Eine Seefahrt, die ist lustig....

oder

Kein Auswärtssieg in Liga 1

Tja, auf dem Programm stand das letzte Auswärtsspiel der Saison. In Bremen. Quasi um die Ecke. Das Spiel begann um halb 4. Wann fährt man da so los? Richtig! Um kurz vor 6 ab Lauenburg! (manch einer fuhr auch schon um viertel nach vier mit dem Taxi los...) Es sollte nämlich nicht eine 08/15 Wochenendticketfahrt werden, sondern etwas Ungewöhnliches, dem Anlass Angemessenes.

Die Idee, die letzte Auswärtsfahrt der Saison (und war uns nicht allen irgendwie klar, dass es auch erst mal die letzte Erstligaauswärtsfahrt sein würde?) zu etwas Besonderem zu machen, reifte schon in der Hinrunde. Das Motto kursierte in einigen Kreisen spätestens seit der Nürnbergfahrt, die Maike nicht im Abendkleid machen wollte (weil sie bis morgens auf ner Feier war), wir ihr aber anboten, ebenfalls in Abendgarderobe zu fahren, wenn sie denn mitkäme... Letztendlich kam sie nicht mit und wir durften uns winterfest kleiden und überlegten scherzhaft, die Bremenfahrt in festlicher Kleidung zu absolvieren.

Auf der anderen Seite liegt Bremen ebenso am Wasser wie Hamburg, warum also nicht per Schiff anreisen??? Dieser Gedanke ließ einige nicht mehr los und es wurde recherchiert. Von Hamburg aus hätte es zu lange gedauert, aber es gab da die Möglichkeit, von Bremerhaven aus per Schiff freibeuterlike in Bremen einzulaufen... Geplant, getan.

Die Sache mit der Abendgarderobe wurde durch den nahezu besiegelten Abstieg diskutiert und vom Fanladen und den Passanten u.a. als Motto „Abschlussball" der Fahrt ausgegeben.

Soweit zum Motto. Da das Schiff in Bremerhaven um 10 Uhr ablegen sollte, damit man frühzeitig am Stadion sein konnte, mussten wir dementsprechend früh vom Hauptbahnhof Hamburg Richtung Neugraben und von da weiter mit der Bahn nach Bremerhaven fahren.

Schwierig gestaltete sich am Abend zuvor die Auswahl der Kleidung. Ich besitze eine Reihe von Ballkleidern, die meisten allerdings mit langem weitem Rock, der sich andauernd verheddert hätte. Also entschied ich mich für das „kleine Schwarze" (oder eher „langes Schwarzes"). Für Andy fand ich im Keller noch einen alten Anzug und ein unglaubliches Hemd meines Vaters aus den Siebzigern in giftgrün! Dazu eine knallrote Krawatte, perfekt!!

Auf der Fahrt durfte ich dann die soziale Bezugsgruppe in vollkommen untypischer und ungewöhnlicher (Ver-) Kleidung bewundern!!! Dass Maike in dem Kleid im Winter nicht nach Nürnberg fahren wollte, kann ich jetzt gut verstehen, aber die Ärmste muss auch auf dieser Fahrt erbärmlich gefroren haben. Einige hatten das Motto wortwörtlich genommen und doch tatsächlich noch ihre alten Abschlussballklamotten gefunden und angezogen! Traumhaft, diese Jacketts aus den 80ern!

Auf dem Schiff traf man dann die Westbrigade, die sich diese Gaudi natürlich nicht entgehen ließ und noch etwas früher losgefahren war... Hoto im Rock werden wir wohl so schnell nicht wieder erleben! Oder Watnu in einem Traum aus grünem Taft! (der dann in dem Regenguss auf dem Weg ins Stadion pitschnass wurde, sodass die Arme furchtbar fror und sich zum Wärmen eine Decke um die Beine wickelte...) Die beiden alten Knochen konnten sich zwar nicht für die Anreise per Schiff begeistern, liefen dann aber im Stadion mit Federboa und Anzug auf! Insgesamt war die Beteiligung wirklich gut dafür, dass das Motto spät feststand, hauptsächlich per Internet verbreitet wurde und so viele Leute in Bremen waren.

Der Anblick muss grandios gewesen sein (die irritierten Blicke in den verschiedenen Bahnen und beim Einlass ins Stadion waren es allemal wert!)

Nach 15 Minuten sah es so aus, als ob es vielleicht doch wenigstens EINEN Auswärtssieg geben würde, aber nichts da...

Eigentlich hatten wir gedacht, nach dem Spiel noch ein bisschen im Stadion zu bleiben und Rasen mitzunehmen, aber irgendwie waren wir doch deprimiert (obwohl wir alle in Köln waren und uns da spätestens bewusst wurde, dass das mit dem Klasse halten nix wird, aber ihr wisst ja, wie das ist, Fan hofft ja doch immer noch...) und fuhren mit der ersten Bahn nach Spielende zurück nach Hamburg.

Dort beschlossen eine Blöde vom Volk und ich dann noch, etwas Essen zu gehen, um im Anschluss im Marquee das Konzert von „Schwarz auf Weiß" zu sehen. Zum Tag passend war das Feuerstein natürlich brechend voll und wir warteten über eine Stunde auf unser Essen und der Mozzarellasalat bestand aus einem halben Käse und einer Tomate für günstige 6,50 EURO !!! Den durften die dann allein essen, ich ließ ihn jedenfalls zurück gehen. Dadurch viel zu spät im Marquee, hörten wir nur noch drei Songs der ersten Band, bevor dann gegen 11, halb 12 „Schwarz auf Weiß" auftrat. Wie zum Tag passend war das Konzert nicht der Brüller, aber es war ganz nett.

Nach rund 22 Stunden hatte mich mein Bett wieder.

Sonntagmorgen entschieden wir uns dann doch noch, den Flohmarkt der Vermarktung zu besuchen und verfielen in einen regelrechten Kaufrausch! Aber einen St .Pauli Bademantel für 7,50 EURO musste ich einfach haben! Die drei Neuverpflichtungen aus der eigenen Jugend verkauften fleißig mit und wer sie erkannte, erhielt auch ein Autogramm.