"Keine Gewalt - Frieden schaffen ohne Waffen" oder "die Blumenkinder waren unterwegs"

Ach, war das ein schöner Sonntag! So rundrum einfach nur gelungen. Wie immer, wenn es zu einem Auswärtsspiel geht, quälten wir uns zur denkbar unchristlichen Zeit gegen 6.30 aus dem Bett. Da so früh morgens noch kein Buss nach HH fährt, biss ich also in den sauren Apfel und fuhr mit dem Auto, was mich auf der Rückfahrt zur Abstinenz verpflichten würde, aber egal. Nachdem Pauli-Flo und ich Thesie in Grünhof eingesammelt hatten, erreichten wir viertel nach acht den Hbf in HH. Super, also noch schnell zu Mc Do, frühstücken. Während sich Flo über mein Sweet Breakfast ekelte, frage ich mich auch heute noch, wie man um die Uhrzeit einen MC Rib essen kann.

Bekleidet mit Wollpuovern und bewaffnet mit Blumen und Friedensfahnen fanden wir uns auf dem Bahnsteig ein. Zu unserer Überraschung tummelten sich dort nur noch etwa 180 andere Gleichgesinnte. Gut, so billig wie nach Osna kam man diesmal nicht davon, aber insgesamt war die Beteiligung doch eher dürftig. Wir teilten uns mit ein Abteil mit zwei anderen (Gruß an Petra und den Ex-Möllner) und unterhielten uns prächtig bei Bier und Musik. Eine wahre Zettelflut ergoss sich über uns, und nachdem wir sowohl Liederzettel, Wegbeschreibung und Infoblätter erhalten hatten, machte ich mich auf den Weg, auch meine Flyer unter die Leute zu bringen. Bis auf einen dummen Spruch gab´s aber keinerlei Reaktionen darauf. Nachdem wir in Dortmund umsteigen mussten und die Biervorräte aufgefüllt hatten, kamen wir so gegen eins in Oberhausen an. Mit lautem Hallo wurden die Blumen und Infozettel an die Polizisten verteilt, worüber sich die meisten sehr freuten. Nur die Grünen am Stadion waren etwas unwirsch. Aber wer nicht will, der kriegt auch nix. Die Füße konnten wir auch diesmal schonen, da es wie schon in Osna einen Busshuttle zum Stadion gab. Der Weg von der Straße zum Stadion erinnerte mich irgendwie an Ahlen.

Im Stadion angekommen, plazierten wir unser Transi diesmal so, dass man es im Fernsehen sehen konnte. Die freundlichen Oberhausener hatten die komplette Kurve für uns reserviert, etwa 1/4 des Stadions. Nach sehr leckerer Wurst und echtem Bier (das Ende der 2. Halbzeit alle war) warteten wir, dass sich das Stadion fülle und das Spiel begänne. Das Spiel fing auch pünktlich an, aber Oberhausener waren kaum da. Der Stadionsprecher meinte zwar was von 6650 Zuschauern, aber ich glaub, der sah doppelt. Auf jeden Fall waren´s so 800 bis 1000 Hamburger. Die Stimmung bei uns war großartig, vor allem als Klasnic nach nur 3 Minuten das Führungstor gelang. Dann meinten unsere Jungs wohl, einen Gang rausnehmen zu können und ich sah uns schon 3:1 verlieren, nachdem die RWO´ler kurz vor der Pause zum Doppelschlag ausholten. Als unsere Jungs aus der Kabine kamen, spielten sie wie am Millerntor und wurden prompt belohnt. Meggle traf in der 57. und Patschinski knapp 20 Minuten später. Das tolle Solo von Trulsen wurde allerdings nicht von Erfolg gekrönt. Die Schlussphase war dann noch sehr hektisch und Wehlage musste vorzeitig duschen gehen, aber dann hatte der Schiri ein Einsehen und pfiff ab. 3:2 gewonnen!!!! Unglaublich! Selten ein so tolles Spiel gegen einen so wichtigen Gegner gesehen!

Wir feierten unsere Jungs überschwänglich. Die Ordner meinten dann aber, dass sie unsere Transis abbauen müssten und so sahen wir zu, dass wir das unsere einrollten. Thesie und ich suchten noch mal die Örtlichkeiten auf und wurden dann aus dem Stadion geworfen. Wir waren um viertel nach fünf die Letzten! Licht war schon aus und wir erwischten gerade noch einen Bus zum Hbf. Dann hatten wir noch knapp 2 Stunden Aufenthalt in Oberhausen. Wir wärmten uns bei Mc Donalds auf und waren eigentlich ziemlich fertig. Mit den Ordnungshütern gab es ebensowenig Probleme wie mit den Kurzgeschorenen. Wie auch auf der Hinfahrt mussten wir in Dortmund umsteigen und trafen dort auf die Borussen aus Gladbach und Dortmund, sowie auf Duisburger. Der eine Duisburger sah uns und was rief er? "Deutsche, wehrt Euch, geht nicht zu St. Pauli". Geistreich. Wir haben ihn nur ausgelacht, was er wiederum nicht so komisch fand. 

Der Zug nach HH war schon voll, also wir einstiegen, war ja auch völlig unbekannt, dass wir eine Reise machen. Egal, wir setzten uns dann frech ins Mitropa - Restaurant und tranken mitgebrachtes Bier. In dem Wagen war es so heiß, dass einem echt schlecht wurde. Die Rückfahrt ist immer die Hölle! Obwohl mit Verspätung abgereist, kamen wir pünktlich kurz nach elf in HH an.

Nach einer knappen Stunde Autofahrt war der ereignisreiche Tag für Pauli-Flo, Thesie und mich zu Ende. Ich haben ungefähr 12 DM vertelefoniert, um die Daheimgebliebenen vom Stand der Dinge zu unterrichten, aber das war´s wert.

FAZIT: "Keine Gewalt" ist möglich und macht auch viel mehr Spaß.

Christine am 21.11.00