Auswärtsfahrt Leverkusen – Juve oder „der kleine Pannenhelfer"

Am Samstag bei St.Pauli gegen Freiburg bekam ich als „Nicht-Zum-Fußball-Fahrer" eine SMS: „ Kommst du am Dienstag mit nach Leverkusen?" Hmmm, eigentlich hab ich da ja gar keinen Nerv drauf, aber es kam urplötzlich ein weiterer Grund, der mich dazu veranlaßte, endlich mal mit Reiner und seinen Leuten zum Fußball zu fahren. Als absoluter Beginner freute ich mich auf Leverkusen gegen St. Pauli. Juhuu! Wie? Was? Juve??? Ach so, na gut! Kann ja mal passieren, daß man sich irrt! (Ja, los, steinigt mich! Habs ja verdient!)

Endlich war es so weit! In Ratzeburg angekommen traf ich Reiner und wir zitterten, rechtzeitig von unserer „Arbeit" (Danke Chef, Danke Reiner der immer noch A*%&$-Brummen hat!) weg zu kommen! Ja, wenn man etwas will, muß man damit rechnen, auch mal seinen Arsch hinzuhalten! HEHE!

Gegen 08.30 Uhr ging es endlich los! Auf nach Lauenburg! Die ganze Fahrt über nervte ich Reiner, das er bald mal an einer Tanke anhalten sollte, damit ich uns Bier kaufen konnte. Meine Überredungskünste fruchteten nicht, da „erfahrene Auswärtsfahrer für den halben Preis bei MINI-MAL einkaufen gehen!" Aha, wieder etwas dazu gelernt! Es schien wirklich eine Einweisungsfahrt für mich zu werden! Ich stutzte, als wir mit fast Vollgas in Lauenburg an Mini-Mal vorbeischossen! Hab ich jetzt wieder etwas falsch verstanden? „Vielleicht wollen die Anderen ja auch noch etwas mit einkaufen!" Können die sich nicht vorher etwas kaufen? Ich will Bier! So hatte ich mir das nicht vorgestellt! Wird wohl meine erste und letzte Auswärtsfahrt!

Wie? Wir halten an? Bier kaufen? Nein, Flo und Inga abholen! Ahhh, die haben wirklich kein Bier dabei! Mein „ich weiß wo Mini-Mal ist" wurde von Reiners genervtem Blick verschluckt und ich dachte mir, es wäre wohl besser, den Mund zu halten. Letztendlich standen wir in der Getränke-Abteilung und ich hatte endlich nen Sixer in der Hand. Auch wenn ich noch keinen Schluck genommen hatte ging es mir eindeutig besser und ich war wieder motiviert. Der erste Schluck ließ nicht lange auf sich warten und ab ging es zum Millerntor um unseren letzten Mitfahrer abzuholen: Toni!

Aber kein Toni war da! Dafür war etwas anderes da: der erste Druck auf der Blase bei uns Vieren. Als dieser sich in die Büsche verabschiedete, kam auch schon Toni um die Ecke! Nun konnte es doch tatsächlich los gehen! Rauf auf die Bahn und Vollgas! Vollgas? Hahaha, ab 140 fiel Reiners Passat wieder ein , das seine Eltern Känguruhs waren und wollte sich dementsprechend fortbewegen! Auf die Frage an Reiner, wann er denn das letzte Mal seine Zündkerzen gewechselt hätte kam nur „Kerzen? Ist doch noch gar nicht dunkel!" Gott sei Dank befanden wir uns kurz vor einer Raststätte, wo wir mal kurz neue Zündkerzen kaufen wollten. Die gabs da nicht, aber dafür erstanden wir einen technisch absolut ausgereiften Zündkerzenschlüssel, mit dem wir die alten Dinger mal ausbauten. Zehn Augen starrten auf diese bösen Dinger die alle so schwarz waren wie meine Finger. Ich hatte nämlich meine ersten Aggressionen über die dumme Idee, mich auf eine Auswärtsfahrt einzulassen, an ihnen ausgelassen, indem ich mit einer kleinen Stange auf sie einschlug. Auf die Kerzen natürlich. Also ging es lustig weiter und wir hörten mehr auf den Motor und seinen Schluckauf als auf die Musik. Nach einer bangen halben Stunde sahen wir dann das Autohof-Schild und wir waren uns einig, das es bei so einem Trucker-Treff garantiert Zündkerzen gab. Rein in die Tanke und: wieder keine Zündkerzen. Das ist ein wenig harmlos umschrieben, denn eigentlich wurden Reiner und ich von den beiden hässlichsten Tankstellen-Kloppies 2002 ausgelacht: „Trucks fahren doch nicht mit Zündkerzen! Hahaha!" Sie bekamen die bösesten Blicke die wir auflegen konnten und rückten extrem eingeschüchtert mit der Adresse eines Ersatzteil-Ladens im Ort raus. Na also, geht doch! Seit dem hängen dort wohl Fotos von uns mit dem Aufdruck WANTED!

Weiter ging es in den Ort hinein wo wir schnell die Werkstatt fanden. Der kleine Mechaniker baute eine Zündkerze aus, brachte auch blöde Sprüche ( Reiner: Ab 140 fängt er an zu stottern! Werkstatt-Kloppi: Dann dürft ihr nur 130 fahren! Reiner: Ach so!) Ich war schon gar nicht mehr so amüsiert und überlegte mir, ob man den neu erworbenen Zündkerzenschlüssel auch als Anal-Intruder für nervige Werkstatt-Kloppies benutzen kann. Ich wollte gerade loslegen, als wir schon wieder weitergeschickt wurden. Irgendwie hatte es etwas von: Wie halte ich Pauli-Fans am längsten auf? An dem beschriebenen Laden angekommen konnten wir tatsächlich alle Pinkeln und es gab sogar neue Zündkerzen! Juhuuuu! Ich war so motiviert, das ich beim Einbauen doch glatt das eine Zündkabel abriß! War ja egal. Schließlich standen wir vor einem Ersatzteil-Laden.

Meinem Gefühl nach war mindestens ein Tag vergangen als wir wieder auf der Bahn waren. Und was war? Wir brachen in Jubel-Geschrei aus, als wir feststellten, das er jetzt nur noch alle 30 Sekunden stotterte! Da hatte sich das ganze Theater doch wirklich gelohnt! (Doch meine letzte Auswärtsfahrt!)

Ungefähr 200 km und einige Pinkel-Pausen später bemerkten wir, das wir doch alle langsam aber sicher ein Loch im Bauch hatten, was auch noch dadurch verstärkt wurde, das wir die letzte Stunden schon an mindestens 25 McDonald´s vorbeigefahren waren. Darum beschlossen wir, beim nächsten Mc anzuhalten, der ja sicher bald kommen sollte! Er kam auch. 100 km später! Diese hundert Kilometer waren von Meckern, Pöbeln und Gedanken an Kannibalismus gespickt. Der Weg vom Auto zur Theke glich einer Schlacht und die Tabletts wurden gefüllt (Mc Kloppi: Zum hier essen? Ich: Nein, nehme ich mit an den Tisch! Wie unbequem soll das denn sein hier neben der Kasse zu essen? Mc Kloppi: Häh?) Man merkte, das wir schon fast im Ruhrpott waren! Die wahrscheinlich größte Ansammlung von Kloppis in Deutschland. Mit vollen Mägen und neuer Motivation ging es weiter. In Leverkusen angekommen fanden wir auch schnell das Stadion und einen Parkplatz. Reiner rief Massimo an, der für unsere Karten gesorgt hatte. Der „ware abär inä Kölnä Kaffää trinken!" Wir verabredeten uns mit ihm später vorm Gäste-Eingang. Also ran an einen Kiosk in der Nähe der BayArena und Bier trinken. Doch das was ich schon die ganze Fahrt über befürchtet hatte traf ein. Reiner stellte die schlimmste Frage die ich mir in meinem Bier-Durst vorstellen konnte: „Wer fährt eigentlich zurück?" Ahhh, wie rede ich mich da jetzt raus? Nunja, ich hatte einen Grund, den er anerkannte! Schwein gehabt. Nach ungefähr einer halben Stunde wilden Diskutierens und erfinden von den dämlichsten Ausreden der Welt wurde es Reiner zu dumm und bestellte sich seine Ersatz-Droge Cola! Geschafft! Prost! Toni hatte sich mit einer Kühltruhe voll Bier für die Cottbus-Fahrt freigekauft. Cottbus? Kühltruhe voll Bier? Was mache ich eigentlich Samstag? Schnell im Fanladen angerufen und 3 Karten organisiert! Juhuu! Wieder ein Wochenende verplant!

Die Zeit verging relativ schnell und wir schlenderten im Cola- und Bierrausch zum Stadion. Es waren schon einige Turiner da, nur unser Massimo nicht, der noch nach einem Parkplatz suchte. Nach dem Zucken und hektischen Blicken und Bewegungen zu beurteilen waren wir wohl nicht die Einzigen die auf ihn warteten, um ihre Karten zu bekommen. Eine Stunde zu spät, also pünktlich für ihn traf er ein und wurde sofort von einer Menschentraube umringt. Als wir an die Reihe kamen und wir unsere Karten in unseren Händen hielten, wurden auch wir wieder ruhiger und freuten uns aufs Spiel. Also rein ins Stadion! Das übliche Abtasten war für uns relativ schnell vorüber, naja, fast. Reiner durfte erst eine Einweisung in seine Digital-Kamera geben um dem Ordner-Kloppi zu beweisen das man keine Video-Sequenzen damit aufzeichnen konnte. Weil der Kloppi so frustriert darüber war, sie nicht einziehen zu können, ließ er Reiner seine Stiefel ausziehen. Wahrscheinlich vermutete er im linken Stiefel eine Videokamera und im Rechten einen Übertragungswagen. Doch weit gefehlt! Es kam beim Ausklopfen der Stiefel nur ein grüner Nebel heraus, sodas der Kloppi Reiner die Stiefel am liebsten selber angezogen hätte damit er wieder atmen konnte.

Schnell ne Wurst und was zu trinken und nen ordentlichen Platz sichern. Während der Gästeblock schon fast komplett gefüllt war, war der Rest des Stadions noch so gut wie leer. Anscheinend hatten alle anderen Fans Stiefel mit relativ schwierigen Schließ-Mechanismen.

Schon vor dem Spielbeginn stellte ich fest, das mein Italienisch (Spaghetti, Insalata Mista und Pizza) nicht dafür ausreichen würde, um Juve mit anzufeuern. Ich beschränkte mich aufs Klatschen und aufs „Juve"-rufen. Beim Auflaufen der Mannschaften wurden auf der Leverkusen-Seite Pappen hochgehalten sodas eine Schrift zum Vorschein kam. Aber was zu Hölle sollte es heissen? Da hatte wohl der kleine Pumuckl ein paar Pappen ausgetauscht. Sehr amüsant.

Das Spiel war nicht so der Reisser, aber dafür fand ich die Stimmung und den Lautstärke-Pegel ok. Juve war schlecht und Leverkusen hatte verdient gewonnen. Ein paar Minuten nach dem Abpfiff begaben wir uns in Richtung Ausgang und standen in einer Menschenmenge, da die Tore zu waren. Ich dachte erst, es müßte jeder seine Schuhe vorm Verlassen ausziehen, damit keiner ein Tor oder einen Flutlichtmast mit raus schmuggeln konnte. Aber ich wurde von den Anderen aufgeklärt. Es war nur zu „unserer eigenen Sicherheit"!

Am Auto angekommen nahmen wir unsere Plätze ein und es ging heimwärts. Ohne uns zu verfahren gelangen wir auf die Bahn und trieben das Schluckauf-Auto gen Heimat. Flo stellte mit seinen Magic-Fingers einen Radio-Sender ein: Einslive. Eigentlich waren wir alle ziemlich müde aber was dann aus dem Radio dröhnte, war ein Göttergeschenk! Ca eine Stunde lang laberten 4 Stimmen zu lustiger Kinder-Techno-Klassik-Musik den größten Schwachsinn, den ich je in meinem Leben gehört hatte! Aber wir lachten Tränen: Ein kleiner Auszug: „Aussentemperatur 24°Celsius, Tendenz steigend (alle 2 min!)! Rufen sie nicht wieder an, ich habe Geiseln!"

Zu unser aller Entsetzen war es vorbei und Flo wollte gerade den Sender wechseln, als der Sprecher einen 1-Stündigen Live Mitschnitt eines Bad Religion Konzerts ankündigte. Magic Fingers! Sehr entspannend. Nach dieser Stunde wurden unsere Lachmuskeln nochmals auf die Probe gestellt als Jürgen Domian übertragen wurde und ein Anrufer ihn verarschte. Er wünschte sich einen kleinen Affen. Sofort ging im Auto die Diskussion los, was man wohl alles einem kleinen Äffchen beibringen könnte.

In Hamburg angekommen verließ uns als erster Toni, der mit Geldscheinen herumwedelte und die merkwürdigsten Berechnungen in Sachen Spritgeld, Karten und Cottbus-Fahrt machte. Ich wette er hat sich mit dem ganzen Geld mittlerweile nach Brasilien abgesetzt. Warum hatte ich eigentlich plötzlich kein Geld mehr?

Nun nur noch nach Lauenburg die beiden Dauerschläfer absetzen und ab nach Ratzeburg, wo wir um 05.00 Uhr mit einem breiten Grinsen über den gelungenen Tag auf unsere Luftmatratzen fielen.

Was soll ich sagen? Ich war vom ganzen Tag so begeistert, das ich mich schon aus mehreren Gründen auf die Fahrt nach Cottbus freue. Bier, lustige Leute, Punk-Rock und ... etwas, was euch nichts angeht! ;)

Olli