (leider anscheinend auch auf unserer Seite zu finden), bitte bleibt das nächste Mal zu Hause und lasst uns Fussballfans endlich mit Eurer scheiß Gewalt in Ruhe. Die hat beim Fussball nichts zu suchen!