Haben wir was vergessen?

Oder: 12 gegen 11 ist unfair

In der Freitagnacht machte ich mich mit drei Taschen Verpflegung, Kissen und Transpi auf den Weg nach HH. Flo war schon vorgefahren, weil er mit Maike noch übern Kiez ziehen wollte, also schleppte ich die 15 Liter Bier allein zum Clubheim...

Dort kam ich um kurz nach 23 Uhr an und wunderte mich ob der vielen Leute, die auch schon da waren... Der Rest meiner sozialen Bezugsgruppe trudelte zwischen halb und viertel vor 12 ein und die Busse erschienen wenig später. Wir hatten das Glück, im Komfortbus zu reisen. Der hat ein paar Plätze weniger, als die Thiesbusse und so ist die Beinfreiheit etwas größer. Kurz nach 12 konnte es dann losgehen.

Die Straßen waren frei und der Bus kam gut durch. Wir schauten „Bube, Dame, König, Gras" auf Video und versuchten, es uns bequem zu machen. Aus Rücksicht auf die Langen machte ich es mir weiter vorn im Bus bequem und lies mich durch nette Unterhaltungen mit Übersteigern und Reiseleitern vom Schlafen abhalten.

Erst nach 4 Stunden machten wir die erste Pause. Gegen 7 dann die zweite. Endlich Zeit für Maikes exzellenten Nudelsalat! Gegen 9 waren wir dann schon kurz vor Freiburg und warteten auf einer Raststätte auf den anderen Bus, da wir gemeinsam in Freiburg ankommen wollten. Um 10 erreichten wir dann auch schon den Bahnhof.

Flugs das obligatorische Beweisfoto gemacht und dann auf in die Innenstadt, einen Biergarten gesucht. Wir ließen uns vor dem Münster inmitten des Wochenmarktes nieder und genossen ein frisches Ganter-Pils. Das Frühstück war mir da eindeutig zu teuer, aber wir Außeririschen sind ja nicht doof und so holten wir uns lieber eine Wurst auf dem Markt. Norbert versuchte sich als Verkäufer des Übersteigers, während es Nils gelang, einen Übersteiger gegen einen Blumentopf einzutauschen. Geniale Aktion, aber wohin mit der Pflanze?

Das nächste Bier wollten wir dann am Stadion genießen und so suchten wir die Straßenbahn und fuhren zum Stadion. In der Bahn haben wir ein paar Freiburger getroffen, die meinten, dass wir unbedingt ein Bier in ihrem „Vereinshäusle" trinken müssten. Gut, haben wir gemacht. Also, einmal rum ums Stadion, einen Platz für Nils´ Blume gefunden, gebuddelt, halb tot gelacht, ein Bier spendiert gekriegt, in der Sonne gelümmelt, das Transpi werbewirksam aufgehängt, einen Sonnenstich bekommen, die Brigade getroffen, dummes Zeug mit Freiburgern gesabbelt, über die Internetpräsens unseres FC gelästert und um kurz vor 2 auf den Weg zur Gästekurve gemacht.

Dort gab es dann eine Steigerung zu den Kontrollen in Leverkusen, oder wurdet ihr schon mal zwischen den Brüsten durchsucht??? Batterien durften allerdings mit rein...

Drinnen den Stehplatzblock gesucht und festgestellt, dass wir uns schon darin befanden... Sehr klein. Aber kuschelig und das hat ja auch was. Das Transpi musste auf dem Rasen liegen, weil bei 8 Quadratmetern Zaunfläche nun echt nicht 27 Plakate Platz haben... Mit einem Mal war David da und freute sich, uns zu sehen. Wir freuten uns auch, denn er hat ja versprochen, uns einen auszugeben. Schade, dass ich da schon so viel hatte, dass er mein Bier mit trinken durfte... Aber Danke noch mal! Man sieht sich in Stuttgart!

St. Pauli begann recht offensiv und ich fühlte mich in meiner Prognose bestätigt, dass wir das Spiel mit 2:0 für uns entscheiden würden, als Macao ein wunderschönes Kopfballtor gelang. Leider pfiff der Schiedsrichter dann einen Elfmeter aus Gründen, die mir wohl auf ewig verschlossen bleiben werden, den der Freiburger eiskalt mit einem Schuss in die Mitte verwandelte. Hätte ich noch ein Kaltgetränk in der Hand gehabt, ich wäre einem Stadionverbot sehr nahe gekommen...

Nach der Pause waren unsere braunweißen Jungs etwas von der Rolle, fingen sich aber nach dem Führungstreffer von Freiburg erstaunlich gut und kämpften, liefen und spielten, was das Zeug hielt. Der Unparteiische war seiner Aufgabe nicht gewachsen und verteilte munter gelbe Karten an St. Pauli und Freistöße an Freiburg, doch unsere Jungs gaben nicht auf und Konetzke gelang kurz vor Schluss nach Gestocher im Strafraum (und wunderschöner Vorlage von Trulsen) das 2:2. Was haben wir gefeiert! Nach dem Spiel lagen die erschöpften Recken erst mal auf dem Rasen, besannen sich dann ihrer Fans und kamen artig in die Kurve und ließen sich feiern. Soviel gute Laune musste wohl ansteckend sein, denn erst zog Meggi sich das Trikot über den Kopf und warf es in die Menge und dann taten es ihm noch weitere Spieler nach. Um das Torwarttrikot von Bulat hat es Dramen gegeben....

Von der Atmosphäre her ein tolles Spiel, bei dem mehr drin gewesen ist...

Die Stimmung auf Freiburger Seite war für Bundesligaverhältnisse in Ordnung und kann mit dem Bökelberg mithalten. Trommeln sollten allerdings verboten werden, aber wenn´s gefällt... Sogar die Sitzplätzler konnten nicht an sich halten und klatschten etwa zwei mal in die Hände...

Nach dem Spiel sollten die Busse um 18 Uhr vorm Stadion losfahren, Zeit genug, der heimischen Mundart in einem Gespräch folgen zu wollen (Verstehst mich nicht, oder? – Kopfschütteln) .

Letztendlich hatte dann auch jeder seinen Sitzplatz im Bus gefunden (auf der Rückfahrt war´s enger, denn die Veteranen fuhren mit zurück, sodass keine freien Plätze für längere Menschen mehr zur Verfügung standen). Die Videoauswahl fiel auf „Der Trip" mit Dieter Thomas Kuhn, „Joe´s Appartment" und irgendeinen Film mit Udo Lindenberg... Dabei bin ich dann allerdings eingeschlafen.

Als wir nach 2 Stunden die erste Pause beendet hatten, fragte der Busfahrer: „Alle an Bord, nichts vergessen?" worauf der Reiseleiter meinte: „Doch. Zwei Punkte in Freiburg!"

Dem ist nichts hinzuzufügen und deshalb endet dieser Bericht ohne Fazit. Oder doch nicht?

Fazit: Bus fahren ist gar nicht soooo schlimm, Fans unterschiedlicher Vereine können sich auch ganz entspannt unterhalten und irgendwann gibt es auswärts auch mal einen Dreier!

Christine im Oktober 2001