Schönes Wochenende oder die Kultur ist tot
Ein Sonntagsspiel so dicht bei Hamburg - das konnte nur bedeuten, dass die Gemeinde vollzählig anzutreten hatte. Durch widrige Umstände fehlten uns dennoch einige und so machten sich Pauli-Flo, Inga, Reiner, Christine, Darko, Thesie und Schlangen-Flo mit dem "Schönes Wochendende" Ticket auf den Weg. Den König sollten wir in Osnabrück treffen, er wollte direkt aus Paderborn dazu stoßen.
Pauli-Flo, Inga, Reiner und ich machten uns per Bus und Bahn gegen halb 9 am Sonntag auf den Weg nach HH. Die anderen trafen wir am Hauptbahnhof. Da wir (und so ca. 800 - 1000 andere) nicht gehört hatten, dass der Sonderzug erst um 11.31 fahren sollte, drängten wir uns also in den Regelzug über Bremen nach Osnabrück. Obwohl der Zug mördervoll war, konnte ich aufgrund meiner Fußverletzung einen Sitzplatz ergattern. Alsbald wurde mit Bierchen und Stullen gefrühstückt. In Bremen hatten wir eine halbe Stunde Aufenthalt. Diese wurde als Klo - Pause genutzt (danke nochmal an die netten Kellnerinnen vom Pizza - Hut, die ca. 50 Leute ihr Klo benutzen leißen, ohne dass wir auch nur eine Cola gekauft hätten). Der Zug von Bremen nach Osnabrück war ein Zug mit 3 oder 4 Doppeldecker - Waggons. Wie wir bald feststellen sollten, wurde bei dieser Art Züge der Einbau von Klo´s vergessen wurde. Genau 2 habe ich gezählt, wovon das eine nach kurzer Zeit unbenutzbar war. Diese Tatsache hatte zwei Folgen: 1. musste man entweder eine halbe Stunde anstehen oder 2. warten, bis der Zug in einen Bahnhof einfuhr (was zum Glück alle 10 Minuten der Fall war) und sich ins Gebüsch schlagen, was ja nur für Männer wirklich in Frage kam (So kam es denn, dass die Zugbegleiterinn Frau Neumann tierisch genervt war, weil sie immer warten musste, bis alle wieder im Zug waren...). Inga und mir wäre jedenfalls fast die Blase geplatzt und so verzichteten wir nach diesem furchtbaren Erlebnis lieber auf Bier.
Endlich angekommen an des Gegners Ort, stand uns ein kostenloser Shuttle - Service zum Stadion zur Verfügung, den wir dankbar annahmen (Kompliment an die Stadt Osnabrück: freundliche Polizisten (gaben Auskunft), nette Busfahrer (ließen sich durch unsere Gesänge nicht aus der Ruhe bringen) - tolle Organisation). Nach Bier (wieviele Becher denen wohl abhanden gekommen sind...), Wurst und Gemeindefoto, machten wir auf ins Stadion. Der König war schon drin, doch es war ihm unmöglich, soviele Plätze auf den oberen Stehplätzen freizuhalten, so dass wir mal wieder am Zaun standen. Für unser Transi war auch kein Platz mehr, aber egal. Was dann folgte, war der wohl langweiligste Kick seit... naja, seit April diesen Jahres ( die letzte Saison bot ja manch furchtbares Spiel...). Irgentwie gab´s nicht eine Torchance, mal abgesehn von ein paar Versuchen. So konnte keinem eine schlechte, aber auch keinem ein gute Leistung bescheinigt werden.
Auf der Rückfahrt sollte der Sonderzug früher als der Regelzug fahren, weshalb nun dieser entsprechend voll war. Natürlich musste es wieder zu Auseinandersetzungen mit der Polizei kommen (diesmal nicht in NRW!). Ich kann keine Namen nennen, doch diejenigen haben zumeist sehr kurze Haare, tragen Turn- und Handschuhe und singen gern mal 3 Stunden das gleiche lustige Lied. Die sogenannten Fans gaben auf Nachfrage zu, dass sie die Polizei durch Gesten provoziert haben. Da wir mit diesen Gesellen einen Waggon teilten, sagten wir nix, was uns im Nachherein 1. zu Feiglingen, 2. zu "normalen" Fans macht und 3. uns ziemlich peinlich war. Sicher, es gibt immer Polizisten, die Stress machen, doch die allermeisten tun nur ihren Job und würden das Wochenende auch leiber anders verbringen. nicht wenige sind doch selbst Fußballfans!
Wo ist denn die tolle Fankultur des FC St. Pauli? Der Mythos lebt ja vielleicht noch, doch die Kultur ist tot. Ist Toleranz grenzenlos? Oder sollte man Vorgängen, die einem missfallen, nicht entgegen treten? Da wir nichts getan haben, geht das Goldene Stück Scheiße an uns, denn wir habens uns echt verdient (WIZO).
Die Friedensfahrt nach RWO sollte in beide Richtung Zeichen setzen: für Polizei und Fans! Ich habe keine Lust, die Kultur ganz aufzugeben. Was unterschiedet uns denn noch von Fans anderer Vereine? Es wäre fatal, wenn die vielgelobte Friedfertigkeit der St. Paulianer durch eine kleine Gruppe von Störenfrieden und die Masse der "Nichts - dagegen - Macher" das zerstören, was die Fankultur St. Paulis ausmacht. Anfeuern, singen, bunt sein, trinken... ja, Gewalt und Provokation NEIN!
Bevor wir Blumen an Polizisten verteilen und weiße Fahnen schwenken, sollten wir wissen, warum...