Gladbach - St.Pauli 4:2

Alles Kacke, Deine Annie ...

Es war mal wieder ein Samstag um sich per Sonderzug nach Gladbach zu den "Fohlen" zu begeben. Die Fangemeinde machte sich nur zu dritt auf die Reise, da unser Günther Netzer kurzfristig noch absagte, da er eine Grube im elterlichen Garten ausheben musste. Eine Grube für ähh, O.K. lassen wir das... Ich war noch sehr angeschlagen vom Vortag. Ich kann nur jedem davon abraten, auf das von Karstadt inszenierte Oktoberfest zu gehen. Und vor allem: Hände weg vom Obstler !!! Ich musste aufgrund der Obstler gleich zweimal die Kloschüssel umarmen !! Das war mir schon etwas länger nicht mehr passiert. Und so kam es, dass Pauli Flo und unser frisch gewählter Kassenwart schon an den Gleisen auf mich warteten. Nach einer kurzen Verzögerung gings dann auch schon los. In unserem Abteil sass dann auch schon " Schorsch ", der diesmal unsere Fangemeinde begleiten sollte und ein, äh, ich glaube "Frank" hiess Er. "Schorsch" ist ca. 50, kommt aus Lüneburg und ist ein Kumpel von Pauli-Flos Vater. Uns drängte sich dann auch noch ein weiterer Mitfahrer auf. Ich glaube er hiess "Horst". Wie wir alle feststellen mussten, ist er kein Freund von Didi Demuth... ( "Der kann nicht so gut Reden, meine Meinung." usw. ). Die Hinfahrt verging also aufgrund einiger Streitgespräche mit Horst sehr schnell. Am Bahnhof angekommen wurden wir dann von Jungs und Mädels in grün zum Stadion per pedes geleitet. Im Stadion stand ein Bus bereit, in dem man Wertsachen deponieren konnte. Das war ne gute Aktion, die auch von den Gladbacher Fanbeauftragen ( glaube so was gelesen zu haben ) inszeniert wurde. Drinnen gab es leider nur eine Wurstbude und einen Bierstand. Es müsste sich doch eigentlich rumgesprochen haben, dass wir, die wir aus dem Norden sehr gerne und zahlreich reisen, und dazu auch noch sehr hungrig und durstig sind. Das war nix. Wir mussten dann sogar mit einer halbrohen, nicht wirklich leckeren Frikadelle voerlieb nehmen, da die Würstchen gerade auf den Grill geworfen waren worden. Bier holen wurde zur Geduldsprobe, die wir abbrechen mussten, um noch Platz im Stadion zu bekommen. Mir wurde klar, warum die Gladbacher ein neues Stadion bauen wollen. Es ist nicht mehr, sagen wir mal, zeitgemäss. So steile und enge Tribühnen habe ich noch nirgendwo gesehen. Ich war froh, dass ich nicht noch ein paar Bier mehr getrunken hatte, sonst wäre ich wohl in die Tiefe gestürzt. Es hat ja aber auch Vorteile, man steht eben schön dicht beieinander...

Kommen wir aber nun zum Spiel. Nach ca. 5 min passt Bürger Richtung Elfer zu Wehlage. Toller Schuss von Wehlage, doch Kamps kann den Ball gerade noch wegfausten. Der Ball kommt zu Patschinski, der im Strafraum per rüdem Bodycheck zu Boden geht. Elfmeter. Klasnic macht ( fast ) alles richtig, leider ca. 50 cm links am Tor vorbei. Nächste 100 % Chance nur wenig später für Meggle nach tollem Pass wieder von Bürger stürmt er allein auf Kamps zu, doch verstolpert den Ball, als er noch mal abbremst anstatt zu schiessen. Dann gab´s auch noch ein dickes Gastgeschenk von Stanislawski. Ein wunderschöner Pass an den 16 er auf van Lent. Weber kommt weit aus seinem Tor raus. Van Lent schiesst gegen den Pfosten und Osthoff braucht nur noch einschieben. So etwas darf nicht passieren !!!!!! Doch Pauli schlägt zurück. Meggle holt sich einen weiten Abschlag von Weber, passt kurz auf Klasnic. Ivab zieht ab und der Ball zappelt im Netz. So soll das laufen, sehr schön !! 1:1. Nächste Riesenchance noch vor der Pause. Wieder ein Kurzpass(spiel und Über... ) von Meggle an den 16er. Diesmal auf Patschinski, der gibt den Ball weiter an Klasnic, doch die Gladbacher Abwehrspieler stehen gut ( im Weg ) und so verdaddeln unsere Stürmer den Ball. Gladbach wechselte in der Pause Igor Demo ein, dochh die erste Chance hatte wieder Pauli. Super Pass von Lotter auf Patschinski, der tanzt die Abwehr aus, will aber unbedingt zu Klasnic passen, was leider misslingt. Wieder ein weiter Abschlag von Weber, Rahn gewinnt das Kopfballduell. Der Ball springt in den 16er, Patschinski ist zur Stelle und lässt Kamps ganz, ganz alt aussehen. Mit einem wunderschönen Heber. Man war das ein geiles Tor !! Kamps blieb wie angewurzelt stehen. Keine Chance. Pauli führte endlich mal verdient in diesem Spiel. Doch die Führung hielt nicht lange. Einwurf in den 16er auf den alleingelassenen Demo, der zieht Volley ab und der Ball ist im Kasten. Kurz danach auch noch ein Traumpass von Demo auf van Lent, der nicht viel Gegenwehr von Weber erhielt. 3:2. Es folgten zahlreiche Chancen von Pauli, doch der Ball ging einfach nicht rein. In der 90. Minute dann ein Freistoss für Gladbach. Witeczek auf Nielsen, der zieht Volley ab und Weber kommt nicht mehr an den Ball.

Hier noch ein paar Stimmen zum Spiel: Hans Meyer: "Vielleicht ist Pauli ja doch ein Aufstiegskandidat.", "Gehen Sie mal davon aus, dass Pauli heute saustark war." Van Lent: "Wir haben heute sehr viel Glück gehabt. Pauli hätte nach 10 Minuten schon 3:0 führen können." Demuth: "Wir haben heute 3 Punkte verschenkt."

Nach dem Spiel ging es dann recht schnell aus dem Stadion. Gladbacher und Pauli Fans spaziereten friedlich und das Spiel diskutierend nebeneinander durch die Strassen. Zu guter letzt gab es dann doch noch Stress, und zwar mit den Leuten in Grün, da sich jemand für den Bahnhof was ganz tolles einfallen lassen hatte. Gladbach und Pauli-Fans sollten im Bahnhof voneinander getrennt werden. Man beachtete aber nicht, dass man somit uns Pauli-Fans den Zugang zu Getränke und Snackständen versperrte. Da muss wohl ein Wort das andere gegeben haben. Ich sah nur mit einem Mal, wie sich ein Fan und ein Grüner gegenüberstanden und zu rangeln und schubsen anfingen. Die Aufregung war gross. Es stürmten dann auch noch Grüne mit Helmen zu der Rangelei hinzu, und der Bahnhof wurde am Eingang abgeriegelt für ca. 10 min. Die Situation beruhigte sich wieder ein bisschen, da der Ergriffene wieder frei war. Es durften wieder Leute in den Bahnhof. Einer warf wohl mit einer halbvollen Bierdose nach einem Polizisten und schon gings weiter. Mir schien so, dass die Leute in Grün ein bisschen überreagierten. Ich hatte auch in der Stadt gesehen, wie ein Polizist einem ca. 17 Jährigen einen heftigen Schlag an den Kopf verpasste, da dieser gegen einen Mülleimer oder so getreten hatte. Das muss wirklich nicht sein. Ich dachte echt über eine Anzeige nach. Nur weil man eine Uniform anhat, hat man nicht das Recht in der Gegend rumzuprügeln. Ich kann auch verstehen, dass die Nerven bei den Polizisten blank liegen, aber auch das ist kein Grund zu prügeln. Hey, Polizei, dein Freund und Helfer, oder ??

Die Rückfahrt war dann für Pauli-Flo ein bisschen zu hart. Wahnsinn, wie man so unbequem einpennen kann. Natürlich mit nem Bier in der Hand. Ach ja, zum Thema Sonderzug. Man sollte echt dafür sorgen, dass Niemand zumindest teilweise so´n Schwachsinn durch die Mikro´s durchsagen kann, wie passiert, und was ich mir wünsche würde ist, dass man im Zug vielleicht ein paar Snack´s kaufen kann, denn auf der Rückfahrt knurrte so manchem von uns der Magen...

Also, bis gegen Fürth, TeTie.

 

Pressemitteilung des Fanladens; Betreff: Vorfälle nach dem Spiel Bor. Mönchengladbach - FC St.Pauli am 30.09.2000 Kriminalisierung, Staatshooligans und betrunkene Fans

Am 30.09.2000 kam es im Nachklapp des Bundesligaspiels zwischen Borussia M´gladbach und dem FC St.Pauli zu erheblichen Differenzen zwischen den Fans aus Hamburg und den am Bahnhof eingesetzten Ordnungskräften des BGS des Landes Nordrhein-Westfalen. Es muß an dieser Stelle zugegeben werden, daß im Zuge des erhöhten Alkoholkonsums einige Fans aus Hamburg übermäßig aggressiv und provokativ aufgetreten sind und ein Bierbüchsenwurf auf einen Beamten mit als Auslöser der Vorkommnisse anzusehen ist. Die Reaktion der Polizei/BGS jedoch kann getrost als überzogen, eskalierend und bedrohlich angesehen werden. Wahlloses Einschlagen mit Schlagstöcken und Fäusten auf Fans ist sicherlich nicht die Maßnahme, mit der man eine zu diesem Zeitpunkt noch entspannte Situation wieder beruhigen kann. Vielmehr hat der willenlose Einsatz von Zwangsmaßnahmen auch gegen Unbeteiligte, das Einsetzen von Gewalt gegen verbal agierende Fans sowie jeglicher Mangel an Kommunikation mit Zivilbeamten und den Fanbetreuern aus Hamburg zu einer Eskalation geführt, wie wir sie noch selten erlebt haben. Hierbei war besonders auffällig, daß eine nicht unerhebliche Anzahl an Beamten ein Auftreten an den Tag legte, welches mehr an Hooliganismus denn an Rechtsstaat erinnerte. Schon der Versuch, eine
Anzahl von ca. 800 Fans in den Sonderzug zu treiben und dabei u.a. in Kauf zu nehmen, daß Fans beinahe unter den Zug gedrückt wurden, kann als kriminell angesehen werden. Hier wurden sämtliche Fans des FC St.Pauli als potentielle Gewalttäter und Schwerkriminelle angesehen und behandelt. Obwohl sich die Situation mehrfach beruhigte, muß festgestellt werden, daß vornehmlich durch das kriminell gewalttätige Auftreten einzelner Beamter diese immer wieder eskalierte. Nicht zum ersten Mal wurden Fans des FC St.Pauli von Beamten des Deutschen Staates als „Pack“ und „Abschaum“ bezeichnet, „welche ein solches Vorgehen mehr als verdient hätten“. Unter anderem befanden sich in diesem „Pack“ viele Kinder und Jugendliche sowie Spieler des FC St.Pauli. Nicht zum ersten Mal müssen wir feststellen, daß dem BGS im Rahmen von Fußballspielen jegliches Augenmaß für Situationen fehlt, daß Kommunikationswege ignoriert werden und daß in diesem speziellen Fall sogar von massiver gewollter??? Eskalation denn Deeskalation gesprochen werden muß. Wenn schon das Treiben von Vieh in einen Güterwaggon oft als unwürdig angesehen wird, so stellt sich die Frage, welches Wort für ein ähnliches Vorgehen bei Menschen angewandt werden soll. Maßgeblich an der Eskalation beteiligt war der Einsatzleiter vor Ort (Name bekannt), der exemplarisch feststellte, daß er alleine festzulegen habe, wann der Zug abfahre und wann nicht. Hätte er diese Maßnahme zum Zeitpunkt der Aussage durchgesetzt (ca. 17.30 Uhr), hätten weit mehr als 400 Fans in Mönchengladbach verweilen müssen. Auch hier hatten wir mehr das Gefühl, daß an einer Lösung der Problematik überhaupt kein Interesse bestand. Darüber hinaus war es vielen Fans nicht möglich, sich gegen die Maßnahmen der Polizei zu wehren, da weder Dienstnummern noch Namen von den Beamten, die sich als extrem gewalttätig herausstellten, herausgegeben wurden, sondern diese Anfragen vielmehr mit einem Lächeln und einer weiteren Bedrohung ignoriert wurden. Wir weisen am Ende des Schreibens noch einmal darauf hin, daß uns absolut bewußt ist, daß auch Fans des FC St.Pauli nicht unbeteiligt an den Vorkommnissen waren und verurteilen überzogene Reaktionen und Aktionen der Fans, jedoch waren diese größtenteils, von einzelnen abgesehen, eine Reaktion auf ein maßloses, gewalttätiges und grundloses Einschreiten seitens des BGS. Wir können nur hoffen, daß der Staat Nordrhein-Westfalen nicht bei allen Spielen der 1. und 2. Bundesliga bzw. Regionalliga ein derartiges Erscheinungsbild an den Tag legt. Hooligans in Polizeiuniform sind sicher das letzte, was zu einer in Zukunft angenehmeren Zusammenarbeit beitragen wird. Wir sind enttäuscht und entsetzt über die Vorfälle am Hauptbahnhof Mönchengladbach und werden in Zusammenarbeit mit den Fans einen ausführlichen Bericht an die entsprechenden Stellen senden. Für die Zukunft würden wir uns ein entspannteres Auftreten der Polizei/BGS aber auch der Fans wünschen, wie wir es vielerorts auch schon erlebt haben. Unser Eindruck jedoch, daß es nicht wenige Polizisten gibt, die ihre Uniform als Schutz dafür nutzen, ihr eigenes Gewaltpotential auszuleben, wurde mehr als verstärkt.

Hendrik Lüttmer (Fanladen St.Pauli)

Zur Kenntnis: FC St.Pauli, Holger Spiecker (Fanbeauftragter Bor.Mönchengladbach), Koordinationsstelle der Fanprojekte beim DFB.