Die lustigste Anzeigentafel der Welt
Am Freitag Morgen wurden Reiner und ich von Norbert vom Fanclub 42, mit dem ich diese Fahrt beim Amatuerspiel gegen den hsv verabredet hatte, in Lauenburg abgeholt, um uns auf den Weg nach Saarbrücken zu machen. Durch fröhliches Plaudern verging die Zeit wie im Flug. Norbert und Reiner wechselten sich beim Fahren ab und ich war für die Unterhaltung zuständig. Trotz häufiger Stopps und einer ausgedehnten Mittagspause bei Burger King in Bad Hersfeld kamen wir zügig voran und erreichten den vom Fanladen wegen der Hoologanproblematik für auswärtige Alleinreisende empfohlenen Treffpunkt in Saarbrücken um 16 Uhr. Norberts Kollege Fank, der aus Dortmund kam und mit zurück nach Hamburg wollte, meldete sich telfonisch ab, weswegen Norbert einmal mehr froh war, nicht allein gefahren zu sein. Da am Treffpunkt noch niemand war, besichtigten wir die Saarbrücker Innenstadt und stärkten uns bei Pizza Hut. Um 17 Uhr schlenderten wir zurück und trafen drei Mitglieder der West-Brigade, die Norbert kennt. Mit etwa 50 anderen St. Pauli Fans fuhren wir unter der Leitung von Sven Brux und eines Einheimischen gegen 18 Uhr mit der Straßenbahn Richtung Stadion. Unter Gesängen wanderten wir flankiert von verwunderten Polizisten das letzte Stück zu Fuß. Das Gelände war durch ein recht großes Polizeiaufgebot weiträumig abgesperrt. Diese Vorsichtsmaßnahme war auch nötig, wurden wir doch von einigen Saarbrücker Hools feindseelig gemustert. Am Stadion angekommen, erwarben wir zu moderaten Preisen (10 bzw. 15 DM) eine Stehplatzkarte für den Block C, befestigten Norberts Transparent und wollten dann die Sanitären Anlagen aufsuchen, allein - es gab keine! Allen Ernstes meinen die Saarbrücker doch, das 2 ( in Worten: ZWEI) Dixie-Klos für die gegenerischen Fans ausreichen! Für Männer ist das ja nun nicht so ein Problem, aber für Frauen? Ich erspare mir jeden weiteren Kommentar dazu, werde aber eine Mail sowohl an den FC Saarbrücken und den DFB schreiben. Unsere Klos sind zwar nicht toll, aber wir haben immerhin welche! Die Versorgung mit Getränken und Wurst war hingegen gewährleistet, sowohl vor dem Stadion als auch drinnen. Die Wurst wurde im Brötchen serviert, war gebraten und bekömmlich. Nun fahre ich selten euphorisch zu Auswärtsspielen, aber die erste Halbzeit machte mir dann doch Angst. Der Saarbrücker Choji hätte mindestens zwei seiner vier Großchancen nutzen müssen, doch der wiklich gute Heinz Weber parierte alle Schüsse. Die Abwehr hingegen war mit den pfeilschnellen Spitzenvon Saarbrücken heillos überfordert, so dass das 1:0 durch Hutwelker in der 45. Minute die logische Konsequenz war.
Die zweite Halbzeit wurde aus hamburger Sicht deutlich besser. Ein ums andere Mal erspielten sich die starken Gerber und Rath Chancen, doch leider konnten auch die 100%igen nicht genutzt werden. Die Konter der Hausherren bleiben aber gefährlich. Blass dagegen blieb Meggle, der kaum Akzente setzte, während Lotter alles versuchte, ihm aber nur wenig gelang. Trulsen wurde erst stärker, als er vom Mittelfeld in die Abwehr rückte. Durch Bajramovic und Baris kam kurz vor Schluss noch einmal Schwung in die Partie, ein Unentschieden wäre drin gewesen. Nach 90 Minuten waren die Punkte fort und wir warteten am Ausgang auf Norberts "Saarbrücker Verbindungsmann" Stefan. Endlich gefunden, fuhr er uns mit seinem Wagen zum Treffpunkt an der alten Feuerwehrwache. Die dort in einer Art Jugendzentrum stattfindenden Party in einem dunklen Raum mit lauter Punkmusik, wurde von reichlich Polizei mit Balulicht bewacht. Es wurden nur St. Pauli Fans oder Symphatisanten reingelassen, Hools hatten keine Chance. Verantstalter und Polizei waren angespannt, drohte sich doch eine Auseinandersetzung anzubahnen. Wir quatschten noch eine Weile und drängten dann um 22 Uhr zum Aufbruch. Stefan geleitete uns noch auf die Autobahn und wir brausten Richtung Autobahn. Obwohl anstengend, vergingen die 7 Stunden Rückfahrt zügig. An einer Tankstelle drückten wir uns nachts um 2 noch eine Bockwurst rein und kamen dann um 5 Uhr in Lauenburg an. Der arme Norbert musste dann noch nach Poppenbüttel fahren.
Ach ja, die lustigste Anzeigetafel der Welt! Die müsst ihr Euch nächstes Jahr selbst anschauen. Oder vielleicht findet ihr auf www.west-brigade.de oder www.fc42.de ein paar Fotos...
Christine im März 2001