Ich bins so Leid
oder
Ich brauch ne braun-weiße Brille
Ja, ich bin es Leid.
Ich bin es Leid, mir das dritte Jahr in Folge Drittliga"fußball" anzuschauen. Ich bin es Leid, immer nur besch**** geschossene Ecken zu sehen, die nix einbringen. Ich bin es Leid, dass man schon an Danile Sager zurückdenken muss, wenn man sich mal an einen gefährlichen Freistoß erinnern will. Ich bin es Leid, Shubi beim Dribbeln zuszusehen, wenn ich weiß, dass der Ball dann am Ende doch beim Gegner landet. Ich bin es Leid zu sehen, wie die Mannschaft zwar kämpft, aber viel zu wenig aus ihren Möglichkeiten macht.
Ja, meine Erwartungshaltung ist in dieser Saison besonders hoch. Ich will aufsteigen! Es reicht mir langsam in der Regionalliga! Und ich sehe extrem schwarz für die Zukunft unseres geliebten FC, wenn ein weiteres Jahr dritte Liga auf uns wartet....
Positiv für mich persönlich ist, dass ich wieder Emotionen habe, wenn ich zum Fußball gehe.
Ich habe Lust, mir das Gekicke anzuschauen. Ich jubele ausgelassen und tanze einen Torpogo, der sich gewaschen hat, drei Stufen runter und vier wieder hoch, inklusive Bierdusche, Brandlöchern und abgeschürften Knöcheln. Ich stehe gern an dem Platz, an dem ich seit ein paar Monaten stehe. Ich singe viel, ich klatsche viel und ich tanze sogar. Und kann dabei fast das ganze Spielfeld überblicken, da mein geliebter Fanclub mir den Rücken bzw. den Bauch freihält.
Und ich ärgere mich maßlos und mit einer Heftigkeit über verpasste Chancen und schlechte Leistungen des Schiris oder der Mannschaft. Ich schreie, pöble und springe wie ein Flummi umher vor Wut. Ungeahnte Aggressionen wünschen ausgelebt zu werden und lassen sich nur durch ein Tor oder hemmungsloses Motzen abreagieren.
Ich fahre sogar wieder mehr auswärts, weil ich in der (vermeidlichen) Aufstiegssaison nicht mehr Spiele verpassen will, als unbedingt Not tut. Und weil ich gern mit Leuten zusammen Fußball erlebe.
Und es ist schön, mit der Mannschaft gemeinsam zu feiern. Das ist meiner Meinung nach SO immer noch außergewöhnlich und ich denke, dass wir diese Saison ein wirklich gutes Team haben, in dem es weitestgehend auch zwischenmenschlich und menschlich überhaupt zu stimmen scheint. Etliche Spieler wissen uns zu schätzen. Können erahnen, was wir mitmachen, mitgemacht haben und was wir alle so unbedingt wollen.
Das alles ist klasse und hat mir ungefähr drei Jahre lang gefehlt.
Ich brauche mir die Spiele nicht mehr schön zu trinken.
Sie sind schön.
Irgendwie jedenfalls.
Zum Glück haben wir gestern doch noch ein Tor geschossen und das Spiel irgendwie gewonnen. Endlich mal Glück in Minute 90. Was wäre wenn Rechnungen wurden schon wieder aufgemacht. Wuppertal. Hertha. Es hätten schon vier Punkte mehr sein können. Müssen.
Der Song, der dann von Block 1 ausgehend gesungen wurde, passt da wie die Faust aufs Auge: 90 Minuten sind lang! Erst fang` sie ganz langsam an, aber dann!
Überhaupt macht das Singen riesigen Spaß. Auch spielgeschehensunabhängig. Als gestern das "St. Pauli" von USP ausgehend erst im Wechsel mit der Südkurve, dann mit der Haupttribüne und schließlich sogar mit der Nordkurve gerufen wurde.... Gänsehaut!!!! Das ist ein Roooaaaar gewesen. Anders als früher. Eben so wie heute.
Christine